Zuviel läuft aus dem Ruder

Im Fussball gibt es keine Weihnachtszeit. Die Fifa hat ihren Ton im «Fall FC Sion» massiv verschärft und mitgeteilt, dass sie dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) den Ausschluss androht. Statt Besinnlichkeit macht sich im Haus des Fussballs in Muri bei Bern Hektik breit.

Merken
Drucken
Teilen

Im Fussball gibt es keine Weihnachtszeit. Die Fifa hat ihren Ton im «Fall FC Sion» massiv verschärft und mitgeteilt, dass sie dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) den Ausschluss androht. Statt Besinnlichkeit macht sich im Haus des Fussballs in Muri bei Bern Hektik breit. Wenn der SFV den Forderungen der Fifa nicht nachkommt, macht sie Ernst: Dann spielt der FC Basel keine Champions League gegen Bayern München und das Länderspiel gegen Argentinien müsste storniert werden. Selbst dem FC St. Gallen wäre es verboten, gegen ausländische Mannschaften zu testen.

Die angedrohte Sanktion des Weltfussballverbandes ist unverhältnismässig. Es geht nicht um die Vermischung von Politik und Fussball wie beispielsweise im Fall Iraks. Es geht einzig um einen ungehorsamen und streitbaren Clubpräsidenten, der Zivilgerichte anruft, obwohl er das laut der Reglemente nicht darf. Der sich um alles schert, woran sich andere halten. Die Fifa will abschrecken, denn wenn Christian Constantin Nachahmer findet, gerät die Fussball-Welt aus den Fugen. Die Fifa hat Angst vor einem zweiten Bosman-Urteil.

Anwälte müssen sich nun ihre Köpfe zerbrechen. Eine Knacknuss ist, dass der SFV wegen der Gewaltentrennung gar keinen Einfluss auf die Rekurs- und Disziplinarkommission nehmen kann. Was immer auch passiert: Der Verband wird früher oder später mit seinem Sorgenkind Constantin wieder allein sein. Der kampfeslustige Walliser hat schon zu viele Grenzen überschritten, niemand brachte ihn zur Räson. Die angedrohte Sanktion ist nun die Quittung dafür, dass in den vergangenen Monaten im Fall «FC Sion» zuviel aus dem Ruder gelaufen ist.

Patricia Loher

patricia.loher@tagblatt.ch