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YB-Stürmer Guillaume Hoarau: «Die Champions League-Hymne ist wie Bob Marley»

Guillaume Hoarau steht mit YB vor den Champions-League-Spielen. Trotz den drei Hochkarätern Manchester United, Juventus Turin und Valencia glaubt Hoarau an sich und sein Team und sagt: «Ich glaube, dass wir so ein, zwei Spiele gewinnen können.» Daran ändert auch sein schlechtes Gedächtnis nichts.
Jakob Weber
«Ich träume einfach, dass wir gewinnen»: YB's Guillaume Hoarau. (Bild: Keystone)

«Ich träume einfach, dass wir gewinnen»: YB's Guillaume Hoarau. (Bild: Keystone)

Mit einem Grinsen auf dem Gesicht trottet Guillaume Hoarau zum Interview. Ihn bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Seit der 34-jährige Franzose im Sommer 2014 nach Bern kam, geht es mit YB stetig bergauf. Jetzt gipfelte die positive Entwicklung mit dem ersten Meistertitel seit 32 Jahren und der erstmaligen Teilnahme an der Champions League. Hoarau legte mit seinen beiden Toren gegen Zagreb den Grundstein für die Qualifikation. Am Mittwoch kommt jetzt zur Belohnung Manchester United ins Stade de Suisse.

Ebenfalls in der Gruppe sind Juventus Turin und Valencia. Guillaume Hoarau ist einer der wenigen im YB-Kader, der weiss, was ihn erwartet. 2012 wurde er für Paris Saint-Germain in der Gruppenphase – lustigerweise ebenfalls gegen Zagreb – zweimal kurz vor Schluss eingewechselt. In 27 Minuten Spielzeit gelang Hoarau sogar schon ein Tor. Doch eigentlich wird sein Bubentraum von der Champions League erst jetzt so richtig wahr.

Was ist Ihre erste Erinnerung an die Champions League?

Ouh. Ich habe ein ganz schlechtes Gedächtnis. Ich kann mich erinnern, wie ich Anfang der 2000er Jahre Spiele von Real Madrid geschaut habe. Ich war ein Fan der Galaktischen. Ronaldo war mein Idol. Der Brasilianische.

Jetzt spielen Sie gegen den anderen Ronaldo. Auch nicht schlecht oder?

Ja. Aber von den Galaktischen sind wir meilenweit entfernt. Wir sind nur die kleinen Young Boys. Wir wollen die Gunst der Stunde nutzen und Spass haben. Dafür müssen wir uns auf dem Platz zerreissen.

Am Mittwoch wartet zunächst Manchester United. Ganz Bern sehnt sich diesem Spiel entgegen.

Seit Anfang des Jahres spüren wir Spieler, wie die Stadt mit dem Verein auf der Erfolgswelle schwimmt. Das tut gut. Dass wir jetzt Champions League spielen, ist der Verdienst der ganzen Stadt. Ich hoffe, dass es nicht nur für die Spieler ein einzigartiges Erlebnis wird, sondern auch das Publikum ein grosses Fest hat. Wir brauchen den 12. Mann im Stadion.

Video: YB 2018 ist besser als YB 2015

Sie spielen gegen David de Gea, einen der besten Torhüter der Welt. Eine spezielle Herausforderung?

Als Stürmer ist es mein Job, Tore zu schiessen. Vielleicht taucht aber auch plötzlich Steve von Bergen vor David de Gea auf. Dann muss er das Tor machen und ich hoffe, dass ihm das gelingt.

Was machen Sie vor dem Spiel, um auf den Punkt eine Top-Leistung abzurufen?

Ich dehne mich, musiziere und schlafe viel. Vor Matches schlafe ich immer sehr gut.

Auch jetzt?

Die grosse Nervosität kommt erst am Spieltag. Natürlich bin auch ich in diesen Tagen aufgeregter als sonst. Ich denke nach und träume öfter. Also schlafe ich vielleicht weniger, aber immer noch gut.

Was träumen Sie? Tauchen Sie da vor dem gegnerischen Tor auf und schiessen den Siegtreffer?

Nein, ich bin kein Kind mehr. Ich träume einfach, dass wir gewinnen.

Sie waren als Kind Manchester-United-Fan. Können Sie es deswegen verschmerzen, dass Ihnen die Auslosung keine Rückkehr nach Paris beschert hat?

Klar wollte ich unbedingt nach Paris. Jetzt geht es nach Manchester, Turin und Valencia. Das ist auch super. Ich bin zufrieden mit der Auslosung. Im Vergleich mit anderen Gruppen ist unsere wohl etwas schwieriger. Aber es wäre so oder so schwer geworden.

Wie viele Punkte holt YB in dieser Gruppe?

Ich bin kein Wahrsager. Wir versuchen, die beste Leistung herauszukitzeln und dem YB-Trikot die Ehre zu erweisen. Wir haben sechs Finals. Vor allem zu Hause in Bern wollen wir es den Favoriten so schwer wie möglich machen. Das Stade de Suisse muss unsere uneinnehmbare Festung sein. Ich glaube, dass wir so ein, zwei Spiele gewinnen können.

Und wenn YB dann am Ende doch als Letzter ausscheidet?

