«Wir suchen einen guten Entscheid, der nicht allen gefallen wird»: FC-Thun-Präsident Markus Lüthi will keine Geisterspiele

Markus Lüthi, Präsident des FC Thun, plädierte als erklärter Gegner von Geisterspielen für den Saisonabbruch. Im Interview erklärt er, weshalb er seine Meinung ändern könnte.

Markus Brütsch
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Warum will der FC Thun die Saison abbrechen?

Markus Lüthi: Diese ultimative Meinung hatte ich tatsächlich einmal. Allerdings habe ich inzwischen den Komplexitätsgrad der beiden Varianten «Abbruch» und «Geisterspiele» erkannt und bin vorsichtiger geworden mit meinen Aussagen. Ich möchte zuerst noch diese Woche abwarten.

Was soll da passieren?

Wir haben an einer Videokonferenz am Donnerstag festgestellt, dass wir eine Woche Zeit brauchen, um all die Daten aufzubereiten, die uns ein qualifiziertes Bild verschaffen. Man darf nicht entscheiden, so lange nicht alle Fakten auf dem Tisch sind. Was kosten Geisterspiele? Wie sieht es mit der Kurzarbeit aus? Wie kann man die Situation auffangen? Die Antworten darauf werden dann die Grundlage für eine schriftliche Abstimmung sein wird.

Thuns Präsident Markus Lüthi.

Thuns Präsident Markus Lüthi.

Peter Klaunzer/Keystone

Die Liga will gemäss FCZ-Präsi­dent Ancillo Canepa mit einem Finanzpartner einen Stabilisierungsfonds im tiefen dreistelligen Millionenbereich auf die Beine stellen. Der Bund müsste dafür bürgen. Wäre das die Lösung?

Es braucht eine Bank, die das macht und den Bund, der dafür bürgt. Das wird nicht zeitgerecht vor unserem Entscheid auf dem Tisch liegen. Aber klar, die Absicht ist gut, man muss etwas tun. Doch es wird kein Fonds à perdu sein. Man muss das Geld zurückzahlen.

Was ist mit den 50 Millionen Franken, die der Bund für den Profisport zur Verfügung stellt?

Das tönt gut, ist in der Praxis aber ein Nonvaleur. Nicht praktikabel, weil man sich erst eine Sekunde vor dem Konkurs melden kann.

Sehen Sie eine Chance, dass Kurzarbeit im Profifussball auch in Kombination mit Geisterspielen weiterhin möglich ist?

Wie wirkt das, wenn ein Betrieb wieder öffnet und dennoch Kurzarbeit beansprucht? Das ist nicht unproblematisch. Beizer, die ihr Lokal nur zur Hälfte füllen können, melden auch nicht Kurzarbeit an.

Fürchten Sie bei einem Abbruch keine Klagen? Vom Fernsehen, von Lausanne-Sport…

Wir suchen einen guten Entscheid, der nicht allen gefallen wird. Es wird Sieger und Verlierer geben. Aber es macht jetzt keinen Sinn, solche Szenarien zu skizzieren.

Ein Argument gegen einen Abbruch ist, dass die Transfermarktwerte der Spieler ins Bodenlose sinken würden.

Vielleicht ist es ja gut, wenn die Transferexzesse geringer werden. Bei Klubs wie Thun sind die Preise aber immer normal geblieben. Meine Prognose: Im obersten Segment wird sich nichts ändern, weil andere Geldquellen vorhanden sind. In der Mitte werden die Transfersummen stark einbrechen, unten wieder weniger.

Unter welchen Voraussetzungen würde der FC Thun für die Fortsetzung der Saison stimmen?

Wenn das Resultat der Gegenüberstellung zwischen den Varianten «Geisterspiele» und «Saisonabbruch» dafürspricht.