Kommentar

Zum Rücktritt von Nati-Captain Stephan Lichtsteiner: Ein Grosser tritt ab

Stephan Lichtsteiner beendet seine Karriere zum richtigen Zeitpunkt. Doch ein letztes grosses Highlight bleibt Lichtsteiner verwehrt.

Raphael Gutzwiller
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Stephan Lichtsteiner gibt während einer Medienkonferenz seinen Rücktritt bekannt.

Stephan Lichtsteiner gibt während einer Medienkonferenz seinen Rücktritt bekannt.

Peter Klaunzer/Keystone

Stephan Lichtsteiner hat Wort gehalten. Der langjährige Captain hat stets gesagt, dass er selber bestimmen möchte, wann er aus dem Nationalteam zurücktritt. Nun ist der Moment gekommen: An einer Medienkonferenz beim Haus des Schweizer Fussballs verkündet er die Nachricht.

Raphael Gutzwiller

Raphael Gutzwiller

Der Rechtsverteidiger blickt auf eine aussergewöhnliche Karriere zurück. 108 Mal läuft der Adligenswiler für das Nationalteam auf. Er nimmt an fünf Endrunden teil. Siebenmal wird er Meister in Italien, einmal in der Schweiz. Zweimal steht er im Final der Champions League, einmal in der Europa League. Die grossen Erfolge erreicht er dank seiner immensen Leidenschaft und der Überzeugung, alles dem Erfolg unterzuordnen.

Der geplante Abschied nach der EM-Endrunde wäre Lichtsteiner zu gönnen gewesen, wegen Covid entfällt die EM aber. Dennoch scheint der Zeitpunkt richtig, mit 36 Jahren hat Lichtsteiner den Zenit überschritten. Das Nationalteam verliert einen Leader, einen Anführer, einen Musterprofi. Doch die neue Generation steht bereit.

