Analyse
YB in die Champions League? Nie standen die Chancen besser

Eine Analyse zur Situation bei den Berner Young Boys vor den Champions-League-Playoffs gegen ZSKA Moskau.

Markus Brütsch
Markus Brütsch
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Noch eine Hürde steht den Young Boys auf dem Weg in die Champions League im Weg: ZSKA Moskau.

Noch eine Hürde steht den Young Boys auf dem Weg in die Champions League im Weg: ZSKA Moskau.

Keystone

Mit einer spielerisch wie kämpferisch beeindruckenden Leistung hat sich YB gegen Dynamo Kiew für die Playoffs zur Champions League qualifiziert. Und beim 2:0 zu Hause die ungenügende Vorstellung im Hinspiel vergessen gemacht.

Aber: Ein gutes Spiel allein wird im Duell mit ZSKA Moskau nicht mehr reichen, wollen sich die Berner den Traum erfüllen, nach GC, Basel, Thun und dem FCZ als fünfter Schweizer Verein die Gruppenphase der Königsklasse zu bestreiten. YB benötigt zwei Topspiele.

Es ist der bereits fünfte Versuch von Gelbschwarz, in den wichtigsten europäischen Klubwettbewerb einzuziehen. Weil die Reform der Champions League es den Schweizer Klubs ab der Saison 2018/19 noch schwieriger macht, beim Konzert der Grossen dabei zu sein, ist es umso bedeutsamer für YB und den Schweizer Fussball, die Gunst der Stunde zu nutzen. Statt, ohne Aussichten auf Erfolg, gegen Liverpool oder Sevilla antreten zu müssen, liegt der Armeeverein aus Moskau in Reichweite.

In der Favoritenrolle aber sind die Young Boys gewiss nicht. ZSKA war zuletzt viermal in Folge Gast in der Champions League, siebenmal in den letzten zehn Jahren. Seine Spieler steigen mit der Erfahrung von 406 Partien in diesem Wettbewerb in den Vergleich mit YB, bei dem lediglich Sulejmani (16), Hoarau (2) und Benito (1) schon auf dieser Ebene aufgelaufen sind. YB wird gegen die Russen magische Nächte brauchen, um zu reüssieren. Wie einst Basel gegen Celtic und Thun gegen Malmö.

Der mögliche Abgang von Ravet kommt zur Unzeit

Die Gunst der Stunde bedeutet auch, dass YB sich in einer bedeutend komfortableren Situation befindet, als früher. Trainer Adi Hütter stehen, man höre und staune, sämtliche Titulare zur Verfügung. Zudem hat die Mannschaft in dieser Saison gegen Basel und Kiew bewiesen, wozu sie fähig ist. Hütter ist klar der Meinung, dass sein Team in seiner Entwicklung weiter sei, als vor einem Jahr. Stabiler und selbstbewusster − trotz des 0:4 gegen Thun. Da ist es besonders schade, dass ausgerechnet jetzt der beste Passgeber vor dem Absprung in die Bundesliga steht. Zwar figuriert Yoric Ravet heute im YB-Kader, doch ob ihn Hütter mental für stark genug hält, muss sich erst noch zeigen.

Es könnte dem Österreicher im Umgang mit dem Fall «Ravet« indes helfen, dass er in Salzburg schon einmal Ähnliches erlebt hat, als Starstürmer Mané (heute Liverpool) einen Wechsel erzwingen wollte und nicht zum entscheidenden Spiel nach Malmö mitreiste. Wir erinnern uns auch noch an den Eklat beim FC Basel vor zwölf Jahren, als Stürmer Gimenez zwar mit nach Bremen flog, sich dann aber weigerte zu spielen, weil er zu Marseille wechseln wollte. Salzburg wie der FCB verloren nach den Eskapaden dieser Spieler jeweils 0:3 und schieden aus.

Vielleicht schafft es Hütter, dass die Mannschaft nun noch näher zusammenrückt und den Coup schafft, an die europäischen Fleischtöpfe zu kommen – rund 20 Millionen Franken wären ein Segen für die Berner. Die Schere zwischen ihnen und Basel ginge, zumindest für den Moment, nicht noch weiter auseinander. Vor allem aber stünden endlich auch die YB-Spieler mal im grossen Schaufenster, was den einen oder anderen lukrativen Transfer bedeuten könnte. Für YB und den Traum der Champions League gilt: jetzt oder nie.

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