ZUG GEGEN BERN
EVZ-Stürmer Lino Martschini: Wenn ein Zauberzwerg über Titanen triumphiert

Das Duell EV Zug gegen SC Bern ist auch ein Kampf der Hockeykulturen und zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Klaus Zaugg
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Der EV Zug bejubelt das Tor zum 4:2 durch Lino Martschini (Mitte).

Der EV Zug bejubelt das Tor zum 4:2 durch Lino Martschini (Mitte).

Bild: Marc Schumacher / Freshfocus (Zug, 21. April 2021)

Die schönsten TV-Bilder bescheren uns Tore des Zauberzwergs Lino Martschini (168 cm/66 kg): Grosse Männer in ritterähnlichen Ausrüstungen scheinen dann einen Buben in ebensolcher Ausrüstung beschützend zu umringen. So wie gestern beim vierten Zuger Treffer gegen den SC Bern. Am Ende siegte der EVZ 5:2. Martschinis Tor hilft uns, diese Serie zwischen dem alten und vielleicht neuen Meister und die mögliche – aber noch nicht vollzogene – Wachtablösung in unserem Hockey zu erklären. Wenn Zugs Stürmer mit der Jockey-Figur in der Torschützenliste auftaucht, kann der SCB nicht gewinnen. Martschini hat schon beim dritten Spiel in Zug (3:0) getroffen.

Bern gegen Zug ist eine ganz besondere Serie. Eine Auseinandersetzung zwischen zwei Hockeykulturen. Oder etwas polemischer: zwischen dem Hockey von gestern und dem Hockey von heute und morgen. Der SCB hat mit Taktik und Härte eine Dynastie aufgebaut: drei Titel in vier Jahren (2016, 2017 und 2019). Mit rauem, geradlinigem, konservativem Hockey. Dieser Stil entspricht der DNA des Klubs seit der Gründung im Jahr 1933. Noch nie haben die Berner auf eine andere Weise einen ihrer 16 Titel gewonnen. Nicht in den 1950er-, nicht in den 1960er-, nicht in den 1970er-, nicht in den 1980er-, nicht in den 1990er-Jahren und nicht in diesem Jahrhundert.

Tempo und Technik sind das beste Mittel gegen Bern

«The Big Bad Bears» ist mehr als nur eine launige Bezeichnung ihrer rustikalischen Hockey-Philosophie. Die Berner sind tatsächlich nur dann erfolgreich, wenn sie gross und böse sind. Wenn
sie einschüchternd auftreten. Kommt dazu: Kräftige, wehrhafte Titanen sind in der Regel einfacher auszubilden oder einzukaufen und kosten weniger als technisch hochbegabte, wendige, schnelle Spieler. Talent schenken die Hockeygötter. Härte und Disziplin sind lernbar.
Der SCB ist in den Playoffs noch nie in seiner Geschichte «vom Eis gearbeitet» worden. Noch nie war ein Gegner in den Playoffs härter, böser und robuster. Das beste Mittel gegen Bern waren zu allen Zeiten Tempo und Technik. Je weniger Checks und je mehr Laufduelle, desto besser für den Gegner. Wenn es einer Mannschaft gelingt, den Puck für sich arbeiten zu lassen, dann ist der Sieg nahe. Also die Scheibe spielen, nicht erkämpfen.

Noch sind die Berner als Meister von 2019 Titelverteidiger. Sie kämpfen ausgerechnet gegen die schnellste, technisch beste Mannschaft der Liga um eine Verlängerung ihrer «Herrschaftszeit». Daher ist es wie ein Kampf der Kulturen. Ein Kampf zwischen dem Gestern und Morgen des Eishockeys. Zweimal sind die Berner nach einer Niederlage in Zug wieder aufgestanden. Zweimal haben sie die Serie gegen die Zuger auf eigenem Eis ausgeglichen. Nun sind sie zum dritten Mal besiegt worden. Weil zum dritten Mal in dieser Serie Eishockey mehr gespielt als gearbeitet worden ist. Dazu passt, dass Lino Martschini getroffen hat. Wenn die Berner nicht dazu in der Lage sind, den kleinsten und leichtesten Zuger am erfolgreichen Abschluss zu hindern, haben sie keine Chance, ein Spiel zu gewinnen. Sage mir, ob Lino Martschini trifft und ich sage dir, wie es um den SCB steht.

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