«Wir verschaffen uns international Respekt»

Nachgefragt

Daniel Good
Merken
Drucken
Teilen
Der Schweizer Skip Peter de Cruz an der Curling-EM in St.Gallen. (Bild: GIAN EHRENZELLER)

Der Schweizer Skip Peter de Cruz an der Curling-EM in St.Gallen. (Bild: GIAN EHRENZELLER)

An der Curling-EM in St. Gallen werden morgen die Finals ausgetragen. OK-Präsident Marco Battilana, ein ehemaliger Spitzenspieler und WM-Finalist, ist mit dem Verlauf der Veranstaltung von internationaler Bedeutung rundum zufrieden. Der 41-jährige Schulleiter ist aber auch froh, wenn ihm wieder mehr freie Zeit zur Verfügung steht.

Die EM 2017 ist geglückt. Findet wieder einmal eine EM oder sogar eine WM in St. Gallen statt?

Das kann man jetzt nicht sagen. Zuerst gilt es, diese EM noch gut zu Ende zu bringen. Dann muss ich erst einmal den Kopf durchlüften. Ich habe eine anforderungsreiche Zeit hinter mir mit vielen Sitzungen und anderen Terminen. Aber man soll nie nie sagen. Von der Grösse und der Infrastruktur her wäre es sicher möglich, eine WM im Lerchenfeld durchzuführen. Wir haben hier gezeigt, dass wir in der Lage sind, Grossanlässe durchzuführen. Für eine EM haben wir überdurchschnittlich viele Zuschauer. Allein schon das verschafft uns international Respekt.

Wie refinanzieren Sie die Aufwände von knapp einer Million Franken?

Wir haben vier Standbeine: Catering, Hospitality, Sponsoring und Ticketverkauf. Wir werden das angestrebte und ehrgeizige Ziel, 10000 Zuschauer zu haben, wohl erreichen. Der grösste Sponsor ist die öffentliche Hand mit Stadt, Kanton und Bund. Mit dem Hospitality geht es darum, Curling als Erlebnis zu verkaufen. Die Zuschauer sollen nicht nur auf der Tribüne sitzen und gut verpflegt werden, sondern auch selber spielen. Dieses Konzept kommt sehr gut an.

Marco Battilana hat die Curling-EM 2017 nach St.Gallen geholt, ist Vize-Weltmeister und heute Nachwuchschef des Schweizer Curlingverbands. (Bild: Andrea Stalder)

Marco Battilana hat die Curling-EM 2017 nach St.Gallen geholt, ist Vize-Weltmeister und heute Nachwuchschef des Schweizer Curlingverbands. (Bild: Andrea Stalder)

Was schaut am Ende finanziell heraus?

Wir werden sehr wahrscheinlich ein ausgeglichenes Budget erreichen. Das wissen wir aber erst im nächsten Jahr. Die detaillierte Abrechnung haben wir im Januar oder Februar zur Hand. Es reicht aber sicher, um ein anständiges Helferessen zu organisieren. Fast 300 Personen arbeiten ehrenamtlich für die EM.

Welche Auflagen macht der internationale Verband?

Viele. Sehr viele. Das Allerwichtigste ist heutzutage eine tadellose Internetverbindung. Einen grossen Teil des Budgets nimmt die Unterbringung und Verköstigung des internationalen Verbandspersonals in Anspruch. Dazu kommen Massnahmen im VIP-Bereich, damit sich die hohen Funktionäre auch richtig wohl und wertgeschätzt fühlen.

Wie fallen die Rückmeldungen von Zuschauern, Athleten und Funktionären aus?

Alle sind begeistert. Die Spieler loben die Beschaffenheit des Eises und den grossen Publikumsaufmarsch. Die Zuschauer sind fair und verstehen etwas von der Sportart. Die Schweiz ist ja auch ein Curlingland. Gut kommt im Weiteren an, dass wir alles unter einem Dach haben.

Ausländische Funktionäre kommen nach St. Gallen, um organisatorischen Anschauungsunterricht zu erhalten. Wer ist alles da?

Russen, weil sie vor der Winter-Universiade stehen. Amerikaner aus Las Vegas, weil sie dort auch Eishallen haben. Und natürlich Vertreter aus Estland, weil die EM 2018 in Tallinn stattfindet. Wir setzen die ausländischen Gäste gerne ins Bild.

Interview: Daniel Good