WM-QUALIFIKATION: In der Warteschlaufe

Michael Lang ist eigentlich zu gut, um im Schweizer Fussball-Nationalteam Ersatz zu sein – wie geht der Thurgauer damit um?

Etienne Wuillemin, Lausanne
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Michael Lang und Nationalcoach Vladimir Petkovic. Dem Thurgauer Spieler steht Captain Stephan Lichtsteiner im Weg. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Lausanne, 21. März 2017))

Michael Lang und Nationalcoach Vladimir Petkovic. Dem Thurgauer Spieler steht Captain Stephan Lichtsteiner im Weg. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Lausanne, 21. März 2017))

Etienne Wuillemin, Lausanne

Normalerweise sind alle Augen auf ihn gerichtet. In Basel. Auf der rechten Seite. Wenn er die Linie rauf- und runterrennt. Wenn er als Verteidiger trotzdem mehr als Stürmer wahrgenommen wird. Weil er immer wieder Tore schiesst. Weil er entscheidende Flanken schlägt. Weil er eigentlich längst viel zu gut ist für die Super League. Michael Lang ist Rechtsverteidiger. Und das ist ein Problem. Zumindest in der Nationalmannschaft. Denn kaum rückt Lang ein, weiss er auch, dass er ins zweite Glied rückt. Weil Stephan Lichtsteiner ebenfalls Rechtsverteidiger ist. Captain überdies. Langjähriger Stammspieler und Titelsammler bei Juventus Turin.

Es ist fast schon bizarr. In Tagen, in denen sich die Fussball-Schweiz fragt, wie sehr die Verletzungs- und Ersatzproblematik die Leistung am Samstag im WM-Qualifikationsspiel gegen Lettland beeinträchtigen möge, gibt es gleichzeitig drei Rechtsverteidiger, die so ziemlich in Topform eingerückt sind. Neben Lichtsteiner und Lang auch noch Silvan Widmer.

Das Début gegen Brasilien

Wie geht Michael Lang mit dieser Situation um? Erst einmal sagt er: «Es ist ziemlich einfach, die Rolle als Ersatz zu akzeptieren, wenn jener Spieler vor dir steht, der meiner Meinung nach die beste Karriere unseres ganzen Teams gemacht hat.» Nun könnte man diese Haltung als etwas gar devot betrachten. Und sich fragen, ob die innere Welt tatsächlich auch so aussieht. Aber wer Lang am Tisch sitzen sieht und ihm zuhört, mit welchem Feuer in den Augen er von der Nationalmannschaft erzählt, gelangt ziemlich schnell zur Überzeugung, dass er wirklich so tickt.

Um dies zu erklären, reicht Michael Lang ein Satz. Deutsch und deutlich. «Es gibt viele ­Spieler, die sind ungeduldig. Die wollen so schnell wie möglich spielen. Beginnen plötzlich zu sticheln gegen den Konkurrenten. Aber das bringt doch nichts! Weil man dann häufig im entscheidenden Moment eben doch nicht ­bereit ist.» Er meint das nicht explizit auf dieses Schweizer Team ­bezogen. Sondern allgemein im Fussball. Lang sieht jedes Aufgebot ins Team als Auszeichnung. Und wenn es ihn brauchte, hat er das Vertrauen bis anhin immer mit Leistung zurückbezahlt.

«Ich spüre auch im Nationalteam stets, dass ich wichtig bin. Sonst würde mich der Trainer in EM-Spielen gegen Rumänien oder Frankreich in umstrittenen, wichtigen Spielen kaum einwechseln», sagt der Egnacher.

Langs Karriere im rot-weissen Trikot begann mit einem Teileinsatz gegen Brasilien. Sein erstes Spiel über die volle Distanz war im WM-Qualifikationsspiel in Albanien – in jener Partie, in der die Schweizer die Qualifikation für Brasilien schafften. Lang erzielte das entscheidende Tor. Dieses Erlebnis zu richtig zu fassen fällt ihm heute noch schwer.

Genügend Ziele mit Basel

26 Jahre alt ist Michael Lang mittlerweile. Beinahe 20 000 Super-League-Minuten hat er absolviert. «Man darf behaupten, ich habe mich durchgesetzt», sagt der Thurgauer mit einem Lächeln. Und versteht die Debatten darüber, ob nun der richtige Zeitpunkt für einen Auslandtransfer gekommen sei. «Wenn ich gehe, dann zu einem Verein, bei dem ich von der ersten Sekunde an denke: ‹Wow!›», sagt er, «ohne noch gross zu verhandeln oder dass ich noch eine Stadionbesichtigung benötigen würde, um mich zu überzeugen.» Noch gibt es jedenfalls genügend Ziele, die Lang in Basel reizen. Titel gewinnen. Die Auftritte in der Champions League.