YB-Trainer Gerardo Seoane: «Als ich gegen Marcel Koller spielte, war ich erst 17 Jahre alt»

Vor dem Spitzenspiel am Sonntag gegen den FC Basel beantwortet YB-Trainer Gerardo Seoane die selben Fragen wie sein Gegenüber Marcel Koller. Seoane sagt: «Wir wollen auf die Niederlage gegen Porto reagieren.»

Céline Feller
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Gerardo Seoane glaubt nicht, dass das Spitzenspiel vom Sonntag vorentscheidenden Charakter haben wird.

Gerardo Seoane glaubt nicht, dass das Spitzenspiel vom Sonntag vorentscheidenden Charakter haben wird.

Peter Schneider, KEYSTONE

Gerardo Seoane, wer ist im Spitzenspiel zwischen dem FC Basel und YB Favorit?

Ich glaube, dass es bei Spielen zwischen Basel und YB nie einen Favoriten gibt. Das ist ähnlich wie bei einem Derby oder in einem Cupfinal, weil da viel mehr Faktoren mit rein spielen. Da sind der Tabellenrang und der Formstand nicht immer entscheidend. Fakt ist, dass es eine super Affiche für den Schweizer Fussball ist, in einer Konstellation mit einem engen Rennen um die vorderen Plätze, die sich auch die ganze Schweiz wahrscheinlich wünscht. Es wird sicher ein tolles Spektakel auf dem Platz und wir freuen uns darauf.

Was spricht für YB?

Ich sage nicht gerne voraus, warum etwas für uns sprechen sollte oder eben nicht. Was ich sagen kann ist, dass wir nach der Niederlage in der Europa League gegen Porto eine Reaktion zeigen wollen. Dass wir unsere Stärken auf den Platz bringen, dass wir kontinuierlich verbessern, was in den letzten Spielen nicht so gut war und dass wir uns auf dem Weg der Entwicklung befinden. Denn der Weg ist das Ziel, die Weiterentwicklung der Spieler und der Mannschaft.

Hat das Spiel vorentscheidenden Charakter?

Nein. Egal wie dieses Spiel ausgeht, denke ich, dass es keinen Einfluss auf den Ausgang der Meisterschaft hat. Es gibt noch 20 Spiele, es hat noch mehr als genügend Punkte zu verteilen, es gibt noch Direktbegegnungen und andere Mannschaften, die ein Wörtchen mitreden wollen.

Welche Teams in der Liga haben das Potential, ausser Basel und YB, in den nächsten Jahren auch eimal Meister zu werden?

Die Teams, die weiterhin Ruhe bewahren und eine klare Strategie haben und sich mittelfristige und längerfristige Ziele setzen. Ich sehe nicht bei anderen Vereinen hinein, aber was man sicher sagen kann, weil es offensichtlich ist, ist, dass bei St. Gallen etwas am Wachsen ist. Das ist eine junge Mannschaft, die haben immer noch eine hohe Marge nach oben. Aber es ist eine Mannschaft, die wahrscheinlich ein Wörtchen mitreden wird. Vom Potential her kommen sicher noch Zürich oder Sion dazu, die immer gute Spieler haben.

Was hat YB, was Basel nicht hat?

Einen Kunstrasen (lacht herzhaft)! Nein, es ist schwierig zu vergleichen. Man sieht schon gewisse Unterschiede. Wahrscheinlich in der Spielanlage, im Scouting von den Spielern, ohne zu bewerten was richtig oder falsch ist. Es sind verschiedene Ideen und Strategien. Wichtig ist einfach, dass alle am gleichen Strick ziehen, und das ist bei uns der Fall.

Welchen FCB-Spieler hätten Sie gerne in Ihrem Team?

Von mir werden Sie immer hören, dass meine Spieler die besten sind und ich die behalten will. Denn wir sind überzeugt von unseren Spielern und darum werde ich keine Spieler namentlich erwähnen. Aber es hat fussballerisch hochinteressante Spieler beim FC Basel. Da bin ich nicht der Erste, der das sagt, das wissen wir alle.

Wie würden Sie sich selber als Trainer beschreiben?

