«Wir wollen ihm die Chance geben»

Der FC St. Gallen belegt in der Super League nach zehn Spielen den ungemütlichen letzten Rang. Trotzdem steht der Trainer nicht zur Diskussion. Präsident Michael Hüppi über Uli Forte, die Chance für den jungen Coach, sich zu bewähren, über Potenzial und Qualität des Teams.

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«Wir haben keinerlei Anzeichen ausgemacht, dass die Chemie zwischen Mannschaft und Trainer nicht mehr stimmt»: Michael Hüppi, Präsident des FC St. Gallen. (Bild: Urs Bucher)

«Wir haben keinerlei Anzeichen ausgemacht, dass die Chemie zwischen Mannschaft und Trainer nicht mehr stimmt»: Michael Hüppi, Präsident des FC St. Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Herr Hüppi, nach sieben Niederlagen in zehn Spielen wird branchenüblich der Trainer in Frage gestellt. Weshalb beim FC St. Gallen nicht?

Michael Hüppi: Es gibt drei Gründe. Erstens sind wir überzeugt, dass die Mannschaft über mehr Potenzial verfügt. Zweitens hat sie sich in den Heimspielen gegen die Young Boys und gegen Luzern, aber auch schon zuvor auswärts gegen Xamax, deutlich gesteigert. Es fehlt lediglich noch an der Torausbeute. Wir haben uns damals bewusst für einen jungen Trainer entschieden, der in St.

Gallen etwas aufbauen kann. Die finanzielle Lage macht uns nun einen Strich durch die Rechnung. Wir hätten gerne noch Investitionen getätigt und die Mannschaft weiter verstärkt. Drittens: Wir haben keinerlei Anzeichen ausgemacht, dass die Chemie zwischen Mannschaft und Trainer nicht mehr stimmt.

Uli Forte besitzt einen Vertrag bis 2012. Es ist dem FC St. Gallen in dieser schwierigen finanziellen Situation gar nicht möglich, sich von ihm zu trennen.

Hüppi: Das ist nicht ausschlaggebend. Wenn er die Mannschaft nicht mehr erreichen würde, müssten wir handeln. Ich sass heute morgen mit Uli Forte zusammen und wir führten ein gutes Gespräch. Ganz allgemein ist der Kontakt sehr intensiv. Uli Forte weiss ganz genau, wo die Schwachstellen sind.

Uli Forte ist mit 36 Jahren ein junger Trainer. Hat er in St. Gallen überhaupt die Zeit, Fehler zu begehen und weiter zu lernen?

Hüppi: Uli Forte befindet sich ebenfalls noch in der Ausbildung, so wie viele unserer Spieler auch. Zum erstenmal in seiner Karriere als Trainer ist er in einer schwierigen Situation. Wir werden da nicht gleich den Stab über ihn brechen. Wir wollen ihm die Chance geben, sich zu bewähren. Wir müssen nun halt kleinere Brötchen backen.

Uli Forte hat bis anhin gute Arbeit geleistet. Es ertönen keine Rufe gegen ihn, bei einer Online-Umfrage von Radio FM1 sprachen sich 54 Prozent für eine Weiterbeschäftigung des Trainers aus.

Hüppi: Ich denke, das hat auch damit zu tun, dass der Verwaltungsrat nie in operative Hektik verfiel. Wir blieben immer ruhig und gaben stets zu verstehen, dass der Trainer unantastbar ist.

Hinzu kommt natürlich, dass zurzeit anderes auch noch im Fokus der Öffentlichkeit ist und sich vieles um die Frage dreht, was personell passiert im Rahmen unseres Projektes «Futura».

Sie sprachen die Effizienz an. Oft wird dann das fehlende Glück beklagt. Hat fehlendes Glück nicht auch mit fehlender Qualität zu tun?

Hüppi: Das ist schwierig zu beurteilen. Wenn es dumm läuft, hat man oft auch kein Glück. Nehmen wir das Beispiel von Sandro Calabro. Er hat in Holland gut gespielt und viele Tore erzielt.

Nun fehlt ihm bei uns dieser eine Treffer, der nötig wäre, damit der Knoten platzt. Zudem verfügen wir über viele junge Spieler, denen ab und zu auch noch ein Fehler unterläuft. Aber ich bin nach wie vor überzeugt, dass diese Mannschaft über das Potenzial verfügt, sich im Mittelfeld zu klassieren.

Also unterstützen Sie die These, dass sich die Ostschweiz in der aktuellen Situation eigentlich keinen Super-League-Fussball leisten kann, nicht?

Hüppi: Diese These unterstütze ich nicht. Unsere Mittel und Möglichkeiten sind einfach begrenzt. Wir müssen jeden Franken hart erarbeiten, weil wir hier kein Mäzenentum haben. Diese Ausgangslage wird sich auch mit den privaten Investoren nicht ändern.

Weshalb ist es nicht möglich, Drittpersonen zu finden, die einen Spieler finanzieren?

Hüppi: Es gibt Leute, die uns schon so viel gegeben haben und die nun sagen: Irgendwann ist fertig. Und es gibt Leute, die bereit wären, die aber sagen: Wir warten nun einmal ab, was passiert.

Und die Leute aus dem Investorenkreis sind schon dabei. Es ist nicht so einfach, wie es manchmal erscheinen mag.

Es gibt auch die Kritik, dass der FC St. Gallen aus dem wenigen Geld, das er zur Verfügung hatte, schliesslich auch noch wenig gemacht hat.

Hüppi: Ich denke viel eher, dass wir viel daraus gemacht haben. Es ist immer schwierig, im Vorfeld zu beurteilen, ob ein Spieler die Erwartungen erfüllen kann. Seydou Doumbia benötigte bei den Young Boys ebenfalls ein Jahr Zeit.

In St. Gallen haben wir mit neuen Spielern manchmal zu wenig Geduld. Pfiffe bei einer Einwechslung sind doch Gift für einen neuen Spieler. Bei Tim Bakens ist der Knopf aufgegangen, ich hoffe, dass das Calabro auch bald gelingt.

Wie soll es sportlich nun weitergehen? Was passiert, wenn die Mannschaft weiter verliert?

Hüppi: Ich glaube einfach nicht, dass die Mannschaft weiter verliert.

Doch wenn die Situation im Winter desolat sein sollte, müssen wir uns überlegen, wie wir auch finanziell über unseren Schatten springen können.

Interview: Patricia Loher