Zum Feiern bleibt keine Zeit

Gestern reisten die letzten Schweizer zurück von der WM in Peking. Zeit, sich zu erholen, haben sie kaum. Denn bereits am Donnerstag folgt mit Weltklasse Zürich der nächste Höhepunkt.

Raya Badraun/Kloten
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LEICHTATHLETIK. «Auf wen warten Sie?», fragt ein älterer Mann. Umringt von Menschen mit Blumensträussen und Kuhglocken steht er im Empfangsbereich des Flughafens Zürichs. An diesem Montagmittag kommen die letzten Schweizer Athleten an, die an der WM in Peking gestartet sind. Der Mann mustert die vielen Wartenden, die Fotografen und Fernsehkameras. «Sie haben gewonnen, oder?», fragt er dann.

Nein, Medaillen haben die Athleten keine im Gepäck. Dennoch zieht Peter Haas, der Leistungssportchef von Swiss Athletics, eine positive Bilanz der internationalen Titelkämpfe. Obwohl die Schweizer das Glück nicht immer auf ihrer Seite hatten, schafften es am Ende vier unter die besten zehn der Welt. Das gab es zuletzt an der WM 1991. Zudem stand mit der 100-m-Hürdensprinterin Noemi Zbären auch eine Schweizerin im Final. Zum Feiern kommen die Athleten jedoch kaum. Schnell nehmen sie am Flughafen Zürich die Blumen und Gratulationen in Empfang, beantworten erste Fragen und fahren dann ins Hotel. Die Zeit ist knapp. Denn bereits am Donnerstag findet mit dem Diamond-League-Meeting Weltklasse Zürich der nächste Höhepunkt statt.

Erinnerungen gegen Müdigkeit

Ganz einfach ist der Start in Zürich nicht. Die WM hat Spuren hinterlassen. «Manche Athleten sind nach den Titelkämpfen physisch und mental müde», sagt Leistungssportchef Haas. Der Sprinterin Mujinga Kambundji fiel es einfach, damit umzugehen. Während des über zehnstündigen Rückfluges erholte sie sich von ihren fünf Rennen in Peking. Nun fühle sie sich wieder fit, sagt die Bernerin. Die anderen Athleten treiben im Zürcher Letzigrund wohl auch die besondere Atmosphäre und die Erinnerung an die erfolgreiche Heim-EM vor einem Jahr an. Das alles könne helfen, die Müdigkeit zu kompensieren, sagt Haas. Dies sieht Kambundji ähnlich. «In Peking war ich eine von vielen», sagt die 23-Jährige. «In Zürich steht man dann plötzlich im Mittelpunkt.»

Daneben bedeutet das Diamond-League-Final in Zürich auch die Revanche für die WM. Diese Gelegenheit wollen nicht nur Hürdenläufer Kariem Hussein und 800-m-Läuferin Selina Büchel nutzen, sondern vor allem auch die 4×100-m-Staffel der Frauen. In Peking hielt sie im Vorlauf lange mit, ehe sie beim letzten Wechsel viel Zeit einbüsste. Damit verpasste sie den Finaleinzug deutlich. Doch nicht nur den Fehler wollen die Sprinterinnen wieder gut machen. Bei Weltklasse Zürich tritt Lea Sprunger auch zum vorläufig letzten Mal mit der Staffel an.

Sprungers Abschied

Die Entscheidung aufzuhören fiel der 25jährigen Sprunger nicht einfach. Doch für die Westschweizerin wurde es immer schwieriger, ihre Ziele als Einzelsportlerin mit denen als Staffelläuferin zu verbinden. Deshalb will sie sich in Zukunft auf die 400-m-Hürden konzentrieren. «Sie war eine zuverlässige Läuferin, die Ruhe in die Staffel brachte», sagt Haas. «Ihr Rücktritt ist ein Verlust.» Ihre Kolleginnen wollen ihr in Zürich nun ein besonderes Geschenk machen: «Ein schnelles Rennen.»