Zellweger nimmt Anlauf

LEICHTATHLETIK. Um die Olympiaqualifikation zu schaffen, hat der Weitspringer Yves Zellweger kleine Veränderungen vorgenommen. Im ersten Moment bedeuten diese einen Rückschritt. Doch der 27jährige Rheintaler ist ein geduldiger Mensch.

Raya Badraun
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«Die Basis ist gelegt, nun kommt der Feinschliff», sagt der Weitspringer Yves Zellweger. (Bild: Ralph Ribi)

«Die Basis ist gelegt, nun kommt der Feinschliff», sagt der Weitspringer Yves Zellweger. (Bild: Ralph Ribi)

Yves Zellweger gibt sich momentan mit wenig zufrieden. Ende Januar sprang der Rheintaler in der Halle im deutschen Sindelfingen 7,37 Meter weit – und freute sich. «Das war ein guter Einstieg in die Saison», sagt Zellweger. Im ersten Moment überrascht diese Aussage. Immerhin liegt sein Bestwert bei 8,03 Metern. Doch in den vergangenen Monaten hat sich in seinem Leben einiges verändert. Noch vor der Heim-EM in Zürich, die im vergangenen August stattfand, wusste der 27-Jährige nicht, wie es danach weitergehen soll. Alles war möglich, auch ein Rücktritt vom Spitzensport. Doch dann verpasste Zellweger mit 7,64 Metern den Final – und sein grosses Ziel. Rasch stand für ihn fest, dass er seine Karriere mit einem solchen Auftritt nicht beenden wollte. Zudem stimmte ihn das Ergebnis auch zuversichtlich. «Es hat mir gezeigt, wie wenig zu den besten Weitspringern Europas fehlt», sagt der St. Galler.

Im vergangenen Herbst entschied sich Zellweger schliesslich, bis zu den Olympischen Spielen 2016 weiterzumachen – jedoch nicht wie bisher. Auf dem Weg nach Rio wird er neu von Christian Gutgsell betreut. «Es ist nicht so, dass ich mein Ziel mit den früheren Trainern nicht erreichen würde», sagt Zellweger. Doch nach all den Jahren mit Michele Bellino, der ihn seit seiner Jugend trainiert hatte, benötige er im Training neue Herausforderungen und Reize.

Kleine Veränderungen

«Die Basis ist gelegt, nun kommt der Feinschliff», sagt Zellweger. Denn Trainer Gutgsell zeigt seinem Schützling nicht nur andere Übungen. Er arbeitet mit ihm vor allem auch an der Technik, etwa am Anlauf oder dem Absprung. «Es sind kleine Veränderungen, die in Zukunft weitere Sprünge ermöglichen sollen», sagt Zellweger und vergleicht es mit einem Skifahrer, der mit neuem Material den Berg hinunter fährt. Dies ist nötig, wenn sich der Weitspringer im kommenden Jahr für die Olympischen Sommerspiele qualifizieren will. Für die diesjährige WM in Peking, ebenfalls ein Ziel von ihm, liegt die Limite bei 8,10 Meter. Diejenige für die Olympischen Spiele ist noch nicht bekannt. Zellweger rechnet jedoch mit etwa 8,15 Meter. Damit liegt sie zwölf Zentimeter über seinem Bestwert. «Für einen solchen Sprung muss viel zusammenpassen», sagt er.

«Nicht von heute auf morgen»

Zellweger weiss, dass solche Veränderungen, auch wenn sie noch so klein sind, viel Zeit benötigen und im ersten Moment auch einen Rückschritt bedeuten. «Man kann es nicht von heute auf morgen ändern», sagt Zellweger. «Doch ich bin ein geduldiger Mensch.» Dazu hat auch die Erfahrung beigetragen. In der Vergangenheit musste er aufgrund von Verletzungen immer wieder pausieren. Dadurch sieht er den Rückschritt aus einem positiven Blickwinkel. «Der Schritt zurück ist viel mehr ein Anlaufholen, um noch weiter springen zu können», sagt Zellweger. So stimmt ihn sein Auftritt in Sindelfingen auch zuversichtlich. «Zwar fehlt noch etwas, doch kleine Teile funktionieren bereits», sagt er. «Was Kraft und Schnelligkeit betrifft, bin ich auf einem guten Weg.»

Dieses Gefühl kann Zellweger an diesem Wochenende an der Schweizer Hallenmeisterschaft in St. Gallen bestätigen. Ob er jedoch die EM-Limite von 7,85 Meter überbietet, ist offen. Da er aufgrund einer Adduktorenverhärtung an den vergangenen beiden Wochenenden keinen Wettkampf absolvieren konnte, fehlt ihm nun der Rhythmus. Verpasst er die europäischen Titelkämpfe in Prag, wäre es für ihn jedoch verkraftbar. Denn Zellweger denkt momentan in grösseren Massstäben.

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