Zeit, hinzusehen Zeit, hinzugehen

NUR EINE FRAGE Für die Triennale «Heimspiel 2012» in St. Gallen, die gestern eröffnet worden ist, sind 53 Kunstschaffende aus den Kantonen St. Gallen, beide Appenzell, Thurgau sowie Liechtenstein und Vorarlberg ausgewählt worden.

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NUR EINE FRAGE

Für die Triennale «Heimspiel 2012» in St. Gallen, die gestern eröffnet worden ist, sind 53 Kunstschaffende aus den Kantonen St. Gallen, beide Appenzell, Thurgau sowie Liechtenstein und Vorarlberg ausgewählt worden.

Wir haben den teilnehmenden Thurgauer Künstlern diese Frage gestellt: Was wollen Sie in den Menschen auslösen, die Ihr bei «Heimspiel» ausgestelltes Werk betrachten?

Rahel Müller, Künstlerin und enge Vertraute, antwortet an Stelle des Pfyner Fotografen Dieter Berke, der vor vier Monaten gestorben ist. Er ist posthum mit einer Arbeit vertreten: «Motel Room», 2011, mit der Camera Obscura in Kalifornien aufgenommen und eine der Arbeiten hinter Plexiglas, die er vergangenes Jahr im Neuen Shed Frauenfeld in der Ausstellung «time out. Krebs» zeigte. Dieter Berke war in seiner Arbeit stets wichtig, dass Sehen mehr ist als ein blosses auf die Oberfläche Starren. Sehen bedeutete für ihn, dass man durch die Schleier der Illusionen hindurch die Wirklichkeit schauen kann. Dafür nahm er sich viel Zeit. Deswegen arbeitete er mit der Camera Obscura, forschte er als Fotograf. «Je schneller jemand rennt, umso weniger Spuren hinterlässt er», pflegte er zu sagen. Alles ist da, egal wo man ist, man muss es nur sehen. Und Sehen bedeutete für ihn: sich Zeit nehmen, sich einlassen, in höchstmöglicher Ehrlichkeit sich und der Welt gegenüber. Die Schönheit findet sich letztlich immer, weil man sie wie eine Gesetzmässigkeit in sich trägt. Das Licht weist den Weg, in der Verflechtung mit den Schatten tanzt es. Wer weiss, dass er träumt, wird irgendwann einmal auch aufwachen und weit über das bisher Gewusste alles erkennen, was ist.

Auch Othmar Eder aus Pfyn erwähnt die Zeit: Ich möchte mit meiner grossformatigen Zeichnung «Flugzeug im Vogelschwarm» dies auslösen: Staunen, Begreifen von Zeit – sich Zeit zu nehmen, das besondere Ereignis mit eigenen Gedanken zu hinterfragen (was passiert hier?); nach der Runde durch die Ausstellung noch einmal zur Zeichnung zurückzukehren und in Gedanken das Bild vielleicht sogar mitzunehmen.

Christoph Rütimann aus Mülheim fasst sich kurz: Ich mache das Angebot: Farbe hinter Glas. Es würde mich freuen, wenn die Betrachter, die meine drei Arbeiten sehen, sich ebenfalls freuen. (dl)

Heimspiel: Kunstmuseum St. Gallen, Kunst Halle St. Gallen, Kunstraum Nextex; bis 24.2. www.heimspiel.tv