Zuerst das Glück, dann das Pech

Der FC St. Gallen verliert auswärts gegen ein lange überlegenes Sion nach einem umstrittenen Penalty mit 0:1. In der Schlussphase kommen die Ostschweizer einem Punktgewinn nahe, doch Yannis Tafer setzt seinen Elfmeter an die Latte.

Patricia Loher
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FUSSBALL. Lange schien es, als ob St. Gallens zweites Spiel in dieser Saison eine deutliche Angelegenheit werden würde. Sion war den Ostschweizern überlegen. Die Walliser spielten selten quer und praktisch nie rückwärts. Sie kannten nur einen Weg – den Weg nach vorne. St. Gallen war nach diesem Wirbelsturm glücklich, dass es zur Pause noch 0:0 stand. Die Mannschaft hatte sich gut gewehrt, manchmal stand ihr auch das Glück zur Seite gegen diese athletischen und so spielstarken Sittener.

Doch in der Schlussphase änderte sich alles: Was in der ersten Halbzeit undenkbar schien, rückte plötzlich in Griffnähe. Der eine im Tourbillon angestrebte Punkt. Schiedsrichter Sébastien Pache verwies in der 74. Minute Sions Xavier Kouassi direkt des Feldes, nachdem der Afrikaner St. Gallens Danijel Aleksic von hinten von den Beinen geholt hatte. Die Partie wurde immer hektischer, die Situationen in den beiden Strafräumen immer umkämpfter. St. Gallen war Sion nun ebenbürtig.

Facchinettis Hand

In der 88. Minute schien St. Gallen das Glück erzwungen zu haben. Der eingewechselte Marco Mathys war vom Sittener Reto Ziegler im Strafraum zurückgehalten worden. Doch Yannis Tafer vergab den Penalty, der ebenfalls eingewechselte Mittelfeldspieler setzte den Ball an die Latte. Kurz vor Spielschluss war die Hoffnung auf einen Punktgewinn dahin. Dass auf der anderen Seite der spielentscheidende Elfmeter fragwürdig gewesen war, drückte bei St. Gallen gleich noch mehr auf die Stimmung. Pache hatte in der 61. Minute eine Intervention von Mickaël Facchinetti als Hands taxiert. Doch es schien, als ob der Ball bloss auf die Hand des Verteidigers gefallen war. Veroljub Salatic verwertete den Penalty souverän zum 1:0. Schon vor der Pause war Pache im Mittelpunkt gestanden, als er sowohl Sion als auch St. Gallen einen Penalty verwehrte.

Grundsätzlich hat sich Sion den Sieg aber verdient. Für St. Gallen wäre es ein glückliches Unentschieden gewesen. Die Gäste hatten lange doch unten durch müssen. Ein erstes Mal musste Mario Mutsch schon in der zehnten Minute kurz vor der Torlinie vor Martin Zeman klären. Wenig später wurde ein Treffer von Moussa Konaté nicht anerkannt, danach ging sein Kopfball knapp neben das Tor.

«Wäre mehr dringelegen»

St. Gallen kam nach 20 Minuten zu seiner ersten Chance, als Aleksics Abschluss geblockt wurde. Weil die Mannschaft von Trainer Jeff Saibene in jener Phase aber nicht in der Lage war, den Ball länger bei sich zu behalten, wurde es schwierig, den hohen Rhythmus des Gegners zu brechen. So fand St. Gallen keine Mittel, um sich aus der Walliser Dauerumklammerung zu lösen. In der ersten Halbzeit sei Sion das bessere Team gewesen, sagte St. Gallens Mutsch. «Die Sittener hatten einen guten Plan. Wichtig war, dass wir dagegengehalten haben.» Sion verfüge über grosse Qualitäten, habe dafür auch einiges Geld investiert, so Mutsch. «Trotzdem wäre mehr dringelegen. Als Mannschaft haben wir uns positiv präsentiert.»

Das galt vor allem für das Defensivverhalten, obwohl St. Gallen gegen die gut aufgelegten Zeman, Konaté oder Ebenezer Assifuah doch das eine oder andere Mal das Nachsehen hatte. Das galt aber weniger für Mittelfeld und Angriff, wo es den St. Gallern zu selten gelang, gefährliche Konter einzuleiten oder Nadelstiche zu setzen.