Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

VAR-Projektleiter: «Wir werden Krisen bewältigen müssen»

Hellmut Krug (62) war verantwortlich für die Einführung des Videoschiedsrichters in der Bundesliga und jetzt in der Schweiz. Im Interview erklärt er, was er aus den Fehlern gelernt hat.
Aufgezeichnet von Sébastian Lavoyer
Der Deutsche Hellmut Krug, VAR-Projektleiter in der Schweiz, bei der Pressekonferenz am Donnerstag in Muri. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (28. März 2019))

Der Deutsche Hellmut Krug, VAR-Projektleiter in der Schweiz, bei der Pressekonferenz am Donnerstag in Muri. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (28. März 2019))

Sie wurden von Liga-Präsident Heinrich Schifferle als der Mann vorgestellt, der die Fehler in Deutschland gemacht hat und jetzt in der Schweiz alles besser macht. Wie sehr schmerzt das?

Hellmut Krug: Ich habe sicherlich Fehler gemacht, aber ich war mit Sicherheit nicht allein. Wir hatten in Deutschland vom ersten Moment an auch Probleme mit der Technik. Die Abseitslinie funktionierte nicht, wir hatten Ausfälle des ganzen Systems. Da kam schon die Frage auf, ob wir so überhaupt weitermachen können. Es gab eine ganze Reihe von Fehlern, die gemacht wurden, ohne dass ich diese jetzt näher ­erläutern möchte.

Was haben Sie aus den Fehlern gelernt?

Deutschland hatte eine Vorreiterrolle eingenommen. Es war also unausweichlich, dass es zu Diskussionen kommt. Es war unser Ziel, das Spiel möglichst nicht für längere Zeit zu unterbrechen. ­Darum sollten die Schiedsrichter möglichst selten zum Bildschirm an der Linie gehen und sich auf den Videoschiedsrichter verlassen. Das passt aber vielen nicht.

Warum?

Die Klubs und die Öffentlichkeit hatten den Eindruck, dass der Schiedsrichter zur Marionette verkommt. Also haben wir Anpassungen vorgenommen: Wir beschlossen, dass der Schiedsrichter bei subjektiven Entscheidungen den Monitor aufsuchen soll, um sich die Szene selbst anzuschauen.

Bereuen Sie das?

Ich würde nicht mehr in dieser Form nachsteuern. Wir hatten eine klare Strategie, daran hätten wir festhalten und erst nach angemessener Zeit Anpassungen vornehmen sollen.

Was sind denn jetzt die grössten Unterschiede in der Herangehensweise?

Der grösste Unterschied ist, dass wir Erfahrung haben. Die Vorgaben des IFAB (die Regelhüter des Fussballs; d. Red.) sind dadurch viel klarer. Das damals war ein Test, wir waren vielmehr auf uns allein gestellt.

Hat man dort auch erkannt, wie zentral die Kommunikation ist?

Das war uns schon bewusst. Aber im Live-Betrieb ist die Herausforderung noch grösser. Wir suchen den bestmöglichen Weg, die Zuschauer – am TV und im Stadion – und die Medien zu informieren. Damit man unsere Entscheidungen versteht.

Sie möchten im Stadion informieren.

Das ist einer der Punkte, bei denen wir in der Bundesliga im Nachhinein sagten, das hätten wir anders gemacht. Ob es machbar ist und wie, klären wir derzeit ab.

In der Schweizer gibt es keine virtuelle Abseitslinie, keine Torlinientechnologie, weniger Kameras. Schmerzt das?

Überhaupt nicht. Je komplexer die Sache, desto grösser die Zahl der möglichen Fehlerquellen. Natürlich würden mehr Kameras die Chance erhöhen, dass man eine Situation auflösen kann. Aber ab einer bestimmten Anzahl (zwölf; d. Red.) brauchte man auch einen zusätzlichen Techniker.

Nach all den Fehlern, die gemacht wurden, kann man jetzt davon ausgehen, dass alles reibungslos läuft, oder?

Das wissen wir schlicht nicht. Der Teufel steckt im Detail. Wir müssen damit rechnen, dass irgendwann etwas nicht funktioniert. Wir werden Krisen bewältigen müssen. Ich glaube, dem sind wir gewachsen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.