WIMBLEDON: Federer zeigt Dimitrov den Meister

In weniger als 100 Minuten erreicht Roger Federer die Viertelfinals. Der Herausforderer Grigor Dimitrov ist ohne Chance. Morgen spielt Federer gegen den 26-jährigen Kanadier Milos Raonic.

Jörg Allmeroth, London
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Roger Federer schiebt sich in die Favoritenrolle. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone)

Roger Federer schiebt sich in die Favoritenrolle. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone)

Jörg Allmeroth, London

In seiner Box herrschte wieder einmal Hochbetrieb. Stefan Edberg, der frühere Trainer und Berater, war gekommen. Und auch Anna Wintour, die «Vogue»-Chefin und eine Freundin der Federer-Familie, hatte an diesem Montag in der privilegierten Zuschauerposition Platz genommen. Und sie alle im Camp des Rekordchampions erlebten eine meisterliche Vorstellung des Maestro, einen 6:4-6:2-6:4-Erfolg Federers, der die Träume vom achten Titel nährte, von einer einmaligen Bestmarke. «Ich hätte es nicht für möglich gehalten, einen so leichten Sieg», sagte Federer nach seiner Gala auf dem Hauptplatz des All England Club.

Der Schweizer unterstrich auch einmal mehr seine Autorität auf dem Centre Court, auf dem er die sage und schreibe 15. Viertelfinalteilnahme am wichtigsten und prestigeträchtigsten Turnier der Welt bewerkstelligte. «Es ist eine unglaubliche Konstanz, die Federer hier zeigt. Eine Ausdauer, die so schnell nicht wieder erreicht werden wird», sagte John McEnroe, selbst einmal der dominierende Spieler auf den grünen Tennisfeldern an der Church Road. Morgen trifft Federer nun in der Runde der letzten Acht auf den kanadischen Kanonier Milos Raonic, dem er im Halbfinal des vergangenen Jahres in fünf Sätzen unterlegen war. «Damals war ich gesundheitlich einfach nicht auf der Höhe. Jetzt ist es eine ganz andere Situation. Ich fühle mich frisch und gut», sagte Federer.

Der Rasenflüsterer ist da, wenn es zählt

Während Federer zu Beginn der zweiten, alles entscheidenden Wimbledon-Woche den Turbo zündete und weitere Hoffnungen auf eine triumphale Titelmission nährte, enttäuschte sein Gegenüber, der oft mit dem Maestro verglichene Bulgare Grigor Dimitrov, ziemlich schwer. Nur im ersten Satz konnte der technisch hochbegabte, oft aber an seinen Nerven scheiternde Dimitrov einigermassen auf Augenhöhe mit Federer mitspielen, doch auch im Auftaktdurchgang konnte er die Big Points nicht verbuchen – die gingen an den 35-jährigen Rasenflüsterer Federer, der zum Erstaunen mancher Fachbeobachter auch an diesem vollgepackten Tennistag auf dem Centre Court auftreten durfte. «Es hätte auch andere Ansetzungsmöglichkeiten gegeben. Es war durchaus nicht selbstverständlich, dass ich auf dem Centre Court spielte», sagte Federer, «aber ich habe es mit gutem, sehr gutem Tennis zurückgezahlt.»

Bei Federer weiss man im ehrwürdigen Club, was man hat. Und in aller Regel bekommt. Auch an diesem grössten Tag, den das Welttennis kennt, mit allen Achtelfinals. Sieg Nummer 88 in seiner Wimbledon-Karriere war eine Demonstration von Entschlossenheit und Selbstbewusstsein, beinahe durchgehend von der ersten bis zur letzten von 98 Spielminuten. Kaltblütig nutzte der Schweizer jeden Schwächemoment Dimitrovs aus, punktete auch regelmässig bei den Breakchancen. «Ich war da, wenn es sein musste, wenn es zählte», sagte Federer, «das war auch wichtig für die nächste Turnierphase. Die Gewissheit, dass man sein bestes Tennis spielt im richtigen Moment.»

Nur ein kleiner Rückschlag

Um seine 50. Teilnahme an einem Grand-Slam-Viertelfinal musste Federer nach dem Gewinn des ersten Durchgangs nicht mehr bangen. Den zweiten Satz holte er sich mit 6:2, zog dann auch im dritten Akt wieder im Eiltempo auf 4:2 davon. Es gab dann einen kleinen Rückschlag, als Dimitrov zum 4:4 egalisierte. Aber der Bulgare verspielte gleich wieder seine Chance auf ein Comeback, auf eine mögliche grössere Wende, als er das Break zum 4:5 kassierte.