Zeit ist relativ

Die kleine Sportfrage

Philipp Wolf
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«Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten», soll die deutsche Trainerlegende Sepp Herberger einst gesagt haben. Doch warum eigentlich dauert ein Fussballspiel 90 Minuten?

Niemand scheint zu wissen, wie man genau auf diese 90 Minuten kam. Nicht einmal bei der Fifa bekommt man eine schlüssige Antwort auf diese Frage. In Internetforen wird man ebenso wenig fündig. Dort heisst es entweder «das wurde eben einmal so festgelegt». Oder man liest, ein Fussballspiel dauere gar nicht 90 Minuten, sondern länger, vor allem dann, wenn die Bayern spielten. Natürlich beziehen sich die Fussballsupporter hier auf die Nachspielzeit, die aber normalerweise eine Partie nicht extrem verlängert. Diese Zusatzzeit ist schliesslich dazu gedacht, die zahlreichen Unterbrechungen wie Freistösse und Einwechslungen zu kompensieren.

Dem wird sie jedoch nicht gerecht. Eine Studie von Augsburger Sportwissenschaftlern kam zum Schluss, dass weit weniger lange gegen das runde Leder gekickt wird, als es die Spiellänge suggeriert: Im Schnitt summieren sich in einer Partie alle Spielunterbrechungen zu 35 Minuten, in denen der Ball nicht rollt. Dabei sorgen schon die durchschnittlich 39,2 Freistösse dafür, dass während 14 Minuten kein Fussball gespielt wird. Während sich Fans also über angeblich zu lange Nachspielzeit echauffieren, sind sich viele nicht bewusst, dass noch weit mehr Zeit draufgelegt werden müsste, um den 90 Minuten gerecht zu werden.

Philipp Wolf

Weshalb tun die das? Die Welt des Sports steckt voller kleiner Rätsel. Einigen zentralen und weniger zentralen Fragen aus der Welt der Profis geht die Sportredaktion in dieser Rubrik nach.