Zuger Spiel mit dem Feuer

Ausgerechnet kurz vor dem Playoff-Start ist beim EV Zug der Schlendrian eingekehrt. In Lugano ist heute eine Reaktion gefordert.

Sascha Fey
Drucken
Teilen
Wird bei der 1:5-Niederlage in Biel von Marco Maurer abgedrängt: Zugs Yannick-Lennart Albrecht (links). (Bild: Anthony Anex/Key (26. Februar 2019))

Wird bei der 1:5-Niederlage in Biel von Marco Maurer abgedrängt: Zugs Yannick-Lennart Albrecht (links). (Bild: Anthony Anex/Key (26. Februar 2019))

3:6, 2:5, 4:2 und 1:5, das sind die letzten vier Resultate der Zuger. Auffallend ist insbesondere die hohe Anzahl an Gegentoren, umso mehr, als die Zentralschweizer in der Meisterschaft hinter Leader Bern die zweitbeste Defensive stellen. «Es ist etwas der Schlendrian eingekehrt, weil das Team weiss, dass gegen hinten nichts mehr passieren kann», sagt Sportchef Reto Kläy. Das führe im Unterbewusstsein dazu, nicht mehr mit der gleichen Konsequenz an die Sache heranzugehen, wie wenn es noch um die Playoff-Teilnahme gehen würde. «Und wenn du nur etwas nachlässt, schleichen sich Fehler ein.»

Dass es während der 50 Partien dauernden Regular Season schwächere Phasen gibt, ist normal. Kläy betrachtet jedoch den Zeitpunkt als «blöde», da die Playoffs schon in acht Tagen beginnen. «Es ist gefährlich und ein Spiel mit dem Feuer», gibt er unumwunden zu. Dennoch ist Kläy nicht beunruhigt, da «die Mannschaft bis jetzt immer eine Reaktion gezeigt hat». Eine solche erwartet er auch in den letzten drei Spielen auswärts gegen Lugano (heute) sowie zu Hause gegen Ambri (Samstag) und Fribourg (Montag), also gegen Teams, die alle noch um die Playoff-Qualifikation bangen müssen. «Es ist wichtig, den Schalter jetzt umzulegen und nicht das Gefühl zu haben, dass es in den Playoffs automatisch geht. Ansonsten hätten wir ein riesiges Problem», so Kläy. In Lugano wird der Kanadier ­David McIntyre pausieren.

Wie erlebt Kläy die Mannschaft derzeit? «Nicht gross anders als sonst. Ich nehme seit Saisonbeginn eine relativ positive und gelassene Stimmung wahr.» Kläy findet es wichtig, in dieser Phase die Gewohnheiten beizubehalten. Ständig zu denken, dass es nun um alles gehe, könne zu einer mentalen Blockade führen. «Vielmehr sind die Playoffs die schönste Zeit der Saison.»

Es drohen schwierige Viertelfinal-Gegner

Nach den zuletzt mehrheitlich ungenügenden Leistungen werden die Zuger wahrscheinlich erneut als Tabellenzweite beenden – der Rückstand auf Bern beträgt fünf Punkte. Aktuell liegen die letztjährigen Finalisten Lugano und ZSC Lions auf den Plätzen 7 und 8. Insofern droht dem EVZ ein mehr als herausfordernder erster Gegner. Vor einem Jahr schieden die Zentralschweizer gegen die Lions im Viertelfinal mit 1:4 Siegen aus, und auch in der laufenden Saison ist die Bilanz mit 1:3 Siegen negativ. Lugano präsentierte sich zuletzt deutlich stabiler und bezwang die ­Zuger zweimal hintereinander.

Die um den Strich klassierten Teams seien in einem anderen Modus, den es zu durchbrechen gelte, so Kläy. «In erster Linie müssen wir uns aber auf die eigenen Stärken besinnen. Wir sind nicht umsonst dort, wo wir sind. Wenn wir den Schalter auf Playoffs programmieren können, dann habe ich das Gefühl, dass es egal ist, gegen wen wir spielen. Es wird ohnehin extrem hart. In den Playoffs können kleine Sachen viel bewegen. Es geht darum, in den Flow zu kommen. Zum Teil spielt auch das Glück eine Rolle.»

Positiv stimmt Kläy die Stabilität und der Charakter der Mannschaft. «Wir sind unberechenbar, da wir nicht von einzelnen Protagonisten abhängig, sondern ausgeglichen besetzt sind. In der vergangenen Saison hatten wir keine vierte Linie, die zu Entscheidendem fähig war. Wir haben auf ­allen Positionen eine gute Ausgangslage.» Kläy ist zudem überzeugt, dass der Triumph im Cup, gleichbedeutend mit dem Ende einer 21 Jahre dauernden Durststrecke ohne Titel, helfen wird. «Es war ein Befreiungsschlag zu sehen, dass wir auch dann unsere Leistung abrufen können, wenn es zählt. Das klappte zuvor nicht immer. Insofern glaube ich schon, dass der Cupsieg mental positiv auf die Spieler gewirkt hat. Ohnehin haben sich während der Saison viele Sachen positiv entwickelt.» Positiv sollen nun auch die Resultate wieder werden.