WM mit Zwangspause

Der Eschliker Orientierungsläufer Daniel Hubmann blickt den Titelkämpfen in Frankreich voller Zuversicht entgegen. Dabei muss er bei den Nominationen einen Dämpfer hinnehmen.

Jörg Greb
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Orientierungslauf. Keine Nation leistet sich an der WM von kommender Woche in Aix-les-Bains den Luxus, einen Doppel-Europameister und WM-Zweiten aus dem Vorjahr in keinem Einzellauf in den Wald zu schicken – obwohl er fit ist. Die Schweiz tut's. Fabian Hertner trifft's. Der 26jährige Baselbieter, der in Winterthur wohnt, hatte ganz schlechte Tage erwischt bei den internen Qualifikationsläufen. Einzig für die Staffel konnte er sich empfehlen. Wenigstens in diesem Wettbewerb wird er eingesetzt – am Schlusstag, am Samstag in acht Tagen.

Ähnliches hätte auch Daniel Hubmann widerfahren können, dem mehrfachen Weltmeister und Weltcup-Gesamtsieger. Dazu kam es nicht. Doch auch Hubmann musste über seinen Schatten springen. Er, der es gewohnt war, an einer WM in allen drei Einzelentscheidungen um die Medaillen mitzukämpfen; er, der es seit 2004 immer zumindest in einer Disziplin aufs Podest geschafft hat und mittlerweile zwölf WM-Medaillen sein eigen nennt, wurde gestoppt. Nicht leistungsmässig, sondern von der Teamleitung.

Kräfte werden gebündelt

In Anbetracht der einzigartigen Leistungsdichte in der Schweizer Equipe und des erstklassigen Levels aller sieben aufgebotenen Männer orderte Leistungssportchef Matthias Niggli und Männer-Nationaltrainer Pascal Vieser an, die Kräfte zu bündeln.

Für Hubmann heisst dies konkret: Er läuft am Dienstag den Sprint, am Mittwoch die Langdistanz und am Samstag die Staffel. Zuschauen muss er bei der Entscheidung über die Mitteldistanz am Freitag. Das behagte ihm vorerst überhaupt nicht. «Ich habe in der Vergangenheit bewiesen, dass ich in jedem Final um die Medaillen mitlaufen kann», sagte der Thurgauer und liess in seine Gefühlswelt einblicken: «An diesem Entscheid hatte ich wochenlang zu beissen.» Mittlerweile aber sieht er die Situation differenziert: «Ich will den zusätzlichen Ruhetag für die Staffel nutzen.» Frischer, fokussierter, motivierter will er als Schlussläufer der Schweizer alles tun – für Gold.

Verletzung mit Nachhall

Dass Hubmann wieder höchste Ziele formuliert, hat sich lange nicht abgezeichnet. Vergangene Saison spielte die Achillessehne nicht mit. An der WM in Trondheim lief der Eschliker mit schmerzstillenden Spritzen. Eine Einzel- und die Staffel-Bronzemedaille waren die enttäuschende Ausbeute. Mitte Oktober liess er sich die sogenannte Haglundferse operieren. Die Rückkehr war beschwerlicher als angenommen.

Hubmann bediente sich alternativer Trainingsmethoden wie Aqua-Jogging oder Biken. «Mein Saisonaufbau war deutlich weniger OL-spezifisch», sagt er. Was ihn anfänglich verunsicherte, hat er nun aber zu einem Faktor zur Stärkung umdeuten können: «Ich bin auch mit suboptimaler Vorbereitung dort, wo ich sein möchte.» Diese Erkenntnis vermittelt Lockerheit. Hubmann schätzt seine Verfassung ähnlich gut ein wie in seinen starken Jahren 2008 und 2009, als er zur Weltnummer eins der Sparte avancierte.

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