«Wir müssen realistisch bleiben»

Die 25jährige Luzernerin Lara Dickenmann ist eine der Teamstützen des Schweizer Nationalteams. Für eine WM-Teilnahme fehlten Cleverness und Erfahrung, sagt sie.

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Lara Dickenmann Rekordtorschützin des Schweizer Frauen-Fussballnationalteams (Bild: Quelle)

Lara Dickenmann Rekordtorschützin des Schweizer Frauen-Fussballnationalteams (Bild: Quelle)

Frau Dickenmann, wo verfolgen Sie die WM?

Lara Dickenmann: Für ein, zwei Spiele werde ich nach Deutschland reisen, um meine Teamkolleginnen aus Lyon zu sehen. Sonst zu Hause am Fernseher.

Spüren Sie ein wenig Wehmut?

Dickenmann: Sicher wären wir gerne dabei. Für Schweizer Verhältnisse sind wir in der Qualifikation aber weit gekommen. Wir müssen realistisch bleiben. Es nehmen an der WM nur 16 Teams teil. Wären es 32 wie bei den Männern, würde es uns mehr ärgern.

Was fehlt, um erstmals an einer WM oder EM teilzunehmen?

Dickenmann: Die Cleverness und die Erfahrung. Der Angriff ist gut, im Spielaufbau und in der Abwehr begehen wir aber zu viele Fehler. In der Schweiz wird bei den Juniorinnen gute Arbeit geleistet, es gibt viele Talente. Rund zehn Spielerinnen sind im Ausland engagiert, und es dürften bald mehr werden. Das ist wichtig, weil das Niveau in der NLA relativ tief ist. Im Ausland legt man sich eine andere Mentalität zu. Mit der Einstellung der kleinen Schweizerin, für die es nicht so schlimm ist, wenn es einmal nicht läuft, kommt man dort nicht weit.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung in der Schweizer Liga?

Dickenmann: Die NLA hat finanziell nicht viel zu bieten. Seit gewisse Frauenteams in die Vereine der Männer integriert sind und von deren Infrastruktur profitieren können, ist es aber besser geworden. Ich kenne sogar zwei, drei Spielerinnen, die als Profis angestellt sind. Andere verdienen durch zusätzliche Arbeit im Verein Geld.

Im September beginnt die EM-Qualifikation gegen Deutschland, Spanien, Rumänien, die Türkei und Kasachstan. Wie stehen die Chancen?

Dickenmann: Es dürfte schwierig sein, gegen Deutschland einen Punkt zu holen. Unser Ziel ist der zweite Platz, um in die Playoffs zu kommen.

Interview: Stephan Santschi

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