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WIMBLEDON: Tomic hat keine Lust

Kaum je zuvor gab es auf den Courts in Wimbledon einen derart lustlosen Auftritt wie derjenige von Bernard Tomic. Der Australier gibt an, nur noch Tennis zu spielen, um Geld zu verdienen. Und handelt sich damit Kritik von Tennisgrössen ein.
Jörg Allmeroth, London
Ein Tennisprofi auf Abwegen: Seit Bernard Tomic auf der Tour unterwegs ist, begleiten ihn Eklats. (Bild: Dave Hunt/EPA)

Ein Tennisprofi auf Abwegen: Seit Bernard Tomic auf der Tour unterwegs ist, begleiten ihn Eklats. (Bild: Dave Hunt/EPA)

Jörg Allmeroth, London

Auf der Höhe seiner Kunst lässt er selbst die schwersten Schläge spielerisch leicht aussehen. Bernard Tomic hat fast alles, was es braucht, um im Welttennis erfolgreich zu sein: die Athletik, das feine Händchen. Und den magischen Touch, der einem als Geschenk in die Wiege gelegt wird. Doch Tomic, der 24-jährige Australier, der in Stuttgart geboren wurde, ist nicht etwa auf den Spuren eines Roger Federer oder Novak Djokovic im Wanderzirkus unterwegs, sondern eher auf Abwegen – und tief ins Abseits.

Viel hat Wimbledon in seiner über 100-jährigen Geschichte schon erlebt, aber einen Auftritt wie den von Tomic am Dienstag nicht: Erst verschenkte er ganz unverhüllt sein Erstrundenmatch gegen Mischa Zverev, dann lieferte er eine aufsehenerregende Pressekonferenz ab, die Schockwellen auslöste am ehrwürdigen Grand-Slam-Schauplatz. «Ich war ein bisschen gelangweilt da draussen», bekannte Tomic vor den entgeisterten Reportern, «ich spüre keine Motivation. Es ist einfach nichts da.» Tennis spiele er sicher noch weitere zehn Jahre, gab Tomic dann zu Protokoll und benannte sein Ziel so: «Danach muss ich dann nie mehr arbeiten.» Als ihn die Berichterstatter mit erzürnten Reaktionen von TV-Zuschauern konfrontierten, sagte er: «Das sind Leute, die vorm Computer sitzen und 50 Dollar in der Stunde verdienen.»

Pat Cash: «Er sollte mal in einer Fabrik arbeiten»

Kaum waren die ersten Aussagen bekannt geworden, keilten australische Tennisstars scharf zurück: «Er sollte mal ein paar Monate in einer Fabrik arbeiten, dann weiss er, wie schwer andere Menschen ihr Geld verdienen», sagte Pat Cash in der BBC-Show «Today at Wimbledon». Die frühere Topspielerin Rennae Stubbs nannte Tomic «eine Schande für das australische Tennis und seine grosse Geschichte». Falls Tomic keine Lust aufs Tennisspielen habe, so Legende Martina Navratilova, «sollte er nicht einen Platz wie Wimbledon mit diesem Verhalten beschmutzen».

Vor einigen Jahren hatte der Deutsche Tennisbund versucht, den gebürtigen Stuttgarter ins deutsche Davis-Cup-Team zu lotsen. Angeblich scheiterte der Transfer an Geldforderungen. Zum Glück, denn seit Tomic auf der Tour unterwegs ist, begleiten ihn hartnäckig Eklats. Als der 24-jährige Australier in seiner Heimat wegen Geschwindigkeitsverstössen mit seinem Ferrari aufgefallen war, wurde ihm der Führerschein entzogen. Polizisten, die ihn wegen Ruhestörung befragen wollten, entgegnete er: «Wissen Sie eigentlich, wer ich bin?» Auch in Miami geriet Tomic schon mit der Polizei in Konflikt, weil er in einer 9400 Dollar teuren Hotelsuite die Lautsprecher zu laut aufgedreht hatte und sich nicht dem Sicherheitspersonal beugen wollte.

Einst hatte Tomic laut angetönt, er werde in seiner Karriere alle vier Grand Slams gewinnen. Er hätte das Talent dazu, das bestätigen seine härtesten Kritiker. Doch Schlagzeilen liefert er als Profi mit fragwürdiger Arbeitseinstellung. «Tomic the Tank» nennen sie ihn, ein Schmähtitel, der sich aus der Vokabel «tanking» ableitet – Tomic, der Abschenker. Schon oft war Tomic auffällig lustlos auf den Courts herumspaziert, doch noch nie an einem so prominenten Ort wie Wimbledon. «Ich wusste nicht, was da mit ihm los war», sagte Sieger Zverev, «er hatte mich ja in Halle noch klar besiegt.»

«Es gibt mir einfach keine Befriedigung»

Es sei ihm «im Moment völlig egal, ob ich einen Pokal gewinne oder gut spiele, es gibt mir einfach keine Befriedigung», gestand Tomic nach dem bizarren Wimbledon-Gastspiel, das ihm rund 40 000 Euro Preisgeld einbrachte. Dass Motivation und Spielfreude schnell zurückkehren könnten, glaubt Tomic nicht: «Ob ich in der ersten oder der vierten Runde der US Open ausscheide, interessiert mich einfach nicht.»

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