Die Hysterie um das Wunderkind der NBA

Am NBA-Draft dreht sich alles um das Supertalent Zion Williamson. Es scheint, als hätten die New Orleans Pelicans mit ihm das ganz grosse Los gezogen.

Nicola Berger
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Zion Williamson: Er wird bereits als nächster Michael Jordan gehandelt. (Bild: Chuck Burton/AP Photo (Charlotte, 16. März 2019))

Zion Williamson: Er wird bereits als nächster Michael Jordan gehandelt. (Bild: Chuck Burton/AP Photo (Charlotte, 16. März 2019))

Eine Woche erst ist vergangen, seitdem die Saison ihr dramatisches Ende fand – noch am Montag liess sich der Champion Toronto Raptors bei einer Parade durch die Stadt von hunderttausenden Menschen feiern. Doch die NBA, die vermutlich gerade unterhaltsamste Liga der Welt, ruht nie, die New Orleans Pelicans etwa haben gerade die wohl bewegtesten Tage ihrer Klubhistorie hinter sich.

Am Wochenende gaben die Pelicans in einem spektakulären Tauschgeschäft ihren seit Monaten wechselwilligen Superstar Anthony Davis an die Los Angeles Lakers ab. Und in der Nacht auf Freitag haben sie in Brooklyn mit der ersten Selektion des NBA-Drafts 2019 das Wunderkind Zion Williamson in ihre Reihen aufgenommen. Davis mag die Gegenwart gehören, mit ihm stiegen die Lakers, das in diesem Jahr nicht im Playoff vertretene Team von LeBron James, bei den Buchmachern über Nacht zum Titelfavorit auf. Doch Williamson und den Pelicans gehört die Zukunft, das ist die aktuelle Lesart.

Im «Gen-Lotto» den Jackpot geknackt

Denn wenn es um Williamson, 18, geht, herrscht in den USA ungezügelte Hysterie. Es ist eine Herausforderung, nüchternere Publikationen als das «Wall Street Journal» und die «New York Times» zu finden. Sie setzten diese Titel: «Es hat noch nie einen Basketballer wie Zion Williamson gegeben». Und: «Die Legende von Zion».

Die Frage ist, wann Vorschusslorbeeren zur Bürde werden, doch bei Williamson scheint jetzt schon klar, dass er in die Fussstapfen von Michael Jordan und LeBron James steigen muss, um den Erwartungen gerecht zu werden. Williamson ist 2,01 Meter gross und 129 Kilo schwer, ein Koloss eigentlich, aber er ist so beweglich, dass er als athletische Ausnahmeerscheinung gilt. Einer seiner Nachwuchstrainer soll einmal gesagt haben, jeder in diesem Team habe im «Gen-Lotto» gewonnen. Aber Zion habe den Jackpot zwei Mal geknackt.

Schon während seiner High-School-Zeit wurde Williamson zum viralen Phänomen, seine Dunks und Blocks wurden hunderttausendfach angeklickt; auf Instagram folgen ihm schon jetzt 3,3 Millionen Menschen. Bevor er auch nur eine Sekunde Profi-Basketball gespielt hat ist die Zion-Mania in vollem Gange. Alleine sein Schuhvertrag mit einem der grossen Ausrüster dürfte mit mehr als 100 Millionen Dollar dotiert sein.

Unklar ist dagegen, wie schnell Williamson auch sportlich zur Elite gehören wird – der Sprung vom College-Basketball zur NBA ist gross. Doch womöglich sind diese Überlegungen ohnehin unnötig, denn wenn die Pelicans über etwas verfügen, dann ist das: Zeit. Anthony Davis ist ein Top-10-Spieler der Liga, doch das Management der Pelicans schaffte es nie, um ihn herum ein konkurrenzfähiges Team aufzubauen. Oft spielte das Team in einer fast leeren Arena, man kann den Partien der Pelicans schon ab 10 Dollar beiwohnen. Der erst vor kurzem eingesetzte General Manager David Griffin, einst Architekt des Meisterteams der Cleveland Cavaliers, hat sich mit der Verabschiedung von Davis für einen Neustart entschieden. Die Pelicans werden 2019/20 sehr jung, sehr unerfahren und sehr aufregend sein. «Must-watch-TV» nennen manche Beobachter die Pelicans schon jetzt, vier Monate vor dem Saisonstart, man dürfe die Übertragungen ihrer Partien keinesfalls verpassen. Zu faszinierend sei, welches Kapitel der Legende von Zion als nächstes hinzugefügt werden wird.

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