Wimbledon
Roger Federer überzeugt gegen Gasquet, steht in der dritten Runde und sagt: «Es fühlte sich an wie früher, wunderbar»

Roger Federer besiegt den Franzosen Richard Gasquet (35, ATP 56) mit 7:6 (7:1), 6:1, 6:4 und steht in Wimbledon in der dritten Runde. Es ist wohl die beste Darbietung seit seiner Rückkehr im März.

Simon Häring
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Roger Federer steht in Wimbledon in der dritten Runde.

Roger Federer steht in Wimbledon in der dritten Runde.

Alberto Pezzali / AP

Jeder Schlag, jeder Ballwechsel könnte sein letzter sein. Roger Federer weiss es, seine Gegner wissen es. Für sie ist es eine Chance, jenen Spieler zu bezwingen, der die Geschichte dieses Sports in den letzten zwei Jahrzehnten mehr geprägt hat als jeder zuvor. Nikolos Basilaschwili ist das in Doha gelungen, Pablo Andujar in Genf, dem knapp halb so alten Félix Auger-Aliassime in Halle. Es braucht keinen Rafael Nadal oder Novak Djokovic mehr, um ihn in Bedrängnis zu bringen. Seine Gegner erstarren nicht mehr in Ehrfurcht vor Federer, nicht einmal in Wimbledon.

Schon in der ersten Runde stand er kurz vor dem Aus, ehe sein Gegner, der Franzose Adrian Mannarino, sich bei einem Sturz am Knie verletzte und kurz darauf aufgeben musste. Nun bezwang er mit dem Franzosen Richard Gasquet (35, ATP 56) einen Spieler, gegen den er zuvor 18 von 20 Spielen gewonnen hatte. Doch für Federer ist in dieser Phase der Karriere fast nichts mehr selbstverständlich. Jeder seiner Siege ist erarbeitet, erduldet, erlitten. Diesmal setzt sich Federer mit 7:6 (7:1), 6:1, 6:4 gegen Gasquet durch, der den Zenit seiner Karriere schon länger überschritten hat.

Zwei Mal stürzt Roger Federer im Verlauf der Partie.

Zwei Mal stürzt Roger Federer im Verlauf der Partie.

Facundo Arrizabalaga / EPA

Eine Hommage an den Arbeiter Federer

Den ersten Satz gewinnt Federer erst im Tiebreak – mit 7:1. Den zweiten dominiert er nach Belieben. Im dritten Durchgang gelingt ihm das Break zum 4:3. Federer gibt seinen Aufschlag kein einziges Mal ab und kommt nur im ersten, engen, aber nicht hochklassigen ersten Satz in Bedrängnis.

Mit 39 Jahren und 327 Tagen ist Roger Federer der älteste Mann seit dem Australier Ken Rosewall 1975, der in Wimbledon die dritte Runde erreicht. «Das war ein spezieller Tag für mich. Natürlich bin ich glücklich», sagte Federer und erinnerte an seine schwierigen, letzten anderthalb Jahre. «Das ist, was ich unbedingt gebraucht habe: Eine Stunde Tennis, in der es war wie früher. Das war ein wunderbares Gefühl. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Spielen diese 20, 30 Minuten sackstarkes Tennis spielen kann.»

Es ist vermutlich die stärkste Darbietung Federers seit seiner Rückkehr im März nach zwei Operationen am Knie, im Jahr, in dem er seinen 40. Geburtstag feiert. Der Erfolg ist auch eine Hommage an eine Facette Federers, die viel zu wenig Beachtung erfährt: jene des Arbeiters. Denn abseits des Schwenkbereichs der Kameras arbeitet Federer weit härter, als viele das vermuten. Alles für den Rausch auf dem Platz, den Applaus, die Sekunden im Lichtkegel der Schweinwerfer, die seine letzten sein könnten.

Severin Lüthi, Ivan Ljubicic und Daniel Troxler fiebern schon in den ersten Runden eines Grand-Slam-Turniers mit.

Severin Lüthi, Ivan Ljubicic und Daniel Troxler fiebern schon in den ersten Runden eines Grand-Slam-Turniers mit.

Facundo Arrizabalaga / EPA

Und es gibt sie noch, diese magischen Momente, diese Geniestreiche, den Zauber, keine Frage. Doch ob das reichen wird, um noch einmal um grosse Titel spielen zu können? Die Frage bleibt vorerst unbeantwortet.

Nächster Gegner: Cameron Norrie

Vor dem Turnier sagte Federer, sein Ziel sei es, in Wimbledon die zweite Turnierwoche zu erreichen. Es wäre sein bestes Ergebnis seit der Rückkehr und Beweis dafür, dass er noch immer zu den Besten gehört. Im Prinzip hat er diesen schon längst erbracht, doch sein Massstab ist ein anderer. Vor allem in Wimbledon, wo er acht Mal den Titel gewonnen hat und vier weitere Male im Final Stand. Dort, wo ihn vor zwei Jahren im Final gegen Novak Djokovic zwei Mal nur ein Punkt vom neunten Titel trennten.

Vickie Flores / EPA

In der dritten Runde trifft Federer auf den Briten Cameron Norrie (ATP 45). Beim Rasenturnier von Queen's erreichte der 25-jährige Linkshänder den Final. Das bisher einzige Duell gewann Federer 2019 beim Hopman Cup mit 6:1, 6:1. Das war, bevor er sich zwei Mal am Knie hatte operieren lassen müssen. Nach seinem Einzug in die dritte Runde von Wimbledon sagte Norrie: «Wenn es einen guten Zeitpunkt gibt, um gegen ihn zu spielen, dann jetzt. Er ist immer noch ein guter Spieler.» Aber eben wohl längst und vielleicht nicht mehr jener Mann, der im Tennis die Massstäbe setzt.

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