«Wir fahren noch zu oft Achterbahn»

Dem Thurgauer Tobias Bucher und seinen SCL Tigers läuft es im NLA-Eishockey bisher gar nicht nach Wunsch. Top oder Flop liegen noch viel zu nahe beieinander. Und langsam muss man Punkte sammeln, will man wieder in die Playoffs.

Ruedi Stettler
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Bucher (r.) möchte öfters jubeln. (Bild: ky/Martial Trezzini)

Bucher (r.) möchte öfters jubeln. (Bild: ky/Martial Trezzini)

EISHOCKEY. Nach ihrer erstmaligen Playoff-Teilnahme essen die SCL Tigers in der neuen NLA-Saison bisher hartes Brot. Nach 18 Runden totalisieren sie 14 Punkte weniger als im Erfolgsjahr, dafür kassierten sie 19 Gegentore mehr. Auch die sonst so legendäre Heimstärke in der uralten Ilfis-Halle scheint verloren gegangen zu sein. Das 1:3 gegen Ambri war schon die vierte Niederlage im achten Heimspiel. Und dabei hatten die Tessiner zuvor achtmal hintereinander nicht gewonnen.

Noch etwas weist deutlich darauf hin, dass die Emmentaler nicht in der gewünschten Form sind: Sie haben nie gewonnen, wenn sie das erste Tor erzielten. So wieder geschehen beim 2:3 am Dienstag gegen Leader Fribourg.

Dass gegen den Spitzenreiter mehr möglich gewesen wäre, zeigen die verschiedenen Möglichkeiten der Tigers in der Schlussphase. Eine davon versiebte auch der Thurgauer Tobias Bucher (55.). Wo sieht der 22jährige Stürmer akuten Handlungsbedarf? «Fast überall. Uns gelingt es immer noch nicht, eine über 60 Minuten konstante Leistung abzurufen. Zudem begehen wir in der Defensive viel zu viele Fehler.» Ist das auch eine leise Kritik am neuen Schlussmann Robert Esche? «Nein, nein, überhaupt nicht. Er kann am wenigsten dafür, dass wir ihn so ungenügend unterstützen.»

Immer wieder Wechsel

Die eher durchschnittlichen SCL-Darbietungen zwingen Coach John Fust auch immer wieder zu Umstellungen. Spielte Bucher zuletzt mit Claudio und Sandro Moggi zusammen, wurde diese Linie nach einer Muskelverletzung von Claudio mit dem formschwachen Robin Leblanc ergänzt. Zuvor bei der 2:4-Niederlage gegen Lugano kam Bucher (ein Treffer von ihm wurde als sogenanntes Schlittschuh-Kicktor korrekterweise annulliert) an der Seite von Joel Perrault und Leblanc zum Zuge. Das alles ist einem Spielfluss nicht gerade förderlich. Der polyvalent als Center oder Flügel (links) einsetzbare Bucher nimmt seinen Trainer in Schutz: «Er muss ja etwas probieren, wenn es nicht läuft.»

Pech hatte der Frauenfelder gleich zum Saisonauftakt, als er sich an der Schulter verletzte und vier Partien pausieren musste. Dann kam er immer besser in Fahrt. In Genf versenkte er eiskalt sogar den letzten Penalty zum Sieg. Wie erklärt sich das Talent diese Steigerung? «Anfang Saison agierte ich wohl mit etwas zu wenig Selbstvertrauen. Jetzt probiere ich halt ab und zu etwas auf eigene Kosten, und das klappt ganz gut. Wenn es läuft, dann läuft's. Und wenn du Pech hast, kannst du noch so viel versuchen und bringst die Scheibe nicht ins Netz.» In 13 Partien schaffte er das erst einmal, dazu kommen fünf Assists und bisher keine Strafe.

Die Langnauer suchen also nach wie vor nach mehr Stabilität. Der 180 cm grosse und 80 kg schwere Nachwuchsinternationale kann sich diese Formschwankungen auch nicht erklären: «Wir fahren viel zu oft Achterbahn. Einmal nicht schlecht oder sogar gut, dann folgt wieder ein Rückfall. Das müssen wir sofort abstellen, sonst wird der Abstand am Playoff-Strich rasch grösser.»

Zu Gast in Frauenfeld

Der ehemalige Absolvent der Sportschule in Kreuzlingen ist an spielfreien Wochenenden (oder Tagen) öfters daheim in Frauenfeld anzutreffen. So etwa, als er sich den Match Frauenfeld gegen Wetzikon anschaute und konstatieren musste, dass sein älterer Bruder Philipp zweimal solo am gegnerischen Keeper scheiterte. Gibt er da etwa gar Tips, wie man es besser macht? «Nein, normalerweise trifft er ja. Aber klar, wir sprechen natürlich schon immer auch über Eishockey.» Am liebsten natürlich, wenn die SCL Tigers und Frauenfeld auf der Erfolgsbahn und nicht auf der ungewissen Achterbahn reiten.

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