«Zibelemärit» auf Holländisch

Fussball. Die Anhänger aus Holland haben gestern an der EM einen ersten Farbtupfer gesetzt. Für sie ist das orange Trikot eine Tracht und Fussball bei fast jedem Resultat ein Fest.

Matthias Hafen/Bern
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Der Bundesplatz in Bern wurde gestern zum «holländischen Wohnzimmer». (Bild: EQ Images/Edy Engeler)

Der Bundesplatz in Bern wurde gestern zum «holländischen Wohnzimmer». (Bild: EQ Images/Edy Engeler)

Orange so weit das Auge reicht. Die Berner Altstadt war gestern ein bisschen Amsterdam. Nur die Grachten fehlten. Im Dreieck zwischen Bahnhof, Bundesplatz und Zytglogge gab es schon Stunden vor Spielbeginn fast kein Durchkommen mehr. Der Auftritt der Oranjes war farbenfroh, laut und friedlich.

Die Holländer tragen ihre drei Vorrundenspiele in Bern aus. Das hat viele Anhänger dazu bewogen, sich für die ganze Zeit der EM in und um Bern niederzulassen. Die Glücklichsten haben ihr Wohnmobil direkt auf der Lorrainebrücke inmitten der Stadt abgestellt. Andere füllen die Campingplätze bis ins Freiburgerland.

«Het Wilhelmus» in der Stadt

Weil an der EM im Stade de Suisse lediglich die drei Gruppenspiele der Holländer ausgetragen werden, konzentriert sich Berns Hospitality-Konzept ganz auf die Oranjes. In der Fanzone auf dem Bundesplatz stimmt ein holländischer Entertainer die Nationalhymne «Het Wilhelmus» an. Und damit sich die Gäste aus dem Königreich wie zu Hause fühlen, säumen derzeit elftausend orange Tulpen Berns Innenstadt. «Zibelemärit» auf Holländisch.

Dass sich Bern selbst während der Euro treu bleibt, trägt zum Charme der Stadt bei. Viele Einheimische schauen dem Treiben in den Gassen skeptisch zu. Andere zieht es ins Kaufhaus Loeb, obwohl kein Einkauf geplant war. Ganz ungewohnt dient dieses abseits des EM-Trubels als Oase der Ruhe. In der Hauptstadt entgegnet man der Hektik auch mit Humor. Zwar suchen auch hier viele Billetthändler mit Kartontafeln nach Schnäppchen. Doch hat sich ein Einheimischer den Spass daraus gemacht, auf die gleiche Weise nach fehlenden Panini-Bildern zu suchen.

Pinseln, sprayen, schminken

Originell geben sich auch die holländischen Anhänger. Wer noch nicht orange gekleidet ist, wird mitten auf der Gasse bepinselt, besprayt oder geschminkt. Selbst den Hunden wurde ein grelles Kleidchen verpasst. Und organisiert sind sie. Fast jeder zweite trägt einen Zylinder-ähnlichen Hut, der gleichzeitig als Tragtasche dient. Dass dieser so aussieht wie die Bierbüchse einer niederländischen Brauerei, ist kein Zufall.

Dass Holland der vermeintlich stärksten EM-Gruppe mit Frankreich, Italien und Rumänien zugelost wurde, trübt die Freude der Anhänger nicht. Sie lieben die Auseinandersetzung auf hohem Niveau. Auch die Berner freuen sich über diese Konstellation. Dem Stade de Suisse beschert dies drei attraktive Partien. Und weil ab den Viertelfinals nur noch in Basel und Wien gespielt wird, reist die holländische Auswahl nach der Vorrunde so oder so ab – unabhängig der Resultate.

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