Zündender Auftakt am See

«Kammermusik am Bodensee» unter der künstlerischen Leitung von Martin Lucas Staub hat die fünfte Auflage des Festivals hochstehend eröffnet, aber nicht abgehoben. Das Festival dauert bis nächsten Sonntag.

Ursula Litmanowitsch
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KREUZLINGEN. Den Auftakt zum Festival Kammermusik Bodensee machten das renommierte Schweizer Klaviertrio und der bekannte Hornist und Hochschullehrer Christoph Ess mit seinem Ad-hoc–Quintett. Das Seemuseum bildete dazu den akustisch hervorragenden Rahmen und ein perfektes Ambiente. Die Gäste wurden stilvoll mit einem Apéro auf das Konzert eingestimmt und von Stadträtin Dorena Raggenbass begrüsst, die das Festival würdigte: «Aus kleinen Auftakten werden Traditionen.»

Ein Glückstreffer

Die Formation um Hornist Ess, der als Solist bei den Bamberger Symphonikern wirkt, bestätigte zu Beginn die herausragende Qualität des Festivals. Es pflegt den intimen Charakter der Aufführungen, gepaart mit der engen Wechselwirkung zum Publikum.

Mit dem Engagement von Christoph Ess ist der Festivalleitung ein Glückstreffer gelungen. Denn Hornkonzerte – zumal von einem solch herausragenden Interpreten gespielt – stehen selten auf dem Programm. Umso mehr genoss man es, dass neben Mozarts Hornquintett Es-Dur KV 407 auch das Werk eines Zeitgenossen zu Gehör gebracht wurde. Der 73jährige Norweger Tryvge Madsen ist allerdings kein Neutöner, sondern seine Komposition im Quintett op. 145 erinnert ein bisschen an Ravel oder auch an Tschaikowsky und zeitweilig stark an Filmmusik.

Das Quintett um Hornist Ess mit Solomiya Ivakhiv (Violine), Michel Camille (Viola), Yuko Shimizu (Viola) und Tetiana Mertelova (Cello) modellierte die drei Sätze ausgewogen und geradezu plastisch aus der Partitur heraus zu Klangbildern wie Farbtupfer. Zart und mit Schmelz, aber nie Kitsch.

Mozarts Hornquintett war ebenfalls ein Hochgenuss. Der Solist konnte sich durch technische Überlegenheit und durch kantable, aber schlichte Linienführung in Szene setzen. Die Streicher mischten sich sehr schön mit dem warmen Klang des Horns und zeigten ein Zusammenspiel auf hohem Niveau. Lediglich die Violine stach in hohen Lagen gelegentlich mit hellem und scharfem Ton hervor, und die Bogenführung setzte gewisse Grenzen.

Spiel auf hohem Niveau

Höhepunkt des Abends war der Auftritt des Schweizer Klaviertrios. Es bestach durch perfektes Zusammenspiel, dem man die 15 Jahre gemeinsamen Musizierens deutlich anmerkt. Die Wiedergabe des Klaviertrios c-Moll op. 66 von Felix Mendelssohn Bartholdy atmete jeden Moment feuriges Zupacken, das sich mit hör- und sichtbarer Spielfreude mischte. Aus der schwungvollen Interpretation erahnte man auch viel Abgründiges, das Mendelssohn zweifellos hineinkomponiert hat.

An Leidenschaft wurde weder auf der Werk- noch auf der Interpretationsseite gespart, zumal die Tonart c-Moll ja gemeinhin als schicksalhaft und tragisch gilt. Der geschmeidige Klavierklang – ohne übertriebenen Pedaleinsatz – von Martin Lucas Staub und die warmen Streicherklänge von Angela Golubeva (Violine) und Sébastien Singer (Violoncello) verwoben sich zu einer zündenden Wiedergabe, mit einem Höchstmass an energico e fuoco und einer beachtlichen Wahl der Tempi. Minutiös zusammengeschweisst, folgten schnelle Passagen im Wechsel mit aussingenden Melodiebögen.

Zündend und entflammend

Und die Musiker stürzten sich virtuos hinein in sinfonische Dimensionen. Raumgreifend und gleichzeitig raumgebend. Ob in rasanten halsbrecherischen Läufen oder einem friedvollen Andante espressivo, stets begeisterte das Spiel in abgestimmtem Zwiegespräch und in grossen Steigerungen mit fein balanciertem Gespür. Das Finale schenkten die drei dem Publikum nochmals, wie bereits den ersten Satz, mit zündender und demzufolge entflammender Spielweise.

Den langanhaltenden und heftigen Schlussapplaus des Publikums durfte das Schweizer Klaviertrio, neben den Gottlieber Hüppen, ebenfalls als süsse Meriten verbuchen.

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