Zwei «Dinosaurier» treten zurück

WASSERBALL. Anlässlich der zweiten und letzten Playoff-Partie dieser Saison traten Nicolas Weideli und Rudi Vacho vom aktiven Spitzensport zurück. Die beiden Wasserballer prägten während rund 20 Jahren das erste Team des SC Kreuzlingen und werden eine grosse Lücke hinterlassen.

Urs Nobel
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Eine Bronzemedaille zum Abschied für Nicolas Weideli (links) und Rudi Vacho. (Bild: Mario Gaccioli)

Eine Bronzemedaille zum Abschied für Nicolas Weideli (links) und Rudi Vacho. (Bild: Mario Gaccioli)

Herr Weideli, Ihr Team hat das letzte Playoffspiel um Rang 3 gewonnen und Sie haben auch einen Treffer zum Sieg beigesteuert. Eitel Freude also bei Ihnen persönlich?

Nicolas Weideli: Dass wir gewonnen haben, macht mir Freude und dass ich als Verteidiger einen Treffer beisteuern konnte, ist ebenfalls schön für mich und das Team.

Ihnen, Herr Vacho, gelangen acht Tore. Für Sie als Topskorer kaum etwas Aussergewöhnliches?

Rudi Vacho: Von einem Stürmer erwartet man Tore. Die Anzahl heute stimmen mich jedoch etwas versöhnlich hinsichtlich meines Rücktritts, der für mich gefühlsmässig nicht unbedingt die einfachste Sache ist.

Wenn man wie Sie im Angriff spielt, muss man wahrscheinlich fast ein kleiner Masochist sein?

Vacho: Meine Position ist sicher keine einfache. Ich spiele jedoch schon viele Jahre auf diesem Posten und man gewöhnt sich daran, dass man viel einstecken muss. Aber ich kann auch austeilen. Ruppig geht es aber vor allem unter Wasser zu und her und das sieht man jeweils von aussen kaum.

Sie hätten mit Rudi Vacho wohl nie die Position getauscht?

Weideli: Nein, nie in aller Welt. Aber er würde auch meine Position nicht wollen.

Sie beenden eine Spitzensport-Karriere im besten Sportleralter. Was bewog Sie zu diesem Entscheid?

Weideli: Ob man mit 33 Jahren im besten Sportleralter ist, mag ich zu bezweifeln. Was aber mich betrifft, so mag ich den grossen Trainingsaufwand nicht mehr auf mich nehmen und auch beruflich stehen einige Änderungen bevor. Mit weniger Training wird man dieser Leistungsklasse, in der wir uns bewegen, nicht mehr gerecht.

Konnten Sie von ihrem Bekanntheitsgrad als Spitzenspieler beim SC Kreuzlingen profitieren?

Weideli: Wenn Sie den Bereich «Vitamin B» ansprechen, dann nein. Was für mich jedoch sehr wertvoll war: ich konnte Spitzensport und Ausbildung unter einen Hut bringen.

Also kamen auch nicht mehr Kunden zu Ihnen in die Zahnarztpraxis?

Weideli: In Anbetracht des jetzigen Standorts meines Arbeitsplatzes wäre das vermessen zu erwarten. Aber vielleicht ab dem nächsten Jahr, wenn ich in Romanshorn tätig bin.

Wahrscheinlich ist mit ein Grund Ihres Rücktritts, dass Sie genug haben von den vielen Reisen an die Spiele?

Vacho: Das ist tatsächlich so. In den vergangenen knapp 20 Jahren sind doch einige Kilometer zusammen gekommen. Einerseits an die Meisterschaftsspiele, dann aber auch mit der Nationalmannschaft. Es gibt tatsächlich Schöneres. Und ich freue mich jetzt auf eine Zeit, die ich anderweitig zur Verfügung haben werde.

Wie haben Sie Sport und Beruf unter einen Hut gebracht?

Vacho. Ich durfte stets auf verständnisvolle Arbeitgeber zählen, die mich unterstützt und mir zu jener Freizeit verholfen haben, damit ich meinem Hobby frönen konnte. Dann war es aber auch meine eigene Motivation, Arbeit und Sport im Einklang zu halten und das ist mir nicht schlecht gelungen. Aber, das ist sicher, ich musste oft mit Dingen zurückstecken, die mir auch wichtig gewesen wären.

Ihr seid komplett verschiedene Typen, im Verein aber langjährige Weggefährten. Seid ihr auch Freunde?

Weideli: Das sind wir, auch wenn ich mehr Haare als Rudi habe. Aber wir spielen unterdessen seit unserer Jugendzeit zusammen und sind Freunde geworden.

Den Rücktritt habt ihr auch aus der Nationalmannschaft erklärt, in der ihr ebenfalls mehrere Jahre gemeinsam gespielt habt.

Weideli: Ich war nicht so lange wie Rudi im Nationalteam. Aber eine EM habe ich auch erlebt, er zwei. Es war natürlich immer ein besonderes Erlebnis, für die Schweiz zu spielen, auch wenn es mit dem Nationalteam nicht die allergrössten Erfolge absetzte.

Der Wasserballsport ist ja beileibe nicht der Sport, der in der Öffentlichkeit auf riesiges Interesse stösst. Warum haben Sie trotzdem diese Sportart gewählt?

Vacho: Ich kam als kleiner Junge zum Schwimmclub und schwamm Wettkämpfe. Eher weniger erfolgreich, so im Nachhinein gesehen. Schwimmen wurde mir auch ein bisschen zu langweilig und so wechselte ich innerhalb des SC Kreuzlingen zum Wasserball. Nach ein paar Trainings fand ich Spass daran und hielt seither dieser Sportart die Treue.

Ihnen kam wahrscheinlich auch zugute, dass Sie über ideale Körpermasse für diesen Sport verfügen.

Vacho: Wenn ich den Vergleich mit unseren jungen Mitspielern von heute ziehe, darf ich diese Frage mit Ja beantworten. Unsere Jungen haben diesbezüglich noch einiges vor sich, damit sie sich in der Sportart Wasserball durchsetzen. Doch sei gesagt, dass die Körpergrösse alleine nicht entscheidend ist. Auch ein kleiner Spieler kann sich durchsetzen und erfolgreich sein.

Kann ein am Wasserball interessierter Junge auch so gut werden wie Sie und Rudi Vacho es sind?

Weideli: Unbedingt. Wir beim SC Kreuzlingen haben für den Nachwuchsbereich derart gute Strukturen geschaffen, dass ein motivierter und talentierter Nachwuchsspieler auch den Weg gehen kann, den wir gegangen sind. Sie haben heute sogar bessere Möglichkeiten, als wir seinerzeit.

Und Sie werden sich dabei als Trainer engagieren?

Weideli: Ich bin nicht der Trainertyp. Aber ich werde mich dem SC Kreuzlingen in einer Funktion zur Verfügung stellen.

Was werden Sie nie mehr vergessen, was sie als Spieler erlebt haben?

Vacho: Ich durfte mit dem SCK acht Titelgewinne feiern. Wichtig für mich war stets, dass wir uns innerhalb der Mannschaft gut verstanden und der Teamgedanke kein Fremdwort war.