Zu wenig Gegenwehr

Fortitudo Gossau verliert zum Abschluss der Vorrunde der NLA-Qualifikation gegen den BSV Bern Muri 27:37. Eine Woche vor dem Derby offenbart Gossau grosse Abwehrschwächen.

Thomas Werner
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Gossaus Torhüter Holger Hug erlebte gegen Bern Muri einen frustrierenden Nachmittag. (Bild: Urs Jaudas)

Gossaus Torhüter Holger Hug erlebte gegen Bern Muri einen frustrierenden Nachmittag. (Bild: Urs Jaudas)

HANDBALL. Noch in keiner Meisterschaftspartie der laufenden Saison hatte der BSV Bern Muri zuvor mehr als 30 Treffer erzielen können. «Wenn du gegen die Berner zu 27 Toren kommst, dann musst du im Minimum bis zur Schlusssirene im Rennen um den Sieg bleiben», fasste Gossau-Trainer Predrag Borkovic denn auch seine Enttäuschung in Worte. Wäre Handball eine rein logische Angelegenheit, hätten die Gastgeber gar ihren vierten Saisonsieg feiern müssen, den die Berner kamen bis zu dieser Begegnung auf einen Tordurchschnitt von lediglich 26.

Aber an diesem Spätnachmittag war alles etwas anders. Nicht nur die Zahlen entbehrten in der Buechenwaldhalle der Logik, über weite Phasen auch die Abwehrbemühungen der Gossauer. Die Torhüter Holger Hug und Gabor Busa taten ihr Bestes, sie wurden von ihren Vorderleuten aber immer wieder schmählich im Stich gelassen. Bereits nach einer Viertelstunde standen zwölf Gegentreffer auf dem Konto von Fortitudo. Dazu passte, dass Borkovic nach zwanzig Minuten seine Spieler lautstark darauf aufmerksam machen musste, dass sie zur Effizienzsteigerung der Abwehrarbeit auch ruhig einmal die Hände hoch nehmen könnten.

Nur kurz ausgeglichen

So konnten die Gossauer die Begegnung insgesamt weniger als 60 Sekunden lang ausgeglichen gestalten. Als der fünffache Torschütze Marcel Misteli in der sechsten Minute auf 4:4 stellen konnte, antworteten die Berner im Gegenzug und bauten danach ihre Führung bis zur 27. Minute auf 18:11 aus. Dass Berns nicht überaus grossgewachsener Rückraumspieler Tobias Baumgartner immer wieder einfach zu Toren kam – am Ende waren es neun – unterstrich die Mängel in der Gossauer Abwehr. «Schlecht», mehr konnte Borkovic zu Abwehrarbeit seines Teams vor der Pause nicht sagen.

Dennoch hatten die Gastgeber noch einmal die Gelegenheit ins Spiel zurückzukommen. Nachdem sie mit drei Toren in Folge kurz vor der Pause den Rückstand noch einmal auf ein erträgliches Mass (14:18) reduzieren konnten, begannen sie die zweite Halbzeit konzentriert und schwungvoll. Als Daniel Stahl dann aber in der 35. Minute bei einem Penalty das 18:20 verpasste, war es um Fortitudo geschehen.

Aber auch bei anderer Gelegenheit zeigten sich die Gossauer im Abschluss zu wenig effizient. Wie schon bei der 21:29-Cupniederlage in Winterthur wurde zu oft aus bester Position der Torerfolg verpasst. «Wenn es hinten nicht klappt, dann schleichen sich auch in der Offensive Fehler und Unkonzentriertheiten ein», so Borkovic. Diese offenbarten sich auch bei den Gegenstossversuchen. Gleich dreimal landete ein weiter Pass der Gossauer direkt in der Hand eines Berners.

Nächster Versuch im Derby

Für Gossau endete die Vorrunde damit mit einer Ernüchterung. Mit Leistungen wie dieser gegen Bern Muri wird die Relegation nicht zu vermeiden sein. Das Derby vom kommenden Freitag in eigener Halle bietet Borkovic' Mannschaft die nächste Gelegenheit wieder Moral und Mut zu schöpfen. Gross Angst einjagen konnte Fortitudo St. Otmars Spielertrainer Jan Filip, einem der Beobachter in der Buechenwaldhalle, allerdings wohl nicht.