Zwei Amazonen an der Spitze

Reiten. Überraschung am CSI Zürich: Die Australierin Edwina Alexander siegt in der Classic. Zweite wird Christina Liebherr auf Casanova. Beide waren mit ihrem Zweitpferd am Start.

Rabea Huber/Zürich
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Die Australierin Edwina Alexander gewinnt als erste Frau die Classic des CSI Zürich. (Bild: rtr/Michael Buholzer)

Die Australierin Edwina Alexander gewinnt als erste Frau die Classic des CSI Zürich. (Bild: rtr/Michael Buholzer)

John Whitaker auf Milton, Willi Melliger und sein Schimmelwallach Calvaro, Hugo Simon mit seinem Ausnahmepferd E.T. – die Siegerliste von 1988 bis 2007 der Hauptprüfung des CSI Zürich liest sich wie ein «Who is who» des Springsports. Doch es brauchte zwanzig Austragungen des bestdotierten Hallenturniers der Welt, bis die Classic das erstemal von einer Frau gewonnen wurde.

«Zuerst hatte ich mir vorgenommen im zweiten Umgang voll anzugreifen und auf Sieg zu reiten», sagte die Schweizerin Christina Liebherr. «Doch dann habe ich meine Taktik wieder geändert.» Der verkürzte Umgang der Classic, für welchen sich die besten zehn des ersten qualifizierten, war geprägt von solchen Kalkulationen. Als erstes in den Parcours mussten Pius Schwizer und Beat Mändli. Beide waren mit vier Punkten aus dem Normalparcours vorbelastet und versuchten mit einer schnellen Zeit noch das beste daraus zu machen. Die Ränge fünf und sechs waren die Belohnung dafür.

Mit weniger Tempo

Beim Aufwärmen ihres Hengstes Casanova, den sie einsetzte weil sich ihr Spitzenpferd No Mercy von einer Verletzung erholt, erfuhr Liebherr, dass vor ihr noch niemand fehlerfrei geblieben war. Sie ritt deshalb die Wendungen etwas grosszügiger, forcierte nicht zu fest und kam so zu einer souveränen Nullfehler-Runde.

Dies wiederum beobachtete die Australierin Edwina Alexander, die direkt nach Liebherr in den Parcours musste. «Ich wusste, dass ich einfach ein bisschen schneller sein musste», sagt Alexander, die mit Socrates ebenfalls ihr Zweitpferd gesattelt hatte. Die Fünfte der WM 2006 riskierte etwas mehr und blieb so eineinhalb Sekunden unter der Zeit der Schweizerin. Doch noch war die Classic nicht gewonnen. Auf einem Fernsehbildschirm auf dem Abreiteplatz beobachtete die Australierin die letzten beiden Teilnehmer Toni Hassmann und Hugo Simon. Sowohl dem Deutschen als auch dem Österreicher hätte die Zeit zum Sieg gereicht, doch bei beiden fiel die Stange, als sie mit hohem Tempo das letzte Hindernis nahmen. Noch auf dem Pferd sitzend fiel Alexander ihrem Lebensgefährten Jan Tops um den Hals. Der ehemalige holländische Springreiter und heutige Pferdehändler, hatte diese Prüfung in Zürich im Jahr 1992 auf Top Gun gewonnen.

Gold als Trostpflaster

Als Gewinner der letztjährigen Classic hatte sich Markus Fuchs auch diesesmal Chancen ausgerechnet. Das Publikum fieberte mit dem Weltranglistenersten mit, als er auf Nirmette den Normalparcours bestritt. Schon fast wähnte man ihn auf der sicheren Seite, als die Stute am letzten Hindernis die Planke streifte und diese schliesslich fiel. Ein Aufschrei ging durch die Zuschauermenge des Hallenstadions.

Trostpflaster für Fuchs war, dass ihm das Kilogramm Gold als Preis für den erfolgreichsten Reiter des Turniers, trotz dem verpassten Einzug in den zweiten Umgang, nicht mehr zu nehmen war. Am Donnerstag hatte er den Grand Prix gewonnen und war während dem gesamten Wochenende weitere achtmal klassiert.

Weltcup in Zürich?

Zufrieden mit dem Jubiläums-CSI, der einen Rekord von 44 200 Zuschauern verzeichnete, sind auch die Veranstalter. Gut möglich, dass kommendes Jahr die Veranstaltung zur Weltcup-Qualifikation wird. Entsprechende Gespräche führte der internationale Reitsportverband mit dem Präsidium des CSI Zürich während den vergangenen Tagen.

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