Zwei Niederlagen als Weckruf für die    St. Galler Meisterhandballerinnen

Die Spielerinnen des LC Brühl haben gute Aussichten, bis zum Januar an der Spitze der NLA-Tabelle zu stehen.

Daniel Good
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Nationalspielerin Kerstin Kündig, mit 62 Treffern Brühls Topskorerin. (Bild: Urs Bucher)

Nationalspielerin Kerstin Kündig, mit 62 Treffern Brühls Topskorerin. (Bild: Urs Bucher)

Am Samstag um 17.30 Uhr trifft der Handball-Rekordmeister Brühl im Derby in der Kreuzbleiche auf den Aufsteiger Kreuzlingen. Wenn die St.Gallerinnen das Heimspiel gewinnen, sind sie wieder Leader.

Es ist bereits die letzte Meisterschaftspartie in diesem Jahr für die Titelverteidigerinnen. Weil ab Ende November bis Mitte Dezember in Japan die Frauen-WM stattfindet, wird das Pensum in der NLA erst am 11. Januar fortgesetzt.

Bessere Tordifferenz und Favoritenrolle

Brühl steht wie Leader Zug erst mit einer Niederlage zu Buche. Vor der letzten Runde in diesem Jahr führt Zug die Tabelle mit zwei Punkten Vorsprung auf die Ostschweizerinnen an, hat aber eine Partie mehr bestritten. Brühl hat die bessere Tordifferenz und ist gegen Kreuzlingen Favorit. Im Spitzenspiel dieses Herbstes besiegte Brühl Zug 34:22.

Es war eine Machtdemonstration der St.Gallerinnen und die perfekte Reaktion auf zwei Niederlagen. Im Cup scheiterte Brühl in den Achtelfinals in der Verlängerung auswärts an Nottwil, in der Meisterschaft verlor der St.Galler Club in Thun 16:22.

Keine Leistungsträgerinnen aus der NLA im Halbfinal

Dass Brühl, der 31-fache Landesmeister, ein Spiel in der Schweiz mit sechs Toren Differenz verliert, hat Seltenheitswert. Seither gab es aber lauter Siege. «Möglicherweise war die deutliche Niederlage ein Weckruf», sagt Brühls Trainer Rolf Erdin.

Im Rennen um den Meistertitel befindet sich Brühl in einer komfortablen Ausgangslage, im Cup allerdings gibt es keinen Blumentopf mehr zu gewinnen für die St.Gallerinnen. «Das ist leider nicht mehr zu ändern. Ein paar Details gaben den Ausschlag», sagt der 42-jährige Erdin, der St.Galler Sportler des Jahres 2019.

Zwar steht Brühls NLB-Equipe im Januar daheim gegen Herzogenbuchsee im Cup-Halbfinal. Aber die Schlüsselspielerinnen aus der NLA dürfen nicht eingesetzt werden. Brühl ist mit zehn Titeln auch Schweizer Rekordhalter im Cup.

Im Frauenhandball ist es anders als im Schwingen

Erdin freut sich auf das Spiel gegen Kreuzlingen, das sich als Neuling achtbar hält und den fünften Tabellenplatz einnimmt. Goalietrainer der Thurgauerinnen ist Holger Hug. «Wir kennen uns sehr gut. Als ich in der NLA Trainer der Gossauer Männer war, spielte Holger im Tor.» Erdin sagt weiter: 

«Wer verliert, muss ein Bier bezahlen»

Im Schwingen profitiert der Verlierer. Der Sieger wischt ihm das Sägemehl vom Rücken.

Erst in der zweiten Spielhälfte meisterlich

Das Hinspiel am Bodensee gegen Kreuzlingen gewann die Brühler Equipe 34:23. Zur Pause führten die St.Gallerinnen am 15. September aber erst 14:12. Cheftrainerin in Kreuzlingen ist Holger Hugs Frau Kristina Ertl-Hug. Erdin sagt: «Kreuzlingen hat gut eingekauft und sieht gegen besser eingestufte Teams häufig gut aus.»

Gegen Nottwil verloren die Thurgauerinnen nur 30:32. Gegen Thun, das Brühl deutlich besiegt hatte, unterlagen sie bloss 21:22. «Aber», so der Meistertrainer, «alles andere als ein Sieg wäre eine Enttäuschung.»