Ich bin nicht so gut in der Selbstbeurteilung. Wie jeder Trainer versuche ich, das Beste aus der Mannschaft und dem Staff heraus zu holen. Da sind wir alle Trainer gleich. Ich versuche sicher, ein Teamplayer im Staff und Verein zu sein, versuche verschiedene Meinungen rein zu holen. Im heutigen Fussball ist es wichtig, dass man Begeisterung in die Mannschaft rein bringen kann und diese von seinen Ideen überzeugen kann. Dazu braucht es die Beziehung zu jedem einzelnen Spieler, denn das sind Menschen und man muss mit ihnen klar kommen.

Wie ist Ihr Verhältnis zum Gegenüber?

Auf der Trainerbank sind es generell immer Begegnungen mit viel Respekt. Er ist ein Trainer mit grosser Vita und er hat sehr viel geleistet.

Wann haben sich erstmals Ihre Wege gekreuzt?

Ich habe einmal gegen ihn gespielt als ich noch 17 Jahre alt war. Gross erinnern kann ich mich nicht mehr, das ist schon so lange her. Ich weiss nur noch, dass wir mit Luzern gegen GC gespielt haben im alten Hardturm und dass ich ein Foto habe, auf dem wir beide drauf sind (lacht). Ich weiss aber nicht mal mehr das Resultat, das müsste ich nachschauen. Das Foto ist irgendwo noch in einer Kartonschachtel, wo alle Bücher und Ordner sind.

Sie beiden trennen Generationen. Spürt man das auf dem Platz?

Nein, es gibt keinen Generationenunterschied. Es geht immer darum, wo man ist, was für Spieler man hat, was die Strategie des Vereins gepaart mit der Idee des Trainers ist, und so entwickelt sich das Produkt auf dem Platz. Für mich ist das nicht abhängig vom Alter des Trainers.

Am Sonntag trifft der Meister auf den Cupsieger. Welcher Titel hat mehr Wert?

Das sind zwei Dinge, die man nicht vergleichen sollte, beide Titel haben einen grossen Stellenwert. Die Meisterschaft ist als Trainer aber wichtiger, weil es der Preis für die Arbeit und Konstanz über ein Jahr hinaus ist. Aber der Cup hat seine spannende Herausforderung, dass man am Tag x eine Runde weiter kommen muss. In der Meisterschaft ist es immer eine Weiterentwicklung der Spieler und der Mannschaft, das gibt dir Ende Saison auch eine Art Spiegel, wie das Jahr war. Aber der Cup bringt dafür punktuell Emotionen.

Lesen Sie eigentlich Zeitung?

Sicher. Ich will informiert sein, was bei unserem nächsten Gegner passiert. Aber ich lese auch die Berichterstattung über unsere Spiele und reflektiere das auch. Am meisten interessieren mich Interviews von anderen Trainern oder Leuten in Führungsrollen im Sport, ob im Basketball, Hockey oder sonst wo. Das lese ich gerne, sowohl in Zeitungen als auch in Büchern.

Wer ist Ihr härtester Kritiker?

Als Trainer hinterfragst du automatisch immer sehr viel, weil du unheimlich viele Entscheidungen treffen musst. Die bewertet und analysiert man dann, um etwas daraus lernen zu können. Daher bin ich sicher selbstkritisch. Aber es ist auch wichtig, dass man Leute im Staff oder dem näheren Umfeld hat, die einem ein Feedback geben. Aber in der Öffentlichkeit muss ich mich und meine Arbeit nicht scannen.

Sind Sie je mit sich zufrieden?

Eher nicht. Das hat auch mit dem Ehrgeiz und der Leidenschaft für diesen Beruf zu tun. Ich habe mich da aber sicher auch weiterentwickelt. So, dass ich mal sagen kann: Stopp, das ist genug. Jetzt nehme ich mir Zeit für mich oder etwas anderes.

Gibt es Dinge, die Ihnen schlaflose Nächte bereiten?

Nein, schlaflose Nächte nicht. Aber klar, im letzten und in diesem Herbst, mit den englischen Wochen, da kommen in kurzer Spanne sehr viele Spiele, da kann es sein, dass die Verarbeitung derer dafür sorgt, dass die Nacht mal nicht gut oder kürzer ist. Da stimmt der Schlafhaushalt vielleicht mal nicht. Aber das habe ich auch gut im Griff, und schlaflos bin ich nicht, nein.