2002: Der Durchbruch bei den Profis. Zwei Jahre zuvor wechselt der Adligenswiler zu GC, wo ihm unter Marcel Koller der Durchbruch gelingen sollte.
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2003: Nachdem Lichtsteiner mit GC den Schweizer Meistertitel gewinnt, darf er gegen AEK Athen in der CL-Quali antreten.
2003: Lichsteiner (ganz rechts) spielt als 19-Jähriger zusammen mit Johan Vonlanthen, Reto Ziegler und Daniel Gygax in der U21-Nati.
2005: GC macht einen Ausflug auf den Titlis, Lichtsteiner stellt sich ins Tor und hechtet bravourös.
2005: Von GC-Präsident Walter Brunner wird Stephan Lichsteiner verabschiedet. Er entscheidet sich für einen Wechsel ins Ausland.
2005: Der Luzerner wechselt zum OSC Lille nach Frankreich.
2006: Stephan Lichtsteiner debütiert in Basel gegen Brasilien für die Schweizer Nationalmannschaft.
2008: Für die Heim-EM wird Lichtsteiner vom mittlerweile verstorbenen Köbi Kuhn nominiert und spielt in allen drei Gruppenspielen. Hier mit Valon Behrami gegen Tschechien im Startspiel, das 0:1 verloren ging.
2008: Ebenfalls ein Bild von der EM 2008: Stephan Lichtsteiner in der Regenschlacht gegen die Türkei. Diese ging mit 1:2 verloren, die Schweiz schied aus.
2008: Von Frankreich nach Italien: Lichtsteiner schliesst sich Lazio Rom an, wird bald Stammspieler.
2009: Lichtsteiner zelebriert mit den Lazio-Fans ein Tor im Derby gegen den Stadtrivalen AS Rom.
2010: Auch an der WM in Südafrika gehört Lichtsteiner wieder zum Schweizer Aufgebot. Im Startspiel gewinnen die Schweizer gegen den amtierenden Europameister Spanien mit Superstar Andres Iniesta überraschend mit 1:0.
2010: Dennoch ist nach der Gruppenphase und einer Niederlage gegen Chile und einem mageren 0:0 gegen Fussballzwerg Honduras Feierabend.
2011: Lichtsteiner wechselt zum italienischen Rekordmeister Juventus Turin. Unvergessen bleibt vor allem, dass der Schweizer das erste Tor im nagelneuen Stadion erzielt.
2011: Die Schweiz mit Trainer Ottmar Hitzfeld und Rechtsverteidiger Lichtsteiner verpasst die Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine.
2012: Insgesamt spielt Lichsteiner sieben Jahre für die Juve. Er gehört meistens zum Stammpersonal und wird auf der rechten Aussenverteidigerposition – manchmal im rechten Mittelfeld – zu einer Teamstütze.
2013: Auf dem Weg an die WM in Brasilien hat die Schweiz wieder einige Stolpersteine zu überwinden und Lichtsteiner holt sich dabei eine blutige Mase ab. Am Ende reicht es aber zur Qualifikation.
2014: Enttäuschung pur nach dem Achtelfinal-Out: Stephan Lichtsteiner wird vom argentinischen Torhüter Sergio Romero getröstet. Die Schweiz unterliegt erst nach Verlängerung 0:1.
2015: Besser läuft es in Turin. Mit Juventus gewinnt Lichtsteiner stets die Meisterschaft und steht sogar im Finale der Champions League. Gegen Barcelona unterliegen die Turiner allerdings mit 1:3.
2015: Schmerzhafte Niederlage gegen England. Die Schweiz unterliegt in der EM-Quali dem Mutterland des Fussballs, schafft es aber dennoch nach Frankreich an die Endrunde.
2016: Lichtsteiner ist mittlerweile Kapitän der Schweizer Nati und führt diese auch im EM-Startspiel gegen Albanien an. Die Schweiz gewinnt knapp mit 1:0.
2016: Im Elfmeterschiessen gegen Polen verwandelt der Kapitän seinen Versuch. Allerdings verschiesst Granit Xhaka als einziger Schütze, die Schweiz scheidet im Achtelfinale aus.
2016: Die Enttäuschung ist riesig, Lichtsteiner bedankt sich dennoch bei den Fans und verschenkt sein Trikot.
2016: Nicht mehr immer in der Startelf, dennoch immer wieder erfolgreich: Stephan Lichtsteiner im Juve-Dress.
2017: Und noch einer. Lichtsteiner (rechts) freut sich mit Giorgio Chiellini über seinen sechsten «Scudetto», den Meistertitel in Italien.
2017: Mal wieder eine Regenschlacht im Nationaldress: Lichtsteiner – hier gegen Andorra – qualifiziert sich für das Kontinental-Turnier in Russland.
2018: Kracher zum Turnierstart: Die Schweizer um Stephan Lichtsteiner kämpfen gegen Brasilien aufopferungsvoll und kommen zu einem 1:1.
2018: Last-Minute-Sieg gegen Serbien inklusive «Doppeladler». Dieses Duell sollte hinterher noch viel zu reden geben.
2018: Im Training macht Lichtsteiner wieder einmal den Goalie. Im Achtelfinal gegen Schweden fehlt er gesperrt, die Schweiz scheidet nach dem 0:1 wieder einmal in der Runde der letzten 16 aus.
2018: Nach der WM wechselt der Aussenverteidiger zu Arsenal auf die Insel. Er wird ein Jahr bleiben.
2018: In der Nati gibt es Konkurrenz auf seiner Position: Kevin Mbabu (rechts) spielt sich ins Rampenlicht, Lichtsteiners Position beginnt zu wackeln.
2019: Die vierte grosse Liga in Lichtsteiners Karriere ist die Bundesliga: Er wechselt zum FC Augsburg, für den er 20 Bundesligapartien bestreitet. Nicht immer gibt der Adligenswiler eine gute Figur ab.
2019: Für die Nationalmannschaft wird Lichtsteiner nicht mehr immer berücksichtigt. Der Routinier hütet sich aber, verbal gegen Trainer Vladimir Petkovic zu sticheln.
2019: Sein 108. (und letzter?) Einsatz im Nationaldress absolviert Stephan Lichtsteiner in St.Gallen gegen Georgien. Die Schweiz gewinnt 1:0, er ist Captain.
2020: Sein letzter Bundesliga-Einsatz: Stephan Lichtsteiner (rechts) im Duell gegen den ehemaligen GC-Spieler Munas Dabbur von Hoffenheim.

2002: Der Durchbruch bei den Profis. Zwei Jahre zuvor wechselt der Adligenswiler zu GC, wo ihm unter Marcel Koller der Durchbruch gelingen sollte.

Keystone