«Wir hofften auf das Momentum»

Die St. Galler Bären scheiterten im dritten und entscheidenden Finalspiel zur EM-Qualifikation an St. Moritz mit 4:9. Skip Claudio Pescia erklärt, weshalb er im letzten End volles Risiko einging und damit ein Fünferhaus in Kauf nahm.

Drucken
Teilen
Claudio Pescia (Mitte), Skip der St. Galler Bären, freute sich trotz der Niederlage über die Fortschritte seines Teams. (Bild: EQ Images/Andy Müller)

Claudio Pescia (Mitte), Skip der St. Galler Bären, freute sich trotz der Niederlage über die Fortschritte seines Teams. (Bild: EQ Images/Andy Müller)

Wie viele Fünferhäuser mussten Sie in Ihrer Karriere hinnehmen?

Claudio Pescia: Naja, ein paar waren es schon. Aber so häufig kommt es nicht vor, dass man ein Fünferhaus kassiert. Wahrscheinlich könnte ich es an einer Hand abzählen.

Wie konnte das im zweitletzten End im entscheidenden Spiel zur EM-Qualifikation passieren?

Pescia: Wir hatten in diesem Spiel nicht das Recht des letzten Steines. Deshalb entschieden wir, volles Risiko zu nehmen, um nochmals einen Stein klauen zu können. Man darf nicht überbewerten, dass es ein Fünferhaus war, welches das Spiel entschieden hat. Bei einer Niederlage ist irrelevant, wie hoch sie war.

War es nicht etwas viel Risiko in einem solch wichtigen Spiel?

Pescia: Wir waren anfangs 1:4 im Rückstand und haben dann aufgeholt. Deshalb hofften wir, dass das Momentum auf unserer Seite ist und St. Moritz nervös wird. Wichtig ist bei einem solchen Entscheid, dass alle dahinterstehen und nicht nur der Skip. Im zweiten Finalspiel wählten wir dieselbe Taktik – mit Erfolg. Aber es ist auch ein gewisses Risiko dabei, ähnlich, wie wenn man im Eishockey zum Schluss den Goalie rausnimmt.

Die St. Galler Bären starteten mit zwei Niederlagen gegen Basel und St. Moritz in die EM-Trials und waren damit bereits am ersten Tag in Rücklage. Wie motivierten Sie Ihr Team für die weiteren Spiele?

Pescia: Wir haben nach dem ersten Tag analysiert, was falsch gelaufen ist. Es waren technische Fehler, die wir beheben konnten. Das hat uns neu motiviert. Wir spielen in einer neuen Formation, und da spürten wir, dass wir mit jeder Partie besser werden.

Am zweiten Tag gewannen Sie gegen den Favoriten Basel Regio 6:2. War das Team von Ralph Stöckli schwächer als erwartet?

Pescia: Wir haben diese Saison in einem Turnier gegen Basel gespielt, und ich hatte das Team stärker erwartet. Man spürte, dass es stark unter Druck war. Denn die Basler haben eher ängstlich gespielt. Das war unsere Chance als Aussenseiter, wir gingen gelassener in die Partie.

Im Vordergrund stand für Sie gar nicht die EM, sondern sich den Olympia-Qualifikationsplatz zurückzuerobern, den Sie durch das schlechte Abschneiden an der WM verloren hatten. Kommt der Ärger über die WM jetzt wieder hoch?

Pescia: Alle haben nur noch die WM im Kopf. Dabei spielten wir zuvor eine starke Schweizer Meisterschaft. Wir wären gerne an die EM gegangen, auch um die Leistung an der Schweizer Meisterschaft zu unterstreichen.

Vancouver 2010 ist Ihr grosses Ziel. Weshalb hat Olympia einen derart höheren Stellenwert als EM und WM?

Pescia: Meiner Meinung nach macht Olympia fast etwas die EM und WM kaputt, weil diese abgewertet werden. Die Medienpräsenz ist an Olympischen Spielen viel stärker. So ist es einfacher, Sponsoren zu finden. Aber es ist eigentlich schade, dass eine Teilnahme an Olympia mehr wert ist als ein Weltmeistertitel. Vancouver 2010 ist aber deshalb speziell, weil es in Kanada, dem Geburtsort des Curlings, stattfindet.

Um doch noch um den Olympiastartplatz kämpfen zu können, müssten Sie im Februar erneut Schweizer Meister werden. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Pescia: Nach dem Weggang von Patrick Hürlimann hatte ich zuerst Zweifel. Doch am Wochenende haben wir uns stetig gesteigert, und so bin ich zuversichtlich.

Interview: Rabea Huber

Aktuelle Nachrichten