Xherdan Shaqiri: Das Schweizer Schnäppchen lässt Liverpool vom langersehnten Meistertitel träumen

Xherdan Shaqiri gehört in Liverpools Weltklasseteam nach einer halben Saison bereits zu den Leistungsträgern. Die Wenigsten hätten ihm dies zugetraut. Mit den Nordwestengländern will er erstmals seit 1990 die Premier League gewinnen.

Pascal Koster
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Xherdan Shaqiri feiert mit Roberto Firmino seinen Siegtreffer gegen den Manchester United. Bild: Peter Powell/EPA

Xherdan Shaqiri feiert mit Roberto Firmino seinen Siegtreffer gegen den Manchester United. Bild: Peter Powell/EPA

Es läuft die 70. Minute im Spiel zwischen Liverpool und Manchester United, als Jürgen Klopp seinen Joker Xherdan Shaqiri auf den Rasen des altehrwürdigen Anfield Stadiums schickt.

Der Schweizer Internationale benötigt keine zehn Minuten, um die Begegnung der beiden Erzrivalen mit einem Doppelpack zum 3:1 zu entscheiden (siehe Video unten). Liverpool steht Kopf. Dank des Sieges ist Klopps Team wieder Leader der Premier League. Die Stadt träumt vom ersten Meistertitel seit 28 Jahren.

"Shaqiri ist alles, was wir brauchen."

Nach der Partie ist das mediale Echo auf der Insel enorm. Shaqiri wird hochgelobt. Die grossen Zeitungen sind sich einig: Er ist der Matchwinner. Die Liverpool-Supporter honorieren den Auftritt des Baselbieters auf ihre eigene Art.

Vor dem Schlusspfiff stimmen sie kurzerhand einen Shaqiri-Song an: «Ihr habt Pogba und Lukaku (Manchester Uniteds Rekordtransfers Paul Pogba und Romelu Lukaku, Anm. d. Red.) für 170 Millionen Pfund, aber alles, was wir brauchen, ist Shaqiri für 13 Millionen Pfund (…).»

Vom Absteiger zum Meisterkandidaten

Der 27-Jährige wird seit seinem Transfer zu Liverpool oft als Schnäppchen bezeichnet. Nachdem Shaqiri im Sommer mit Stoke aus der Premier League abgestiegen ist, hat sich seine Ablöse wegen einer Vertragsklausel markant verringert. Trotz einer guten Abschiedssaison mit Stoke blieb das Interesse der meisten englischen Topclubs im Sommer aus – Liverpool war eine Ausnahme. Klopp erklärte anfangs Saison:

«Hier in England gilt: Kost nix, kann nix. Shaqiri kostete um die 13 Millionen und da fragen sich die Engländer: Was wollen wir mit dem?»

Dass der 80-fache Schweizer Nationalspieler sehr wohl etwas kann, deutete er bereits in den ersten Kurzauftritten an. Die Anhänger waren verzückt – spätestens als Shaqiri bei seiner Startelfpremiere gegen Southampton gleich zwei Tore vorbereitete.

Liverpools Virgil van Dijk, bis heute der teuerste Verteidiger des Planeten, sagte über ihn:

«Er spielt fantastisch. Seit seinem Début für uns ist er gut drauf. Er gibt unserem Spiel eine zusätzliche Dimension.»

Shaqiri traf in 626 Premier-League-Minuten bereits fünfmal. Eine sehr gute Quote, wenn man bedenkt, dass er im Vergleich zur Nationalmannschaft eine Linie weiter hinten agiert. Unter Vladimir Petkovic spielt Shaqiri meist im offensiven Mittelfeld, in Klopps bevorzugter Formation existiert diese Position gar nicht.

Der Deutsche vertraut auf ein System mit drei zentralen Mittelfeldspielern und dem unbestrittenen Offensiv-Dreizack um Sadio Mané, Roberto Firmino und dem ehemaligen FC-Basel-Spieler Mohamed Salah.

In Liverpools Zentrale herrscht deshalb ein immenser Konkurrenzkampf. Adam Lallana, James Milner, Jordan Henderson, Georginio Wijnaldum, Naby Keïta, Fabinho und eben Shaqiri müssen die drei freien Mittelfeldplätze unter sich aufteilen. So kommt dem gebürtigen Kosovaren oftmals die Rolle des Jokers zu, die er jedoch ausserordentlich gut ausfüllt. Wettbewerbsübergreifend war Shaqiri in dieser Saison schon an elf Toren beteiligt.

Trotz Hochform auf der Bank

Trifft Liverpool auf spielerisch unterlegene Mannschaften, ist Shaqiri dank seiner offensiven Qualitäten erste Wahl. In Begegnungen mit absoluten Spitzenteams kommt ihm sein Angriffsdrang allerdings nicht zu Gute. Da Spieler wie Henderson, Milner und Fabinho defensiv um einiges stärker einzustufen sind, steht Shaqiri in solchen Affichen nur selten in der Startaufstellung.

Dass er nicht in jeder Partie die erste Geige spielt, akzeptiert Shaqiri widerspruchslos. Er kommt sehr gut mit Klopp aus. Der ehemalige Dortmund-Coach versteht es, sein breites Kader bei Laune zu halten. Shaqiri ist jedenfalls zufrieden mit seiner Rolle. «Ich bin sehr glücklich hier», sagt er.

Am Freitag um 21 Uhr gastiert sein Liverpool in Wolverhampton. Gut möglich, dass er gegen den Aufsteiger wieder von Beginn weg zum Einsatz kommt.