«Zusammen in eine Richtung»

Fussball. Rechtzeitig für St. Gallens Neuanfang in der Challenge League sprach Horst Heldt, Sportdirektor bei Stuttgart, an der Universität in St. Gallen darüber, was ein erfolgreiches Team ausmacht.

Dominic Ledergerber
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In der Saison 2006/07 gewann Horst Heldt gleich in seinem ersten Amtsjahr als Sportdirektor des VfB Stuttgart die deutsche Meisterschaft. Damals war er für ein Referat an der Universität in St. Gallen zu Gast. Den Weg vom Schwabenland in die Ostschweiz nahm er auch am vergangenen Freitag auf sich, und dies obwohl Stuttgart in der Bundesliga-Saison die Champions League verpasst hatte. Dennoch war das Interesse der Studierenden gross.

Den Charakter einschätzen

Nach seiner aktiven Karriere wollte ihn Stuttgarts Präsident Erwin Staudt im Marketing weiter beschäftigen, was Heldt aber ablehnte. Stattdessen schrieb er als Assistent der sportlichen Leitung ein Konzept für die neue Saison. «Dann ging alles ganz schnell. Das Konzept fand Anklang und man unterbreitete mir das Angebot, als Sportdirektor für den Verein tätig zu sein», sagte Heldt, der als erste Amtshandlung gleich Trainer Giovanni Trapattoni durch Armin Veh ersetzte. «Es war nicht einfach, einen Menschen zu entlassen. Aber die Chemie zwischen ihm und dem Team stimmte nicht», sagte Heldt, der unter dem Italiener in seiner letzten Saison als Spieler nur noch selten zum Einsatz kam. Nachdem er sein Konzept der Mannschaft vorgestellt hatte, mussten auch einige seiner früheren Mitspieler den Verein verlassen. Es sei wichtig, dass im Konzept eine Philosophie verankert sei, nach der sich das Spielsystem ausrichte. «Viele denken, dass es die Aufgabe eines Sportdirektors ist, die Personalwünsche des Trainers zu erfüllen. Allerdings muss man sich zusammen in eine Richtung bewegen», sagte Heldt. Für ihn ist vor der Verpflichtung eines Spielers auch wichtig, dessen Charakter einschätzen zu können.

Mannschaft bestimmt Spielerrat

Dennoch ist für den 38jährigen die spielerische Qualität entscheidend: «Es müssen nicht alles Kumpels sein. Es ist es ein Abwägen zwischen Teamgeist und Spielerpotenzial.» Damit eine Mannschaft funktioniere, brauche es Führungsspieler, die auf die Unterstützung des Trainers zählen können, sowie einen Spielerrat, den das Team selber bestimme. Die Arbeit eines Sportdirektors ist auch vom Budget des Vereins abhängig. Dabei verglich Heldt die deutsche Bundesliga unter anderem mit der englischen Premier League und sprach von einem ungleichen Wettbewerb. «Wir bekamen für den Meistertitel mit Stuttgart 26,8 Millionen Euro. Ein englisches Team erhält alleine schon für den Aufstieg in die höchste Liga mehr als das Doppelte.» Die Verträge seien im allgemeinen zu hoch dotiert. «Heute verdienen die Spieler ihr Geld auch dann, wenn sie nur auf der Tribüne sitzen. So geraten sie nur selten unter Druck», sagte Heldt und fügte an: «Die Vereine setzen auf Kontinuität. Weil der Trainer als erster angreifbar ist, gibt es auf dieser Position auch viele Entlassungen.» Auf den Einwand eines Studenten, man könne ja die Gehälter der Spieler einschränken, sagte Heldt: «Das ist Schwachsinn. Schliesslich bestimmt das Angebot die Nachfrage.»

Als Horst Heldt sich mit dem Versprechen, nächstes Jahr wieder zu kommen, verabschiedete, erntete er viel Applaus – ob seine Tips bei der Vereinsleitung des FC St. Gallen ebenfalls Anklang finden, wird sich zeigen.

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