Zum 141. Geburtstag: Die Anfänge des FC St.Gallen – die Geschichte begann in Rorschach

Ein Gastbeitrag von Fredi Hächler, ehemaliger Mitarbeiter des Stadtarchivs, zu noch unbekannten Anfängen des Traditionsvereins, der den 141. Geburtstag feiert.

Fredi Hächler
Drucken
Teilen
Das Institut Wiget in Rorschach an bester Lage mit den Sportanlagen direkt am See.

Das Institut Wiget in Rorschach an bester Lage mit den Sportanlagen direkt am See.

Bild: Stadtarchiv

Am 19. April 1879 hielt der «Football Club» seine erste öffentliche Hauptversammlung im St.Galler Restaurant Hörnli an der Neugasse 10 ab. Er liess ein entsprechendes Inserat im «St.Galler Tagblatt» erscheinen und warb darin um Mitglieder. Hinter der Kommission verbarg sich eine Gruppe von Jugendlichen, die sich schon einige Jahre seit ihrer gemeinsamen Ausbildung im Institut Wiget in Rorschach kannten.

Das im Jahr 1873 gegründete Internat stellte englische Sprach- und Turnlehrer ein, welche die Schüler für den Fussball begeisterten. Nach der abgeschlossenen Ausbildung trafen sie sich regelmässig wieder in St.Gallen auf dem Brühl zur Ausübung der neuen Leidenschaft, dem Fussball.

Sie trugen auch seit dem Jahr 1876 jährlich vereinsmässig Freundschaftsspiele gegen ihre ehemalige Schule aus, beschrieben in einem Protokollband des Archives des FC St.Gallen. Das von den fussballbegeisterten Jugendlichen am 19. April 1879 im «St.Galler Tagblatt» geschaltete Inserat gilt als offizielles Gründungsdatum des Fussballclubs, noch fehlt im Vereinsnamen das Wort St.Gallen.

In der Stadt St.Gallen wurden über 25 Fussballvereine gegründet

Im 19. Jahrhundert wurden in der Schweiz Tausende Vereine gegründet, allein in der Stadt St.Gallen weit über 100 Sportvereine, davon 25 Fussballvereine bis zum Jahre 1914. Wie kam der Fussball nach St.Gallen? So soll schon 1855 im Institut du Château von Lancy bei Genf Fussball gespielt worden sein, weitere Institute am Genfersee folgten. Studenten aus England gründeten im Jahr 1860 den ersten namentlich bekannten Fussballclub der Schweiz, den Lausanne Football and Cricket Club.

Als 1873 Johann Albert Wiget am Bodensee sein Institut gründete, waren die welschen Institute sein Vorbild. Er baute mit den Jahren das sportliche Angebot immer mehr aus, wie die Abbildung aus dem Jahre 1898 dokumentiert. Die Schülerfussball-Mannschaft nannte sich schon vor 1880 FC Schönberg nach dem Grundstück, auf dem später auch das Hotel Waldau gebaut wurde.

Es entstand mit der Zeit ein Tennisplatz, Anlagen für den Wassersport und ein eingefasstes Fussballfeld – wohl eines der ersten in der Schweiz dieser Art. Hier absolvierte der FC St.Gallen seine Spiele, bis sich in der Stadt eine eigene Fussballszene entwickelte.

Das Ziel: Die Nummer eins der Stadt

Vor allem die Studentenverbindungen in St.Gallen fanden Gefallen an der neuen Sportart und man vereinbarte nun auch Partien auf der Kreuzbleiche gegen verschiedene Studentenmannschaften, später auch gegen das 1889 gegründete Institut auf dem Rosenberg.

Der FC St.Gallen machte in den ersten 24 Jahren eine grosse Wandlung durch. Aus der Gruppe von unbekümmerten Jugendlichen bildete sich mit der Zeit ein Vorstand, der straffe Strukturen einführte – unter anderem mit dem Ziel, in der Stadt die Nummer eins zu sein. Es folgte ein jahrelanges Auf und Ab, bis sich der FC St.Gallen um 1900 endgültig als Verein festigte.

Es gab immer wieder mehrere Jahre ohne eine aktive Mannschaft oder man konnte nur mit Fusionen irgendwie überleben. Der Vorstand, meistens besetzt mit ehemaligen Spielern, glaubte jedoch immer an den Verein. Im Jahr 1895 gehörte der FC St.Gallen zu den Mitgründern des Schweizerischen Fussballverbandes und stellte dessen Präsident, ein eigenes Team aber hatte man damals nicht, dafür schon vor 1900 eine eigene Tennis-Sektion. Die sportliche Erfolgsgeschichte begann erst anfangs des 20. Jahrhunderts.

Fredi Hächler, 75, ist ehemaliger Mitarbeiter des Stadtarchivs. Vor einiger Zeit wies er darauf hin, der FC St.Gallen habe seine Tätigkeit laut vereinseigenem Protokollband vom 8. Juni 1894 bereits drei Jahre vor dem offiziellen Gründungsdatum 1879 aufgenommen, also 1876.