WIMBLEDON: Federers Superlauf

Roger Federer zieht mit Bravour in die Halbfinals ein. Er bezwingt den Kanadier Milos Raonic in drei Sätzen. Das Tor zum Turniersieg ist weit offen. Denn Novak Djokovic muss aufgeben.

Jörg Allmeroth, London
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Roger Federer freut sich über die erneute Halbfinalqualifikation. (Bild: Peter Klaunzer/KEY)

Roger Federer freut sich über die erneute Halbfinalqualifikation. (Bild: Peter Klaunzer/KEY)

Jörg Allmeroth, London

Er hob völlig losgelöst zu einem kleinen Luftsprung ab, dann ballte er die Fäuste in den tiefblauen Himmel über dem Centre Court: Auf seinem geliebtesten Tennis-Spielplatz darf Roger Federer nach seinem 6:4-6:2-7:6(7:4)- Viertelfinalsieg über den Kanadier Milos Raonic weiter vom Titelrekord träumen, vom achten Sieg im All England Club zu Wimbledon. «Ich bin so glücklich, dass ich weiter diesen Superlauf habe», sagte der meisterlich auftrumpfende Schweizer. Er steht zum zwölften Mal in den Halbfinals des prestigeträchtigsten Turniers der Welt.

Federer war auch der Mann, der in den Aufregungen dieses ebenso spektakulären wie denkwürdigen Wettkampftages als Einziger aus der Elitegruppe des Welttennis im Rennen blieb – denn nach Rafael Nadal am Montag schieden nun auch die Nummern eins und zwei der Welt aus, Andy Murray und Novak Djokovic, beide mit erheblichen Verletzungsproblemen. Djokovic konnte seine Partie gegen Tomas Berdych nicht beenden, er gab beim Stand von 6:7 und 0:2 auf. Nun trifft Federer auf den Tschechen, gegen den er eine 18:6-Bilanz hat. Zwei Begegnungen gab es bisher in Wimbledon: 2006 siegte Federer, 2010 Berdych. «Er ist einer der besten Rasenspieler überhaupt. Es wird die wahrscheinlich schwerste Aufgabe», so Federer.

Der Rasenmeister ist zupackend

Bisher hat Federer an den Internationalen Englischen Meisterschaften des Jahres 2017 noch keinen Satz abgegeben. Er ist die dominierende, überragende Figur der Wettspiele an der Church Road. Er verkörpert die Rolle des Rasenmeisters mit aller nur denkbaren Bravour. Nur noch zwei Siege trennen ihn auch von der Rekordmarke von acht Titeln, zurzeit teilt er sich die Führung bei Titelgewinnen noch mit Pete Sampras und dem Engländer William Renshaw.

Auch in seinem 100. Spiel auf Wimbledons heiligem Tennis- rasen und bei seinem 89. Sieg lieferte Federer eine Demonstration seiner Kunst auf dem Grand-Slam-Grün. Er wirkte alterslos in seinem Auftritt, ebenso zupackend wie konzentriert. Gegen seine Dynamik und Entschlossenheit hatte Raonic, der kanadische Haudrauf, einfach keine Chance. «Ich bin rundum zufrieden mit meinem Spiel», sagte Federer später. In bloss 59 Minuten brachte der 35-jährige Familienvater die ersten beiden Sätze hinter sich. Er diktierte das Geschehen nach Belieben, hatte auch das fast magische Auge für den krachend schnellen Service Raonics. Eine Wiederholung der Vorjahres-Sensation – damals hatte der Kanadier im Halbfinale gewonnen – stand nie zur Debatte.

Das Urteil des früheren Champions

Zu imponierend spielte Federer, zu sehr hatte er Raonic im Griff. «Er spielt wie in seinen besten Zeiten hier», sagte Australiens früherer Champion Pat Cash, «ich sehe nicht, dass Roger hier gestoppt werden kann.» Auch im dritten Satz, als die Partie umkämpfter wurde, hielt Federer Kurs. Er wehrte früh alle Breakbälle ab. Das Tiebreak gewann er trotz eines 0:3-Rückstands.