«Wir sind ganz klar der Underdog»

Die SCL Tigers haben erstmals in ihrer Vereinsgeschichte im NLA-Eishockey die Playoffs erreicht und treffen im Derby gleich auf den Meister SC Bern. Zum Emmentaler Team gehört auch der erst 22jährige Thurgauer Tobias Bucher.

Ruedi Stettler
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Im Berner Playoff-Derby zwischen Langnau (gelb) und Bern wird sicher einiges los ein. (Bild: ky/Lukas Lehmann)

Im Berner Playoff-Derby zwischen Langnau (gelb) und Bern wird sicher einiges los ein. (Bild: ky/Lukas Lehmann)

Eishockey. Bei ihrer Playoff-Premiere treffen die SCL Tigers ab heute Samstag ausgerechnet auf den grossen Kantonsrivalen Bern. Es wird explosive Derbys absetzen. Und eigentlich traut niemand dem krassen Aussenseiter aus dem Emmental zu, dass er den Meister wirklich ernsthaft fordern kann. Tobias Bucher findet das gar nicht so schlecht: «Wir müssen nicht gewinnen, wir dürfen gewinnen. Logisch, dass wir in diesem Aufeinandertreffen nur der klare Underdog sind. Aber vielleicht ist das die Möglichkeit für uns, für Furore zu sorgen.»

Jahrelang haben die treuen, aber leidgeplagten Tiger-Fans darauf gewartet, einmal im Konzert der Grossen mitwirken zu dürfen. Als das Unterfangen der Mannschaft endlich gelang, rastete das Emmental fast völlig aus. Die Euphorie war riesig und färbte auf das Team ab. Im negativen Sinn. Langnau hat von den letzten elf Spielen nur deren zwei gewonnen.

Für den Frauenfelder Bucher ist klar, warum dem so ist: «Durch den unglaublichen Rummel um dieses für die eingefleischten Zuschauer aussergewöhnliche Ereignis, konnten offensichtlich auch wir uns nicht mehr auf das Wichtigste, nämlich das Eishockeyspielen, konzentrieren.»

Erstmals zwei Tore

Im letzten Match der Qualifikation in Zug bahnte sich für die SCL Tigers sogar ein eklatantes Debakel ab, lagen die Gäste doch nach lediglich 37 Minuten schon mit 0:7 im Rückstand.

Dann kam die Zeit für den wendigen Stürmer Tobias Bucher, der zuvor nur sehr spärlich eingesetzt wurde. Trainer John Fust gab dem Thurgauer mehr Eiszeit, und dieser dankte es ihm mit zwei Toren zum Schlussresultat von 2:7.

Der 178 cm grosse und 80 kg schwere Angreifer sagt strahlend: «Zwei Treffer in der gleichen Partie und sogar hintereinander sind mir in der NLA noch nie gelungen.

Zweimal habe ich es mit dem gleichen Trick gegen den finnischen Goalie Jussi Markkanen versucht, und beide Male hat es geklappt. War ein lässiges Gefühl.» Bucher hat also seinem Coach gezeigt, dass er da ist, wenn er gebraucht wird: «Das kann man so sagen.»

Nach der Schlappe am Dienstag in Zug gab es tags darauf das obligatorische Auslaufen und verschiedene Videosequenzen zur Schlappe in der Zentralschweiz. Dann war diese Qualifikation abgehakt, und der Blick galt voll und ganz nur noch dem SC Bern.

Erster Traum schon erfüllt

Das ganze Umfeld fieberte diesem Derby entgegen. Die Spieler selber auch? «Nein, ich hätte ganz gerne einen anderen Gegner gehabt. Aber da man sowieso nicht wählen kann, soll man sich darüber keine Gedanken machen und sich jetzt auf diese Partie fokussieren», gibt Bucher die Marschrichtung bekannt. Ob er spielt, weiss er noch nicht.

Auf der SCL-Homepage ist unter Tobias Buchers Angaben über seinen grössten Traum folgendes nachzulesen: «Playoffs mit den SCL Tigers.» Nun hat sich dieser Traum bereits erfüllt. Was kommt nun? «Abwarten und hoffen, dass es möglichst gut herauskommt.» Buchers grösste Erfolge sind das Mitwirken an der U18-WM und das Erreichen des NLB-Finals mit Visp vor einem Jahr. Eine Steigerung ist also möglich.

Sein Vertrag läuft Ende dieser Saison aus. Forderungen will und kann der talentierte Thurgauer mit der Rückennummer 18 keine stellen: «Wir haben vereinbart, dass wir relativ rasch nach den Playoffs zusammensitzen.» Sollte gegen den Titelverteidiger wirklich eine Überraschung gelingen, dann wird das ein bisschen länger dauern als vorgesehen.

Tobias Bucher (Bild: scl)

Tobias Bucher (Bild: scl)

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