Basketball
SCB-Coach Orlando Bär zum missglückten Saisonstart: «Vielleicht war die Erwartungshaltung zu gross»

Vor dem Heimspiel gegen Boncourt (Samstag, 17.30) spricht Coach Orlando Bär über den Fehlstart von Swiss Central Basketball.

Interview: Daniel Schriber
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Trainer Orlando Bär sieht das Hauptproblem in der Verteidigung.

Trainer Orlando Bär sieht das Hauptproblem in der Verteidigung.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 28. September 2022)

Wie ist die Stimmung bei SCB nach den drei Kanterniederlagen zum Saisonstart?

Orlando Bär: Die Stimmung ist nervös, eine gewisse Frustration ist spürbar. Niemand ist zufrieden mit den ersten Spielen, da gibt es nichts zu beschönigen.

Letzte Saison gehörte SCB zu den Überraschungsteams der Liga. Fühlt sich die aktuelle Pleiteserie deswegen besonders frustrierend an?

Wir waren uns bewusst, dass sich die Erfolge der vergangenen Saison nicht einfach so wiederholen lassen. Wichtige Spieler haben uns verlassen, andere sind dazugekommen und mussten integriert werden. Dieser Prozess braucht Zeit. Ich verstehe aber auch, dass gerade im Umfeld des Vereins die Erwartungshaltung gross war. Zum Teil vielleicht zu gross.

SCB kriegt am meisten Körbe und erzielt am wenigsten Punkte aller Teams. Wo beginnt man da mit der Problemlösung?

Im Moment läufts auf beiden Seiten nicht so, wie wir uns das wünschen. Das Hauptproblem sehe ich klar in der Verteidigung. Wir ermöglichen unseren Gegnern viel zu leichte Punkte.

Schwach sind auch die Wurfquoten: Aus der Dreipunktedistanz trifft ihr Team nur gerade 25 Prozent. Wie entsteht eine so tiefe Quote?

Dafür gibt es verschiedene Gründe: Die Wurfauswahl war sicher nicht immer optimal. Zudem steigt mit jedem Fehlwurf der Druck beim nächsten Versuch. Wer zögert oder zittert, kann auch nicht treffen. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir aus diesem Teufelskreis herauskommen können.

Die ausländischen Profis Trevion Lamar und Julien Roche fielen bis jetzt nicht durch besonders starke Leistungen auf. Wie beurteilen Sie die Neuzugänge?

Wir können mit dem ganzen Team nicht zufrieden sein, das gilt auch für die beiden Ausländer. Sowohl Trevion als auch Julien spielen teamdienlich. Das ist grundsätzlich positiv – sie müssen aber auch verstehen, dass sie in entscheidenden Momenten individuelle Verantwortung übernehmen müssen. In den nächsten Spielen wird sich zeigen, ob sie dazu in der Lage sind.

Während die meisten Gegner mit vier Ausländern spielen, setzt SCB nur auf zwei. Das reicht offenbar nicht, um in der höchsten Liga zu bestehen. Einverstanden?

Nein. Ich bin noch immer überzeugt, dass das funktionieren kann. Unsere Schweizer haben die Fähigkeiten, um in der höchsten Liga mitzuspielen. Zudem glaube ich, dass Basketball in der Schweiz langfristig nur dann an Qualität gewinnt, wenn wir auch unseren einheimischen Spielern mehr Vertrauen geben.

Die Resultate sprechen aktuell eine andere Sprache.

Das kann ich nicht bestreiten. Es ist übrigens auch nicht so, dass wir die Verpflichtung eines dritten Ausländers kategorisch ausschliessen. Im Gegenteil: Wenn wir die nötigen Mittel dafür zusammenkriegen, kann das ein Thema sein. Was es bei SCB aber nicht geben wird: Ein Team, das fast ausschliesslich von seinen Profis abhängig ist. Das widerspricht unserer Philosophie.

In Ihrer ersten Saison konnten Sie viele Erfolge feiern. Nun müssen Sie mit Ihrem Team unten durch. Macht Ihnen das Amt noch Spass?

Natürlich macht es mir keinen Spass, so hoch zu verlieren. Und es macht auch keinen Spass, unsere Spieler, die Fans und die vielen Helfer leiden zu sehen. Die aktuellen Herausforderungen ermöglichen es mir jedoch, als Coach, aber auch als Mensch viel zu lernen. Ich stehe immer noch jeden Morgen gerne und voller Tatendrang auf. Daran ändern auch drei Niederlagen nichts.