Yuki Kawauchi, der Bürogummi an der Weltspitze

LEICHTATHLETIK. Yuki Kawauchi ist weder Weltrekordhalter noch Medaillengewinner an Grossanlässen. Dennoch ist der Japaner einer der meistbeachteten Marathonläufer der Welt – und am morgigen Zürich Marathon zweifellos der Publikumsmagnet.

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Yuki Kawauchi (Bild: ap/Kevin Frayer)

Yuki Kawauchi (Bild: ap/Kevin Frayer)

LEICHTATHLETIK. Yuki Kawauchi ist weder Weltrekordhalter noch Medaillengewinner an Grossanlässen. Dennoch ist der Japaner einer der meistbeachteten Marathonläufer der Welt – und am morgigen Zürich Marathon zweifellos der Publikumsmagnet. «Der grösste seit Viktor Röthlin», sagt OK-Präsident Bruno Lafranchi rundweg.

Büroangestellter läuft 2:08

Kawauchi gilt als grosses Laufwunder, da er vor gut fünf Jahren wie aus dem Nichts in die Weltspitze vordrang, obschon er zu 100 Prozent einem Bürojob nachgeht. 2009 lief er seinen ersten Marathon, brauchte dafür 2 Stunden und 19 Minuten. 2011 schaffte er bereits 2:08. Damit ist er aktuell schnellster Japaner. Noch heute arbeitet Kawauchi unter der Woche zu 100 Prozent im Büro, trainiert damit weit weniger als seine Konkurrenten, nimmt dafür an deutlich mehr Läufen teil. Er ist weltweit der einzige Läufer, der innerhalb von zwei Wochen zwei Marathons unter 2:10 gelaufen ist. Die meisten Marathonläufer gönnen sich nach absolvierten 42,195 Kilometern zwei Monate Erholung.

Mit ungeschmeidigem Stil

Was den Fans am kleinen Japaner besonders gefällt, ist sein Laufstil. Nicht weil dieser geschmeidig wäre, im Gegenteil: Kawauchi läuft mit gequältem Gesicht, mit schlingernden Bewegungen. So wie es viele Hobbyläufer tun. 2011 brach er bei einem 50-Kilometer-Lauf kurz vor dem Ziel bewusstlos zusammen, was seinen Ruhm, vor allem in Japan, weiter steigerte. Längst hat Kawauchi, der auf Trainer und Sponsoren verzichtet, auch mit Siegen auf sich aufmerksam gemacht. Morgen könnte der nächste folgen. (rst)