Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

ZUKUNFT: Die Ausnahme

Lynn Genhart hat eigentlich zu spät mit dem Kunstturnen begonnen. Trotzdem ist die 15-jährige Zürcherin heute die Schweizer Nachwuchshoffnung schlechthin.
Raya Badraun, Magglingen
Lynn Genhart holte vor einem Jahr an der Junioren-EM Silber im Mehrkampf. (Bild: Peter Klaunzer/KEY)

Lynn Genhart holte vor einem Jahr an der Junioren-EM Silber im Mehrkampf. (Bild: Peter Klaunzer/KEY)

Raya Badraun, Magglingen

Vor jedem Wettkampf folgt Lynn Genhart einem Ritual. Nur so nimmt die Nervosität nicht überhand. Im rumänischen Cluj-Napoca, wo sie heute an der EM zur Qualifikation startet, ist das nicht anders. Drei Stunden vor dem Wettkampf wird sie eine Portion Pasta essen. Danach duscht sie kalt, um richtig wach zu werden. Auf dem Weg in die Turnhalle hört sie dann ihre Lieblingslieder. Damit will sie das Gefühl heraufbeschwören, dass sie vor einem Jahr in Bern verspürt hat. Damals fand in der Postfinance-Arena die Heim-EM statt. Auch Lynn Genhart hat dort geturnt. Im Glanz von Giulia Steingruber ging ihre Leistung jedoch fast ein bisschen unter. Dabei schaffte sie etwas, das vor ihr noch keiner Schweizerin gelungen ist. Sie holte bei den Juniorinnen die Silbermedaille im Mehrkampf. Dass die 15-Jährige heute die Schweizer Nachwuchshoffnung schlechthin ist, hätte zu Beginn ihrer Karriere jedoch niemand gedacht.

In der ersten Klasse hatte Lynn Genhart eine Lehrerin, die auch Artistiktrainerin war. Im Turnunterricht zeigte sie ihrer Schülerin verschiedene Übungen. Dabei offenbarte das Mädchen ihr grosses Talent. Die Lehrerin legte der Mutter deshalb ans Herz, die kleine Lynn ins Kunstturnen zu schicken. Dort war man allerdings nicht besonders begeistert. Mit siebeneinhalb Jahren war das Mädchen eigentlich zu alt. Deshalb war sie in den ersten Monaten nur zur Probe dabei. Ihr Status änderte sich jedoch rasch. Bereits nach sechs Monaten wechselte sie ins Regionale Leistungszentrum nach Rüti.

Vom Tennis und Ballett zum Kunstturnen

Damals spielte Lynn Genhart auch noch Tennis, machte Ballett und verbrachte ihre Nachmittage auf dem Pferderücken. Doch alles ging nicht. Dafür war das Training in der Halle zu umfangreich. Sie musste sich entscheiden. «Ich drehe mich extrem gerne durch die Luft», sagt Lynn Genhart. «Und auch die Vielfalt gefällt mir.» So wurde aus der jungen Zürcherin eine Kunstturnerin. Der Sport war damals für sie vor allem Spass. Sie dachte nicht an die Zukunft und wusste weder von Magglingen noch vom Nationalkader. Erst später hörte sie, wie ihre Kolleginnen vom Leistungszentrum oberhalb von Biel erzählten. Dorthin wollte sie nun auch. Im vergangenen Sommer hat sie den grossen Schritt geschafft. Sie liess ihr altes Leben hinter sich und wechselte nach Magglingen. Seither lebt Lynn Genhart zusammen mit ihrer Turnkollegin Stefanie Siegenthaler in einer Gastfamilie. «Am Anfang war der Wechsel schwierig», sagt sie. Zu den vielen Neuerungen kam damals eine Verletzung am Fuss. Diese hatte sie sich bereits an der Junioren-EM in Bern zugezogen. In der Qualifikation war sie nach einem Sprung zu hart gelandet. Lynn Genhart, ganz Wettkampftyp, liess sich das jedoch nicht anmerken. Sie biss auf die Zähne. Am Abend nach dem Malheur cremte sie ihren Fuss ein. Sie machte Physio und hielt sich im Training vor dem Final zurück. Erst nach der EM und der Silbermedaille ging sie zum Arzt, der einen Ermüdungsbruch feststellte. Sie bekam einen Gips und konnte so den Aufbau nur langsam vorantreiben. Erst seit Januar kann sie wieder alles trainieren. «Das hatte auch was Gutes», sagt Lynn Genhart. So hatte sie in den ersten Wochen genug Zeit, um für die Schule zu lernen. Seit dem vergangenen Sommer besucht sie das Gymnasium in Biel. Später will sie Sport studieren, um Mentaltrainerin zu werden. «Es ist faszinierend, was man damit alles erreichen kann», sagt Lynn Genhart. Mit ihrem Ritual vor den Wettkämpfen hat sie es am eigenen Leib erlebt.

Nach vorne schauen und weitermachen

Hin und wieder wird Lynn Genhart an Bern und die Junioren-EM erinnert. Darüber freut sie sich. Sonst denkt sie jedoch kaum mehr daran. Sie will nicht stehen bleiben, das Training geht schliesslich weiter. Trotzdem hat sie mehr als nur das gute Gefühl aus dem Wettkampf mitgenommen. Sie ist dadurch auch selbstbewusster geworden. Damals in Bern hat sie nicht mit einer Medaille gerechnet. Nun weiss sie, was alles möglich ist. «Ich will noch mehr Gas geben», sagt Lynn Genhart. «Damit der nächste Erfolg nicht mehr so unerwartet kommt.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.