WM: Die Schweizer können Drama

Nach der Niederlage gegen Finnland (2:3 n. V.) sind die Viertelfinals ziemlich sicher. Nicht nur das Resultat gegen Finnland ist akkurat umgekehrt wie am Vortag gegen Kanada (3:2 n. V.). Auch der Spielverlauf war es.

Klaus Zaugg, Paris
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Valtteri Filppula im Zweikampf gegen den Schweizer Tanner Richard. Der Finne erzielte in der Verlängerung den Siegtreffer und sicherte seinem Team zwei Punkte. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus)

Valtteri Filppula im Zweikampf gegen den Schweizer Tanner Richard. Der Finne erzielte in der Verlängerung den Siegtreffer und sicherte seinem Team zwei Punkte. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus)

Klaus Zaugg, Paris

Die Schweizer führten 2:0. Die Finnen wechselten den Torhüter und dominierten immer stärker. Trotzdem wäre es möglich gewesen, die Partie bei zahlreichen schnellen Gegenstössen zu entscheiden. Unter anderem verpasste Vincent Praplan das 3:1. «Diese vergebene Chance muss mich ärgern. Der Puck hätte drin sein müssen. Aber immerhin bin ich zu Chancen gekommen.» Letztlich ging das Spiel im Powerplay verloren. Kein Tor in Überzahl erzielt, aber zwei kassiert.

Die Dramatik könnte wahrlich grösser nicht sein. Im ersten Spiel gegen Absteiger Slowenien brachten die Schweizer eine 4:0-Führung nicht über die Zeit (5:4 n. P.). Aber mit Punktgewinnen gegen die beiden Vorjahresfinalisten Kanada und Finnland haben sie sich praktisch ins Viertelfinale gespielt. Wenn Kanada heute gegen Norwegen gewinnt, sind wir sogar «kampflos» erstmals seit 2015 wieder unter den ersten Acht.

Dramatische Entwicklungen im Team

Es gibt auch dramatische Entwicklungen innerhalb der Mannschaft. In den beiden Partien gegen Kanada und Finnland haben wir in zwei Tagen Aufstieg und Fall von zwei ehemaligen Zugern erlebt. Fabrice Herzog und Damien Brunner haben die Rollen getauscht. Herzog ist vom überzähligen Stürmer zum offensiven Leitwolf aufgestiegen, Brunner musste die Degradierung zum Hinterbänkler hinnehmen. Gestern sass er während des Spiels gegen Finnland erstmals im Rahmen einer WM auf der Tribüne. Die erste Partie gegen Slowenien hatte er mit dem einzigen verwerteten Penalty entschieden. Da spielte er noch die erste Geige mit 27 Einsätzen und mehr als einer Viertelstunde Eiszeit (15:34). Herzog war ein Hinterbänkler mit sechs Einsätzen (4:44).

Was ist da passiert? Herzog hat schon mehr von der Hockeywelt gesehen als ein Durchschnittsspieler während einer Karriere. Aus der Ostschweiz heraus über Zug, Quebec City, Toronto und Zürich nach Paris. Noch läuft sein Vertrag mit den ZSC Lions bis 2019. Doch die Chancen, dass sein NHL-Traum in Erfüllung gehen wird, sind im Quadrat gestiegen. Zwei Tore gegen Kanada, das 1:0 gegen Finnland. Es gibt keine bessere Eigenwerbung als Treffer gegen eine kanadische NHL-Auswahl. Selbst René Fasel, als IIHF-Vorsitzender der Neutralität verpflichtet, war begeistert: «Unglaublich, wie er diese Tore gegen Kanada gemacht hat.»

Herzog auf dem Sprung in die NHL?

Bei den ZSC Lions spielte Herzog diese Saison keine zentrale Rolle. Wahrscheinlich hätte er bei jedem anderen NLA-Team mehr Eiszeit und Bedeutung. Aber in Zürich ist er näher an der NHL. Die ZSC Lions unterhalten eine Partnerschaft mit Toronto, dem Club, der die Rechte an Herzog hält. In Zürich ist jedoch der Konkurrenzkampf um die Plätze in der Offensive härter als bei jedem anderen NLA-Team. Herzogs Ruhm beginnt also erst zu steigen. Er sagte nach dem Spiel: «Die Finnen setzten uns im zweiten Drittel unter Druck. Wir konnten zu wenig dagegenhalten. Sie nutzten ihr Powerplay gut aus und hatten in der Overtime das Glück auf ihrer Seite. Im ersten Drittel starteten wir sehr gut. An das müssen wir in der Partie gegen Tschechien anknüpfen.»

Brunner ist hingegen in Lugano keinem echten internen Konkurrenzkampf ausgesetzt. Sein Abstieg zum Ersatzspieler von Paris steht im Gegensatz zur Schlüsselrolle, die er in Lugano immer noch innehat. Obwohl er nach seinem Wechsel aus der NHL in Lugano auch wegen Verletzungspech nicht jene tragende Rolle zu spielen vermag, die von ihm erwartet und für die er bezahlt wird. Er ist der bestbezahlte Schweizer Stürmer in der NLA.

In Paris hat der internationale Ruhm von Patrice Herzog begonnen. In Paris ist dieser Ruhm für Brunner verblasst. Er war einst unser Aushängeschild.

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