ZÄH: Shaqiris Farbtupfer

Die Schweiz stellt im Test gegen Weissrussland einen Rekord auf. Das 1:0 in Neuenburg ist der sechste Sieg in Folge. Einsamer Höhepunkt in einem ruppigen Spiel ist das Siegestor durch Xherdan Shaqiri.

Stefan Wyss (sda)
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Xherdan Shaqiri war nicht nur dank seines Tores der auffälligste Spieler der Schweizer Nationalmannschaft. (Bild: Jean-Christophe Bott/KEY)

Xherdan Shaqiri war nicht nur dank seines Tores der auffälligste Spieler der Schweizer Nationalmannschaft. (Bild: Jean-Christophe Bott/KEY)

Stefan Wyss (SDA)

Für die Statistiker ging es in erster Linie um das Resultat: Die Schweizer erfüllten die Pflicht und stellten mit dem sechsten Sieg in Folge einen Rekord in ihrer 112-jährigen Länderspielgeschichte auf. Die bisherige Bestmarke war 56 Jahre alt. Zwischen dem 6. April 1960 und dem 20. Mai 1961 hatte die Schweiz unter Karl Rappan fünf Siege aneinandergereiht.

Für die Ästheten hielt das Spiel einen anderen Höhepunkt bereit: Das 1:0-Siegestor durch Xherdan Shaqiri in der neunten Minute war schlicht ein «chef d’oeuvre», ein Meisterstück, wie sie in Neuenburg sagen. Der Stoke-Professional nahm aus knapp 25 Metern Mass und traf hoch via Innenpfosten ins Tor. Es war das 19. Länderspieltor von Shaqiri und der erste Treffer für die Schweiz seit fast einem Jahr und seinem Seitenfallrückzieher im EM-Achtelfinal gegen Polen. Und sonst? Das Spiel zeigte rasch, dass die Schweizer im Hinblick auf das WM-Qualifikationsspiel vom 9. Juni auf den Färöern den richtigen Sparringpartner ausgesucht hatten. Die Weissrussen, im Fifa-Ranking als Nummer 83 drei Plätze schlechter klassiert als die Färöer, spielten mit einer sehr defensiven, fast destruktiven Taktik mit fünf Verteidigern und einem tief stehenden Mittelfeld. Die junge und unerfahrene Mannschaft offenbarte in jedem Moment der Partie, weshalb sie in der WM-Qualifikation in fünf Spielen erst zwei Tore erzielt hat – ebenso wenige wie die Färöer in der Schweizer Gruppe.

In der Offensive ohne zündende Ideen

Die Partie auf dem Neuenburger Kunstrasen spielte sich so zumeist in der Platzhälfte der Osteuropäer ab. Die Schweizer waren spielbestimmend, aber vor dem gegnerischen Tor nicht zwingend. Neben dem frühen Treffer Shaqiris sowie zwei Weitschüssen des Torschützen und von Granit Xhaka in der Schlussphase gab es keine gefährlichen Abschlüsse der Schweizer.

Die Probleme gegen destruktive Widersacher im kreativen Bereich sind bekannt bei der SFV-Auswahl. Diesmal hatte es aber auch mit einer eher unerwarteten Disposition von Nationalcoach Vladimir Petkovic zu tun, der zunächst auf Mittelstürmer Haris Seferovic verzichtete und Admir Mehmedi im Zentrum brachte. Mehmedi bewegte sich viel, wich auf die Flügel aus, weshalb aber in der gefährlichen Zone des gegnerischen Strafraums oft keine Schweizer waren. Das Experiment mit dem Flügel als Stossstürmer war legitim, eine Wiederholung drängt sich in Zukunft dennoch nicht auf.

Ein weiterer Test von Petkovic konnte aufgrund der Harmlosigkeit der Weissrussen nicht schlüssig beurteilt werden. Valon Behrami agierte in der letzten halben Stunde neben Timm Klose als Innenverteidiger. Aufgrund der unsicheren Entwicklung im Cluballtag bei Johan Djourou und Fabian Schär schaut sich der Nationalcoach offenbar frühzeitig nach neuen Lösungen um.