Winterthur träumt wieder

FUSSBALL. Der FC Winterthur hat sich vom 15. auf den 7. Platz der Challenge League verbessert. Im Cup-Viertelfinal gegen St. Gallen, der morgen ab 19.30 Uhr ausgetragen wird, sieht er nun die Chance, die Saison in grösserem Stil zu beenden.

Hansjörg Schifferli/ winterthur
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Winterthurs Torhüter Christian Leite lässt sich auf der Schützenwiese feiern. Seit 13 Pflichtspielen ist Winterthur ohne Niederlage. (Bild: ky/Steffen Schmidt)

Winterthurs Torhüter Christian Leite lässt sich auf der Schützenwiese feiern. Seit 13 Pflichtspielen ist Winterthur ohne Niederlage. (Bild: ky/Steffen Schmidt)

Als die Mannschaft des FC Winterthur am 3. Oktober nach einem 0:2 in Bellinzona heimfuhr, waren die wenigsten überzeugt, ihr Trainer Boro Kuzmanovic werde auch die nächste Reise, zum SC Brühl, noch mitmachen. Zu verkorkst war der Saisonstart gewesen, nach einer Spielzeit 2010/11, die ebenfalls in den Abstiegskampf geführt hatte. Die Kritik am Trainer war harsch, gross waren die Zweifel, ob er die Mannschaft, die doch er zusammengestellt hatte, aus diesem Tief würde führen können. Der Präsident erschien in jener Woche auf dem Trainingsplatz und kam im Gespräch mit einzelnen Spielern zum Schluss, das Team stehe hinter dem Trainer, also gebe es keinen Grund, ihn zu entlassen.

Ein 5:0 gegen Brühl

So fuhr der FC Winterthur mit Kuzmanovic auch ans Auswärtsspiel gegen Brühl. Letzter gegen Zweitletzter war damals die Affiche, denn zwischendurch hatte Winterthur die schwache Heimserie mit einem 0:0 gegen Chiasso fortgesetzt. Aber in St. Gallen siegte die Mannschaft 5:0. Und heute sagt der Blick auf statistische Fakten: Die Winterthurer belegen nicht mehr den zweitletzten Rang, sondern den siebten, unweit von Barrageplatz zwei. Sie haben seit dem Auftritt in Bellinzona keines von 13 Pflichtspielen verloren, im Cup selbst die Young Boys besiegt. Das 1:0 gegen Bellinzona war am Samstag eine reife Leistung.

Aber natürlich war es nicht einfach so, dass der Präsident den Trainer im Amt hielt und dann lief es. Die Zweifel am Trainer waren berechtigt, zumal er selbst Ziele formuliert hatte, die er nicht erreichte. Aber der Trainer stellte dann auch um, die Abwehr war nach Bellinzona völlig anders formiert, Sven Lüscher nicht mehr Rechtsverteidiger, sondern wieder Offensivkraft. Mit dieser neuen Defensive erreichte die Mannschaft erst die Stabilität, die sie in den vergangenen elf Runden gar einen Punkt mehr gewinnen liess als St. Gallen. In Zahlen: In den ersten neun Ligaspielen kassierte Winterthur fünfzehn Tore, in den elf Partien seither noch vier.

Zuletzt gewann Winterthur dreimal in Folge zu Hause; dreimal so oft wie im Jahr 2011. In den vergangenen sechs Spielen erzielten die Innenverteidiger Sawwas Exouzidis und der ehemalige St. Galler Daniel Sereinig fünf Tore. Nach menschlichem Ermessen gebannt ist die Abstiegsgefahr. Unbelastet gesehen werden kann nun die Chance im Cup. Noch ist die Erinnerung wach an den letzten Halbfinal, im März 2006, der gegen Sion nur wegen eines späten (Abseits-)Tores verlorenging.

Keine Super-League-Lizenz

Winterthur kann morgen also eine lange Zeit verpatzte Saison noch veredeln. Es ist aber auch anzufügen, dass das Team «nur» wieder dort steht, wo es stehen müsste – aufgrund der Selbsteinschätzung, des Potenzials seines Kaders, aber auch der Ressourcen. Das Budget von vier Millionen Franken gehört zu den besseren der Liga. Jahr für Jahr begleicht Präsident Hannes W. Keller rund ein Drittel davon. Ihm ist nicht so wichtig, dass die Mannschaft aufsteigt, zumal die Infrastruktur dafür schlecht ist. Ihm ist wichtiger, dass Winterthur gut spielt und das Publikum erfreut. Platz zwei in der Liga mag sportliches Ziel sein, der Aufstieg ist es nicht: Der Club hat die Super-League-Lizenz nicht einmal beantragt.

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