Wintersport
Omikron und Delta halten Gut-Behrami, Cologna, Ammann und den Breitensport im Würgegriff

Der Bundesrat zieht im Kampf gegen steigende Infektionszahlen und die Omikron-Mutation die Schrauben an und beschliesst weitere Massnahmen. Das hat auch Folgen für den Sport in der Schweiz.

Simon Häring, Rainer Sommerhalder
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Das Wichtigste in Kürze

  • Der Bundesrat trifft zusätzlich Massnahmen, um die Zirkulation der dominierenden Deltavariante zu reduzieren und die Verbreitung der neuen Variante Omikron möglichst zu verlangsamen.
  • Skifahrerinnen, die am am 11./12. Dezember an den Weltcuprennen in St.Moritz teilnehmen und aus Kanada anreisen, müssen auf eine von der Bündner Kantonsärztin genehmigte Ausnahmeregelung hoffen.
  • Die Zertifikatspflicht wird auf Sport in Innenräumen ausgeweitet. Die bisherige Ausnahme für beständige Gruppen unter 30 Personen wird aufgehoben. Trainings- und Spielbetrieb werden nicht eingeschränkt.

Während sich das Infektionsgeschehen der Deltavariante des Coronavirus beschleunigt, breitet sich die Mutation Omikron über die ganze Welt aus. Der Bundesrat hat deshalb an einer kurzfristig einberufenen Krisensitzung Massnahmen getroffen, um einerseits die Zirkulation der Deltavariante zu reduzieren und die Ausbreitung von Omikron zu verlangsamen. Das hat auch Auswirkungen auf Wintersportwettkämpfe und den Breitensport.

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Welche Auswirkungen haben die Massnahmen auf die Weltcup-Skirennen der Frauen vom 11. und 12. Dezember in St. Moritz?

Wer aus einem Land einreist, das auf der Liste des Bundesamts für Gesundheit steht, muss sich testen lassen und für zehn Tage in Quarantäne begeben. Daran hält der Bundesrat vorerst fest. Das bedeutet, dass die Skifahrerinnen um Lara Gut-Behrami und Corinne Suter, die am Wochenende im kanadischen Lake Louise bei den Weltcuprennen starten, am folgenden Wochenende in St. Moritz nicht antreten können, weil sie die Quarantäne nicht einhalten können. An dieser Regelung will der Bundesrat festhalten. Das letzte Wort dürfte aber noch nicht gesprochen sein. Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann sagt zu dieser Zeitung: «Unser grösstes Interesse ist es, dass man an Veranstaltungen festhalten kann. Wir werden alles tun, was in unserer Macht liegt. Wir gehen davon aus, dass das Bubble-System, das schon im Vorjahr hervorragend funktioniert hat, ein sehr wertvolles Argument sein wird.» Die Hoffnung ist nicht unbegründet: Die zuständige Kantonsärztin Graubündens, Marina Jamnicki, kann Betroffene von der Test- und Quarantänepflicht befreien.

Mehr Zeit als St. Moritz haben die Organisatoren der weiteren Schweizer Weltcupdestinationen - die Klassiker in Adelboden und Wengen im Januar. Aber gerade am Lauberhorn wird angesichts der Tatsache, dass der Entscheid vom Bund an die Kantonsärzte delegiert wird, ein mulmiges Deja-vu-Gefühl aufkommen. Vor einem Jahr sagte die Berner Kantonsärztin den Anlass ebenfalls wegen des Ausbruchs einer Virusmutation (Britische Variante) nur Tage vor dem Rennen ab. Grund war damals ein lokal starker Anstieg der Fälle im Berner Skiort.

Nach Lake Louise müsste Lara Gut in Quarantäne. Sie würde somit das Rennen in St. Moritz verpassen.

Nach Lake Louise müsste Lara Gut in Quarantäne. Sie würde somit das Rennen in St. Moritz verpassen.

AP

Was bedeutet das für die Weltcup-Wettbewerbe im Langlauf in Davos (11./12. Dezember), Skicross in Arosa (14./15. Dezember) Skispringen in Engelberg (17. bis 19. Dezember) und die Tour de Ski in Lenzerheide (28./29. Dezember)?

Anders als im Skiweltcup hat man das Bubble-System im Skispringen und im Langlauf gelockert. Das heisst: Athletinnen und und ihre Betreuerinnen können zwischen den Wettkämpfen in ihre Heimatländer reisen. Davon direkt betroffen sind zum Beispiel die Tschechen. Aber auch die Schweizer. Ein Beispiel: Bei den Langläufern um Dario Cologna werden von Menschen aus fünf verschiedenen Ländern betreut, darunter ein Tscheche. Bei den Skispringern stammt ein Physiotherapeut aus den Niederlanden.

Im Langlauf finden am nächsten Wochenende Rennen in Lillehammer statt. Die Skispringer gastieren noch in Polen und Deutschland. Heisst: Betroffene müssten direkt weiterreisen, weil sie die vorgeschriebene zehntägige Quarantäne vor den Wettkämpfen gar nicht einhalten könnten. Ähnliches gilt für die Skicrosser und die Skispringer. Die Durchführung der Wettbewerbe ist vorerst nicht gefährdet. Weil bisher keine bedeutenden Wintersportnationen oder Gastgeber von Wettkämpfen auf der Liste des Bundesamts für Gesundheit stehen, drohen vorerst keine weiteren Absagen. Gedanken machen muss sich der Spengler Cup (26. bis 31. Dezember). Der tschechische Vertreter Sparta Prag steht am 21. und 23. Dezember noch in der heimischen Liga im Einsatz, eine zehntägige Quarantäne ist kaum mit einer Teilnahme zu vereinbaren.

Das Bubble-System wurde im Langlauf gelockert.

Das Bubble-System wurde im Langlauf gelockert.

Key

Was für Auswirkungen hat das auf die Olympischen Spiele?

Auswirkungen haben die Reisebeschränkungen für Athleten aus Ländern wie Tschechien, die auf der Liste des Bundesamts für Gesundheit stehen, und sich folglich in Quarantäne begeben müssten, wenn sie in der Schweiz an Wettkämpfen teilnehmen. Das marginalisiert ihre Chancen, sich über einen Quotenplatz für die bereits in knapp zwei Monaten beginnenden Olympischen Spiele in Peking zu qualifizieren. Dazu ist möglich, dass in den nächsten Tagen weitere Länder der Liste hinzugefügt werden.

Wird im Fussball und Eishockey in den Profiligen bald wieder ohne Zuschauer und mit eingeschränkter Kapazität gespielt werden müssen?

Nein, das Gegenteil ist der Fall. Zwar gilt bei Grossveranstaltungen künftig bereits ab 300 statt bisher 1000 Zuschauern die Zertifikatspflicht, weitere Massnahmen kann der Bundesrat allerdings nicht erlassen und möchte das auch nicht. Bei der Konsumation in Innenräumen wie Stadion gilt eine Sitzpflicht. Allerdings können die Kantone weiter gehende Massnahmen verordnen. So gilt in Bern für Besucher der Spiele der Young Boys und des SC Bern im ganzen Stadion eine Maskentragepflicht ab 12 Jahren.

Was bedeutet das für den Amateur- und Breitensport?

Trainings- und Spielbetrieb im Amateur- und Breitensport sind vorerst nicht eingeschränkt. Allerdings wird die Zertifikatspflicht auf sportliche Aktivitäten von Laien in Innenräumen ausgeweitet. Die bestehende Ausnahme für beständige Gruppen unter 30 Personen wird aufgehoben.

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