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WM-QUALIFIKATION: Fortuna lacht mit der Schweiz

Mit Ach und Krach, K(r)ampf und Leidenschaft hat es die Schweiz geschafft: Sie ist als eines von 32 Ländern nächstes Jahr in Russland WM-Teilnehmer. Das ist auf dem konkurrenzstärksten Fussballkontinent der Welt beileibe keine Selbstverständlichkeit – selbst wenn das keiner wahrhaben will.
Christian Brägger
Die Schweizer Nationalmannschaft feiert in Basel die WM-Qualifikation. (Bild: Keystone)

Die Schweizer Nationalmannschaft feiert in Basel die WM-Qualifikation. (Bild: Keystone)

Zwar ist die Teilnahme an Grossanlässen für die Schweiz zur Gewohnheit geworden, sie hat seit 2004 lediglich die EM in Polen und der Ukraine verpasst. Doch jeder weiss: Im aktuellen Erfolg relativiert sich der Erfolg, den man sich einmal erarbeitet hat. Irgendwann sind Teilnahmen nicht mehr nur gut genug, irgendwann will man mehr als das Motto «Dabei sein kommt vor dem Rang». Ansprüche wachsen intern wie extern; es wäre umso fataler gewesen, hätten ausgerechnet die Nordiren diese Beinahe-Endlosschlaufe des Verwöhnprogramms ausgeknipst.

Natürlich, Fussball ist Fussball, eine WM immer ein Genuss. Aber eine ohne die Schweiz? Gut möglich, dass hierzulande die Fussball-Aficionados die Veranstaltung im Putin-Land als vernachlässigbar eingestuft und sich anderweitig verdingt hätten. Von früher weiss man ja, wie weit her es mit dem WM-Fieber sein kann, wenn das eigene Land fehlt. Nach den 180 Minuten muss man sich zudem eingestehen: Genau dies hätte in den zwei Alles-oder-nichts-Partien passieren können. Da hilft es, wenn, wie der Schweiz, das Glück wohlgesinnt ist. In der Nachspielzeit, als Ricardo Rodriguez auf der Linie klärt. Im Hinspiel, als den Schweizern ein Penalty geschenkt wird, der aus dem Nichts kommt und entscheidend ist. Vermutlich bleibt auch deswegen der schale Beigeschmack, vielleicht schwingt darin gar ein wenig Ernüchterung mit. Die Euphorie wird später kommen.

Die Schweizer haben in der WM-Qualifikation immer wieder zu gefallen gewusst, daheim gegen Portugal oder auch in den undankbaren Aufgaben gegen Andorra oder Lettland, in denen sie haushoher Favorit war. Aber im letzten Abschnitt ihres Parcours sind ihr ein paar Dinge nicht mehr so leichtgefallen, in Portugal gar enttäuschte sie. So sehr, dass man sie und ihre mentale Qualität zu hinterfragen begann. Wieder einmal sah man einen grossen Schaden auf sie zukommen. Die beiden Barrage-Spiele haben nun vor Augen geführt, dass die Schweiz mental auf der Höhe ist, wenn sie der Favorit ist. Dass sie leidensfähig ist und Widerstandskraft besitzt. Dass sie für ausserordentliche Situationen parat sein kann, selbst wenn es unliebsame Zusatzaufgaben sind. Dass man ihr spielerisch weiterhin etwas zutrauen darf, auch an der WM. Dass mit Vladimir Petkovic ein Trainer am Werk ist, der das grosse

Bild mitträgt, der das Konzept weiterspinnt. Dass die Mannschaft talentiert ist und nun zum Glück nicht bis Herbst 2018 in der Anonymität verschwindet.

Aber etwas haben die Partien gegen die Nordiren, die von den Schweizern mehrheitlich dominiert wurden, ebenfalls aufs Neue verdeutlicht. Einen Knipser, der genau solche engen Spiele entscheidet, hat sie nicht. Ihr fehlt der Stürmer von Format. Gerade deshalb muss Petkovics Mannschaft stets einen grossen Aufwand betreiben, um zum Erfolg zu kommen. Haris Seferovic entspräche eigentlich dieser Rolle, doch sein Leid ist bekannt. Für den Stürmer spricht, dass er zu vielen Chancen kommt. Nicht sein Scheitern vor dem Tor, sondern die Pfiffe, die ihn danach begleiteten, verdeutlichen zudem: Es bleibt noch immer eine fragile Liebe zwischen der Schweizer Nationalmannschaft und ihrem Publikum.

Die Schweiz hat sich die Teilnahme an der WM letztlich verdient. Trotz allem hat dieses verheissungsvolle Team immer noch nicht bewiesen, ob es tatsächlich ein Schwergewicht besiegen kann. An einem Grossanlass, oder in einer Qualifikation. Vielleicht bietet sich die Möglichkeit im nächsten russischen Sommer.

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