Zusammen ist besser als allein

«Honigherz» kommt am Konstanzer Theater für die Kleinen ab 3 Jahren auf die Werkstattbühne. Sinnlich, bunt, zauberhaft und mit viel Musik wird uns die Geschichte von Knuddel und Schnute erzählt, die sich trotz grosser Unterschiede anfreunden und neugierig aufeinander sind.

Brigitte Elsner-Heller
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Weihnachtsmärchen am Theater Konstanz: Susi Wirth spielt Akkordeon, Anna Tkatsch hält den Hasen Knuddel im Stück «Honigherz». (Bild: Bjørn Jansen)

Weihnachtsmärchen am Theater Konstanz: Susi Wirth spielt Akkordeon, Anna Tkatsch hält den Hasen Knuddel im Stück «Honigherz». (Bild: Bjørn Jansen)

KONSTANZ. Das erste Mal. Wie viele Geschichten gibt es, die vom ersten Mal handeln; denn es prägt sich ein, bahnt den Weg für künftige Erfahrungen. Und es wird die Spur gelegt für Erinnerungen. Mit dem «ersten Mal» meinen wir hier nicht weniger als alles, was ein Mensch zum ersten Mal erlebt. Zum Beispiel also auch das Theater. Nicht zufällig gibt es jährlich die Weihnachtsstücke, die auf die Grosse Bühne kommen und bei denen sich kleine Leute und Erwachsene einträchtig zusammenfinden.

Zwei kuschelige Hasen

Für die ganz Kleinen ist dies manchmal schon zu viel des Neuen – weswegen am Konstanzer Theater auch ein Stück für «das erste Mal» auf dem Spielplan steht. Für «Honigherz» muss das lange Stillsitzen nicht schon gelernt sein, denn das Stück um eine nicht ganz gewöhnliche Freundschaft kommt mit 30 Minuten Spielzeit aus, und die Kinder dürfen es sich ganz nah am Geschehen dran bequem machen.

Knuddel und Schnute sind die beiden Helden von «Honigherz», beide sind sie kuschelige Hasen. Und doch kommen sie aus unterschiedlichen Welten. Knuddel lebt auf einer grünen Wiese, über der eingangs die Sonne aufgeht, wo Biene und Schmetterlinge vorbeifliegen und eine Raupe kriecht. Eigentlich ein schnuckeliges Zuhause, in dem alles recht ordentlich geregelt ist. Doch ausgerechnet in dem Moment, als Knuddel den Verlust seiner besten Karotte beklagen und daher Hunger leiden muss, kommt Schnute daher – ein wandernder Hasengeselle mit Akkordeon, der doch noch einen Apfel zum Frühstück hat.

Ungleiches Paar

Das Spiel auf der Konstanzer Werkstattbühne ist von eindrücklicher Reduktion auf das Wesentliche, wobei dennoch viele Mittel eingesetzt werden, von denen Theater – und damit der grosse und auch kleine Zuschauer – lebt. So ist Knuddel eine Puppe, die von Anna Tkatsch geführt wird, während Schnute von der Schauspielerin Susi Wirth verkörpert wird. Dies eröffnet für das Spiel die Möglichkeit, den Austausch von Worten und Gesten zu beobachten. Denn die beiden Protagonisten sind auch hierin ein ungleiches Paar. Während Knuddel redet und redet, kann sich Schnute nur über seinen Körper und die Musik seines Akkordeons ausdrücken. Ja, so ganz einfach und harmonisch ist das Zusammentreffen der beiden Hasen anfangs nicht, doch sie finden zueinander. Und nachdem sie gemeinsam ein riesiges Projekt gestemmt haben (aus dem eingepflanzten Apfelkern entwickelt sich ein schöner Apfelbaum), sind sie Freunde geworden, die nicht mehr um Futter oder Reviere streiten müssen.

Vergnügen für klein und gross

So einfach kann es sein, das Miteinander zu verhandeln. Und so viel Spass kann es machen, beim Theatermachen zuzuschauen. Spass hat man zu lernen, dass es hier Licht (Sonnenschein vor blauem Himmel) und Klänge (Xylophon) gibt, eine Bühne als Raum für das Spiel (von Kathrin Wolfermann entworfen) und verschiedene Figuren, die Puppen, Menschen in Kostümen oder sogar Schattenfiguren sein können. Und während die Kleinen sich ganz auf Knuddel und Schnute konzentrieren, können sich die Erwachsenen darüber freuen, wie liebevoll sich Anna Tkatsch und Susi Wirth dem Spiel hingeben.

Ein gutes erstes Mal. Theater, das sich in die Erinnerung einschreibt, hat Zukunft – das wissen natürlich auch die Theatermacher. Nicht nur zur Weihnachtszeit, aber da besonders.

Weitere Vorstellungen: 15.–30.12. www.theaterkonstanz.de