Von zehn Leuten, glauben neun, dass wir Vierter werden. Wir sind die Einzigen, die an uns glauben. Unsere Gegner sind auch nur Menschen, die Fussball spielen.

Wie können Sie mit Ihrer Erfahrung dem jungen Team helfen?

In diesen Tagen ist noch keiner zu mir gekommen und hat um Rat gebeten. Reden bringt sowieso nicht viel. Wir müssen auf dem Platz gut sein.

Musik ist Ihre zweite Leidenschaft. Was halten Sie von der Champions-League-Hymne?

Ein schönes Lied mit einer grossartigen Geschichte. Die Mehrsprachigkeit gefällt mir.

Wie wäre es mit einem Remix Hoarau-Style?

(lacht) Nein, Nein, auf keinen Fall. Diese Hymne ist wie Songs von Bob Marley. Solche Lieder sollte niemand verändern.

Im Sommer 2014 wechselte Guillaume Hoarau zu YB. (Bild: Keystone)

Im Sommer 2014 wechselte Guillaume Hoarau zu YB. (Bild: Keystone)

Wie war es in den letzten Jahren die Champions League am TV zu verfolgen?

Ich bin oft in Paris. Da habe ich viele Spiele von PSG geschaut.

Im Stadion?

Nein. Bei Freunden zu Hause. Es ist aber nicht so, dass meine Dienstag- und Mittwochabende für die Champions League reserviert waren. Ich schaue nur Fussball im Fernsehen, wenn nichts Besseres kommt.

Haben Sie die Basler Exploits in der vergangenen Saison gesehen?

Nur die Highlights.

Schauen Sie sich da etwas ab? Basel hat es mehrmals geschafft, gegen grosse Namen zu gewinnen. Zuletzt gegen Manchester City und Manchester United.

Basel und YB sind zwei völlig unterschiedliche Mannschaften. Das kann man nicht vergleichen. Basel hat viel mehr Erfahrung. Aber wir wollen es ihnen nachmachen und eigene Sternstunden erleben. Wir machen das aber auf YB-Art.

Die da wäre?

Mit Entschlossenheit, Nervenstärke und grossem Einsatzwillen zu Werke gehen. Offensiv haben wir ein enormes Potenzial. Wenn wir noch ein wenig besser spielen, als sonst, können wir den Exploit schaffen.

Den ersten Exploit, die erstmalige Qualifikation für die Champions League, hat YB auch wegen Ihrer zwei Tore gegen Zagreb geschafft. Was spielte sich in Ihrem Kopf vor dem Penalty ab?

Das war nur ein weiterer Penalty. Klar, der Druck war etwas höher, weil es ein entscheidender Penalty war. Da können sich viele Dinge im Kopf abspielen. Aber ich habe lediglich gut geatmet und mich auf die Ausführung konzentriert. Das dauert ein oder maximal zwei Sekunden. Dann schiesse ich einfach.

Wissen Sie vorher, wo Sie hinschiessen?

Manchmal Ja, manchmal nein.

Wovon hängt das ab?

Das ist so ein Gefühl, das ich kurz vor dem Elfmeter habe. Davon lasse ich mich leiten.

Waren die beiden Treffer gegen Zagreb die wichtigsten Ihrer Karriere?

Das würde ich nicht sagen. Für Stürmer ist jedes Tor wichtig. Es gibt einfach welche, die entscheidender und etwas mehr wert sind als andere.

In diesem Fall Millionen mehr.

Ja. Es ist lustig, dass wir darüber sprechen. Ich muss gestehen: Ich vergesse Tore sehr schnell. Für mich sind die Tore in der Zukunft, die ich noch nicht geschossen habe, die wichtigsten.

Sie haben wirklich die beiden Tore gegen Zagreb schon vergessen?

Ok, Nein. Diese Tore waren so speziell, dass ich mich noch daran erinnere. Aber an viele andere nicht. Ich habe wirklich kein gutes Gedächtnis. Ich weiss auch nicht, wie viele Tore ich überhaupt geschossen habe.

In Bern waren es in 136 Spielen 91 Tore. Jetzt sind Sie eine Ikone der Young Boys, ein Teil der Mannschaft, die Historisches erreicht hat. Wie fühlt sich das an?

Ich sehe mich nicht als Held. Ich kann ganz normal durch die Strassen laufen, ohne dass ich von Fans umzingelt werde. Wir sind schliesslich in Bern und nicht in Paris. Das Schöne an der Schweizer Mentalität ist, dass man sich hier einfach auf den Fussball konzentrieren kann.

Trotzdem sind Sie das Gesicht des Berner Aufschwungs.

Ich bin einfach ein Mensch, der die Dinge immer noch besser machen will. Die positive Entwicklung der Young Boys hat schon begonnen, bevor ich 2014 nach Bern kam. Jetzt bin ich einfach erleichtert, dass wir mit der Meisterschaft und der Champions League etwas Grosses erreicht haben. Für die Stadt, für die ganze Schweiz ist es gut, was die Young Boys erreicht haben. Wenn meine Tore helfen, dass die Generationen nach mir ebenfalls erfolgreich sind, umso besser.

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