Im Cupspiel gegen den FC Zürich setzt der FC Wil auf den FCZ-Nachwuchs

Wil möchte heute im Cup dem FC Zürich ein Bein stellen – fünf Spieler aus der Nachwuchsabteilung des Gegners sollen dabei eine Rolle spielen.

Ralf Streule
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Aus dem FC-Zürich-Nachwuchs, aber in Diensten des FC Wil: Filip Stojilkovic, Kastrijot Ndau, Lindrit Kamberi, Bledian Krasniqi und Fabian Rohner (von links). Bild: Urs Bucher (Wil, 11. September 2019)

Aus dem FC-Zürich-Nachwuchs, aber in Diensten des FC Wil: Filip Stojilkovic, Kastrijot Ndau, Lindrit Kamberi, Bledian Krasniqi und Fabian Rohner (von links). Bild: Urs Bucher (Wil, 11. September 2019)

Er habe ein hungriges Team, wiederholt FC-Wil-Trainer Ciriaco Sforza gerne. Wahrscheinlich hat er recht. Sicher trifft es auf jene fünf Wiler Spieler zu, die aus dem Nachwuchs des FC Zürich stammen. Es ist eine unbeschwerte, optimistische, übermütige Runde, die sich nach dem Training auf dem Wiler Kunstrasen zum Interview versammelt. Der Hunger der fünf auf das heutige Cupspiel gegen ihren Ausbildungsclub ist zu spüren, nicht erst, als plötzlich der Satz fällt: «Wir fressen die Zürcher auf.» Lachen, feixen, schubsen. Und immer wieder Sprüche. «Darf man das so sagen?» – «Du musst noch ins Medientraining.»

Sie gehören zu den Stammkräften

Die fünf Zürcher sind nicht etwa junges Beigemüse im Team der Wiler, sie haben alle viel Einsatzzeit erhalten bisher. Oder sie gehören gänzlich zu den Stammkräften. Wie Lindrit Kamberi, der 19-jährige Innenverteidiger, der sich in der Gruppe als humorvoller Wortführer zeigt. Oder Mittelfeldspieler Fabian Rohner, der 21-Jährige mit Super-League-Erfahrung beim FC Zürich. Die beiden sind, wie auch der 18-jährige Bledian Krasniqi, von den Zürchern für eine Saison ausgeliehen. Ganz unter Vertrag genommen wurden hingegen der Mittelfeldspieler Kastrijot Ndau und Stürmer Filip Stojilkovic, der für Wil in sechs Spielen bereits drei Mal getroffen hat. Zuletzt war er auch für die Schweizer U21 gegen Liechtenstein erfolgreich.

Hoffen auf den Zuschauerrekord

Für das Cupspiel von heute, 19 Uhr, gegen den FC Zürich hofft der FC Wil auf einen Zuschauerrekord in der IGP Arena. 4440 Personen waren es vor drei Jahren, als ebenfalls der FC Zürich zu Gast war, damals beim 1:1 in der Meisterschaft. Bis gestern Mittag waren 2500 Tickets verkauft.

Der FC Zürich hat in der laufenden Super-League-Saison bisher den Tritt nicht gefunden, Wil hingegen steht in der Challenge League auf dem dritten Platz. Auf dem Papier sei es dennoch eine Partie «David gegen Goliath», sagt Wil-Trainer Ciriaco Sforza. Sein Team werde aber ohne Angst antreten. Und auch die grundsätzliche offensive Ausrichtung werde man beibehalten – auch wenn sich die Reihen vielleicht einige Meter nach hinten verschieben würden. (rst)

Ciriaco Sforza überzeugte die fünf Zürcher persönlich

Dass der Zürcher Nachwuchs derzeit im FC Wil zahlenmässig eine grössere Rolle spielt als jener des Partnerclubs St.Gallen, ist überraschend. Die Verbindung zum FC Zürich sei gut, sagt Sforza, die derzeitige Massierung an FCZ-Spielern aber ­Zufall. Der Trainer hatte seine Fühler bei verschiedenen Nachwuchsabteilungen ausgestreckt. In Telefongesprächen im Sommer hat er die jungen Spieler schnell vom FC Wil und dessen Ruf als Ausbildungsklub überzeugt. So erzählen es die Spieler – und verraten dabei: Von Sforzas Art und seinen Fähigkeiten sind sie überzeugt.

Die Freude war riesig bei den fünf, als den Wilern der FC Zürich zugelost wurde. Das Spiel sei eine «einzigartige Motivation», zumal unter Kollegen und Familie seit der Auslosung täglich darüber gesprochen werde, sagt Kamberi. Und er fügt an, was Aussenseiter im Cup immer sagen: «Etwas zu verlieren haben nur die anderen.» Rohner erzählt, wie er schon vor der Auslosung auf dieses Spiel gehofft hatte. Und wie er am Abend im Restaurant fast aufsprang, als er es erfuhr. «Es hat irgendwie so kommen müssen.»

Spiel als Ansporn, sich dem FC Zürich zu präsentieren

Wie würde bei einem Tor gejubelt? Natürlich nur verhalten, sagen alle. Der Respekt gegenüber dem Club, dem sie viel zu verdanken haben, gebiete es. Dass man den eigenen Mutterclub mit einem Sieg weiter in Richtung Krise stossen würde, sei aber mental keine Bremse, sagt Rohner. Das Spiel sei auch Ansporn, sich dem FC Zürich zu präsentieren. Gelinge das, werfe man den Club gerne aus dem Cup, sagt er und lacht. Sicher ist: Ein Wiler Erfolg wäre für die fünf keine Überraschung.

Ein zwiespältiger Abend dürfte es für Alain Nef werden, der FCZ-Legende und dem heutigen Nachwuchsverantwortlichen der Zürcher. Er würde sich wohl gleichzeitig über einen Zürcher Sieg und über starke Leistungen von Rohner und Co. freuen. Die Frage bleibt, ob alle fünf zum Einsatz kommen werden. Das mache er – natürlich – nicht von der Clubangehörigkeit abhängig, sagt Sforza. Die Form und die Motivation sprechen aber für die jungen Zürcher.