Zwei von sechs sind angekommen

Der FC St. Gallen reist am Sonntag erneut als letztklassiertes Team nach Neuenburg. Eine Zwischenbilanz sechs Runden vor dem Saisonende zeigt, dass von den sechs neu verpflichteten Spielern zuletzt bloss zwei die Erwartungen erfüllten.

Patricia Loher
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St. Gallens neuer Spieler Alberto Regazzoni glaubt, dass «ich vieles besser machen kann». (Bild: Ralph Ribi)

St. Gallens neuer Spieler Alberto Regazzoni glaubt, dass «ich vieles besser machen kann». (Bild: Ralph Ribi)

Fussball. Wunderdinge sind in St. Gallen seit der Winterpause trotz der Verpflichtung von sechs neuen Spielern nicht passiert. Und weil die Grasshoppers gestern in Thun gewannen, rutschten die Ostschweizer wieder auf den letzten Rang ab. Offensiv war das 3:1 auswärts gegen die Zürcher zwar ein Müsterchen, wozu die Mannschaft fähig sein könnte. Eine Tormaschine ist St. Gallen aber weiterhin nicht. Acht Treffer in den zwölf Spielen der Rückrunde sprechen eine deutliche Sprache. So sind einige Probleme geblieben, heimschwach zum Beispiel ist St. Gallen noch immer. Das 0:1 gegen Sion am Samstag war im fünfzehnten Heimspiel der Saison die zehnte Niederlage. Defensiv allerdings scheint die Mannschaft ihr Gleichgewicht gefunden zu haben. In den vergangenen sechs Partien musste St. Gallen pro Spiel nie mehr als ein Tor hinnehmen.

Angekommen

Unter den sechs Neuverpflichtungen gibt es mit Oscar Scarione und José Gonçalves zwei Gewinner. Scarione war beim 3:1 gegen die Grasshoppers überragend: Zwei Tore bereitete er vor, einen Treffer erzielte er selber. Die Teamkollegen schienen Scariones Spiel erstmals so richtig zu verstehen. «Es läuft immer besser», sagt der 25jährige Argentinier. Gegen Sion fehlten ihm aber Raum und Zeit, um sich besser zu entfalten. Trotzdem war die Nummer zehn präsent und fiel mit einigen schönen Einzelaktionen auf. «Gegen die Grasshoppers lief alles gut. Und wenn es uns allen läuft, geht es auch mir besser», so Scarione. Sein Trainer Saibene sagt: «Er kommt immer mehr zur Geltung.»

Gesteigert hat sich Gonçalves auf der Position des Innenverteidigers. Der schweizerisch-portugiesische Doppelbürger kam nach einer Knieverletzung ohne Spielpraxis nach St. Gallen. Dementsprechend gross waren seine Anlaufschwierigkeiten. «Ich wusste, dass ich Zeit brauchen würde», sagt er. Nun fühle er sich aber immer besser, auch körperlich. Der 25jährige Gonçalves überzeugte zuletzt im Zweikampf und Kopfballspiel. Er selber glaubt, derzeit rund 70 Prozent seines Potenzials abzurufen. «Dann dürfen wir uns ja freuen», sagt Saibene. Gonçalves erbringe solide Leistungen. Zudem sei er auch charakterlich ein Leadertyp.

Auf dem Weg

Den Erwartungen noch nicht immer gerecht geworden ist bis anhin Offensivspieler Alberto Regazzoni. Saibene umschreibt es mit «Höhen und Tiefen». Der Trainer sagt: «Ich erwarte mehr von ihm.» Zufrieden ist auch Regazzoni nicht. Er könne vieles besser machen – und auch ein Tor fehle ihm noch immer, sagt der Tessiner. Die Heimspiele gegen Bellinzona und Xamax seien für ihn persönlich gut gelaufen, da habe er viele gute Bälle erhalten. Gegen das defensive Sion aber habe er wieder oft zurück in die eigene Platzhälfte gehen müssen: «Das braucht Kraft», so der 28-Jährige.

In dieselbe Kategorie wie Regazzoni gehört Daniel Dunst. Sein Beginn in St. Gallen als rechter Aussenverteidiger war solid, unter Saibene ist sein Stammplatz aber in Gefahr geraten. Gegen Thun und die Grasshoppers gehörte der 27jährige Österreicher nicht mehr der Startformation an. Gegen Sion kam Dunst in die Mannschaft, weil Daniel Imhof krankheitsbedingt den gesperrten Philipp Muntwiler nicht ersetzen konnte und Michael Lang ins defensive Mittelfeld vorrückte. «Dunst ist ein dankbarer Teamplayer, aber auch er verfügt noch über Potenzial», sagt Saibene.

Noch nicht angekommen

Nicht auf Touren gekommen sind bis anhin Dunsts Landsmann Daniel Beichler und der Slowene Klemen Lavric. Noch in der vergangenen Saison bildeten sie bei Sturm Graz ein Sturmduo, in St. Gallen allerdings durften sie sich noch nie gemeinsam versuchen. Gegen Sion gehörte Beichler nicht einmal mehr dem Aufgebot an, Lavric wurde eingewechselt. Lavric müsse seine körperlichen Voraussetzungen noch besser einbringen, sagt Saibene. «Er ist gross und kräftig. Das sind seine Stärken.» Gleich im ersten Spiel gegen die Grasshoppers erzielte der 29-Jährige ein Kopfballtor, doch danach wirkte der Slowene als einziger Stürmer oft verloren. Interessant wäre wohl einmal der Versuch mit Lavric und Beichler als St. Galler Sturmduo.

Der Start des 22jährigen Beichlers in der Ostschweiz stand unter einem schlechten Stern. Der Österreicher litt unter einem grippalen Infekt und verbrachte eineinhalb Wochen im Spital. In seiner Heimat gilt er als ein Versprechen für die Zukunft. Doch in St. Gallen müsse er sich neu beweisen, sagt Saibene. «Ich habe ihm erklärt, dass ich mehr von ihm erwarte», so der Trainer.