Zweierlei Tristesse in Mailand

Nach dem 0:0 im Stadtderby verbleiben die beiden Mailänder Clubs im Mittelfeld der Serie A. Sportlich sehnt sich sowohl die AC Milan wie Inter Mailand nach den grossen Erfolgen vergangener Tage. Silvio Berlusconi sucht derweil einen Käufer für die hochverschuldete AC Milan.

Lukas Plaschy/Rom
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FUSSBALL. Inters Trainer Roberto Mancini hatte bereits vor dem Spiel von einem «Derby der Armen» gesprochen. Die auflagenstärkste Zeitung des Landes, die notabene aus Mailand stammende «Gazzetta dello Sport», setzte gestern als Hauptschlagzeile lieber auf den Moto-GP-Sieg von Valentino Rossi und sprach in der Verniedlichungsform von einem «Derbino». Das sonntägliche 0:0 im insgesamt 285. Vergleich der beiden Stadtrivalen war zwar ein emotionales, aber qualitätsarmes Kräftemessen zweier Clubs, die ihre Identität suchen. Dabei wollte Milans Trainer Filippo Inzaghi mit keckem Angriffsfussball und Kurzpassspiel in dieser Saison den von Silvio Berlusconi so geliebten Glamourfaktor ins San Siro zurückbringen. Von der «Grandezza» des siebenfachen Champions-League-Siegers ist aber nur noch der Name übrig geblieben ist. Das Kader besteht vorwiegend aus vermeintlichen oder abgehalfterten Stars.

Manager Adriano Gallianis gelungenster Transfer war bezeichnenderweise der von Real Madrids Ersatztorhüter David Lopez, mit mehreren Paraden auch am Sonntagabend noch der Beste seines Teams. Sollte es Inzaghi nicht gelingen, sich in den verbleibenden sieben Spielen wenigstens für die Europa League zu qualifizieren, wäre er Ende Saison nach Clarence Seedorf und Massimiliano Allegri wohl bereits der dritte gechasste Übungsleiter hintereinander.

Asiatische Interessenten

Ob Berlusconi bei der Trainerfrage dann noch mitreden wird, ist fraglich. Der 78-Jährige will sein ehemaliges Lieblingsspielzeug nach 29 Jahren nämlich verkaufen. Zu Beginn seiner Politkarriere hatte ihm der Fussball eine wichtige Bühne geboten. Nun scheint die Liebe des einstigen Premierministers erloschen, auch angesichts von fast 250 Millionen Euro Schulden. «Die AC Milan? Lassen Sie uns über seriösere Dinge reden», liess sich der Patron jüngst zitieren. Die Tifosi befürchten ohne potenten Geldgeber den Abstieg ins Mittelmass. Zwei Konsortien scheinen an einer Übernahme des Vereins interessiert. Eine chinesische Interessengruppe, in welcher sich Industriegiganten wie der Technologiekonzern Huawei oder die Handelsplattform Alibaba befinden, wird vom Hongkonger Geschäftsmann Richard Lee angeführt. Zurzeit favorisiert ist aber der thailändische Broker Bee Taechaubol. Der Multimillionär will 500 Millionen Euro investieren, um die Aktienmehrheit von Berlusconi zu übernehmen. Erhält Taechaubol den Zuschlag, würde unter anderem der ehemalige Captain Paolo Maldini als technischer Direktor zurückkehren. Gespräche sollen Ende April stattfinden.

Mancini plant Kaderschnitt

Inter Mailand wird bereits von einem Ausländer kontrolliert. 2013 verkaufte Präsident Massimo Moratti seine Mehrheit an den indonesischen Geschäftsmann Erick Thohir. Der verordnete dem Champions-League-Sieger von 2010 einen rigorosen Sparkurs und ersetzte Trainer Walter Mazzarri durch Roberto Mancini. Der 51-Jährige tut sich allerdings schwer. Mit 42 Punkten aus 31 Spielen ist Inter nur auf Platz zehn und damit noch hinter Milan klassiert. Nun plant Mancini mit dem Segen Thohirs einen radikalen Kaderschnitt. Nicht mehr erwünscht ist unter anderen der von Arsenal ausgeliehene Lukas Podolski. Xherdan Shaqiri hingegen soll eine Schlüsselrolle einnehmen. Mancinis Wunschspieler für die nächste Saison ist aber Yaya Touré von Manchester City. Dazu müssten das Sturmtalent Mauro Icardi und Mittelfeldspieler Mateo Kovacic abgegeben werden.