WM-QUALIFIKATION: Nervenkrimi in Südamerika

Argentinien schafft es doch noch. Die Mannschaft ist nächstes Jahr an der WM in Russland dabei. Dank dreier Treffer von Lionel Messi auf fast 3000 Metern in Ecuador.

Pascal Koster
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Lionel Messi feiert mit seinen Teamkameraden die Qualifikation für die WM. (Bild: Jose Jacombe/EPA)

Lionel Messi feiert mit seinen Teamkameraden die Qualifikation für die WM. (Bild: Jose Jacombe/EPA)

Pascal Koster

Seit 1970 haben die argentinischen Fussballer keine WM mehr verpasst. 47 Jahre später war es beinahe wieder so weit. Nur mit einem Sieg beim bereits ausgeschiedenen Ecuador war die Schmach abzuwenden. Eine schwierige Aufgabe – zumal Ecuador die Heimspiele im 2850 Meter über Meer gelegenen Quito austrägt. Die Luft war für den WM-Zweiten von 2014 darum buchstäblich dünn. Die Situation spitzte sich zusätzlich zu, als Ecuador schon nach 37 Sekunden dank Romario Ibarra 1:0 führte.

Argentiniens Nationalcoach Jorge Sampaoli – er ist bereits der dritte Trainer innert zweier Jahre – hatte vor der Partie noch gesagt: «Der überwältigende Wunsch, sich für die WM-Endrunde zu qualifizieren, ist das grösste Problem des Teams.» Nach dem Spiel hatten seine Worte kein Gewicht mehr. Denn für einmal lähmte dieser «überwältigende Wunsch» die Spieler nicht, sondern stachelte sie zu Höchstleistungen an – vor allem einen: Lionel Messi.

Der fünffache Weltfussballer und Captain der Argentinier erzielte alle drei Tore zum 3:1-Sieg und brachte seine Mannschaft fast im Alleingang an die WM. Der 30-Jährige hatte dabei natürlich im Hinterkopf, dass das Turnier 2018 in Russland möglicherweise seine letzte Chance ist, mit Argentinien Weltmeister zu werden. Ein Titel, der ihm in seinem Palmarès fehlt. Viele vermuteten sogar, dass Messi beim Verpassen der WM aus der Nationalmannschaft zurückgetreten wäre.

Copa-América-Sieger am Boden zerstört

Im Nachbarland Argentiniens herrschte nach dem gestrigen letzten Spieltag eine ganz andere Stimmung. Der Copa-América-Titelhalter Chile verpasste nach einem blutleeren Auftritt in Brasilien die WM. In São Paulo hätten die Chilenen punkten müssen, um sich aus eigener Kraft für Russland zu qualifizieren. Im Verlaufe des Abends wurde auf den anderen Plätzen teilweise gar für sie gespielt, weshalb eine 0:1-Niederlage mindestens zum Barrage-Spiel berechtigt hätte. Es kam jedoch ganz anders. Chile ging gegen die entschlossenen Brasilianer mit 0:3 unter und verpasste das Playoff.

Mit dem Sieg leisteten die bereits seit langem als WM-Teilnehmer feststehenden Brasilianer zwei anderen Teams Schützenhilfe. Peru und Kolumbien begegneten sich direkt. Die WM-Qualifikation hing für beide Teams von den Ergebnissen auf den anderen Plätzen ab. Da Chile gegen Brasilien nach einer Stunde 0:2 hinten lag, war Kolumbien mit grosser Wahrscheinlichkeit durch, zumal es in Lima 1:0 führte. Die Peruaner dagegen verloren bis zur 76. Minute das Barrage-Ticket an Chile, ehe Paolo Guerrero per Freistoss zum 1:1 traf. Da Kolumbien mit diesem Resultat direkt qualifiziert war und das Überraschungsteam Peru die Barrage gegen Neuseeland bestreiten durfte, einigten sich die beiden Teams gewissermassen auf das Unentschieden.

Dies war allerdings nur möglich, weil der Tabellenletzte Venezuela in Asunción gegen Paraguay gewann. Mit einem Heimsieg wären die Paraguayer an Kolumbien und Peru vorbeigezogen und an die WM gefahren. Im Gegensatz zu Paraguay liess Uruguay in seinem Heimspiel gegen Bolivien nichts mehr anbrennen. Die Uruguayer siegten 4:2 und wurden Tabellenzweiter.

Eigener Protest wird Chile zum Verhängnis

Das Verpassen der WM hatte im Fall von Chile nicht nur sportliche Gründe. Die Chilenen handelten sich den einen Punkt Rückstand auf Peru am grünen Tisch ein. In einer Partie gegen Bolivien spielte Chile 0:0. Da Bolivien jedoch einen nicht spielberechtigten Akteur auflaufen liess, legte Chile beim Internationalen Sportsgerichtshof (CAS) Protest ein. Chile erhielt recht und gewann damit die besagte Partie Forfait. So kamen zwei Zähler mehr auf das Konto. Auch gegen Peru, das Bolivien 0:2 unterlag, setzten die Bolivianer den umstrittenen Spieler ein. Die Peruaner vernahmen erst nach der Partie vom Protest der Chilenen, gelangten ebenfalls an den CAS und kamen auch zu einem Forfaitsieg. Peru gewann damit drei statt nur zwei Zähler dazu. Schliesslich entschied genau dieser eine Punkt über die Playoff-Teilnahme.