Willkommen in der Hölle des Südens: Am 1. August beginnt die Radsportsaion von Neuem - mit dem Thurgauer WM-Dritten Stefan Küng

Der Neustart im Profiradsport erfolgt mit einer speziellen Prüfung: Die «Strade Bianche» auf Schotterstrassen in Italien zählen zu Stefan Küngs Lieblingsrennen. Es ist der erste Wettkampf im Rahmen der World Tour nach der Coronapause.

Daniel Good
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Das Rennen über die weissen Schotterstrassen (italienisch strade bianche) führt über 184 Kilometer. Start und Ziel befinden sich in Siena in der Toskana.

Das Rennen über die weissen Schotterstrassen (italienisch strade bianche) führt über 184 Kilometer. Start und Ziel befinden sich in Siena in der Toskana.

Bild: Daniele Badolato/AP
  • Das Archaische hat Konjunktur im Profiradsport
  • Ob Tour de France oder Giro d’Italia: Reisen in die Vergangenheit sind en vogue
  • Das gilt auch für das Rennen «Strade Bianche», das Paris–Roubaix des Südens.

Am Samstag geht es in der Toskana über Kieswege wie vor 100 Jahren. Die einen lieben es, die anderen hassen es. Auf jeden Fall ist das Rennen über die strade bianche (italienisch für weisse Strassen) auch dieses Jahr sehr gut besetzt. Es ist die erste Prüfung im Rahmen der World Tour nach der Coronapause.

Stefan Küng

Stefan Küng

Marcel Bieri / KEYSTONE (Belp, 12. Juli 2020)

Paris–Roubaix wird die Hölle des Nordens genannt, die Strapazen auf den strade bianche sind genau so gross. Für Stefan Küng sind beide Rennen jedes Jahr ein Höhepunkt. In diesem Jahr startet der Wilener als Captain der französischen Mannschaft Groupama-FDJ zum Klassiker in Siena.

Vollbepackter Rennkalender

Küng ist gut vorbereitet, aber noch nicht in absoluter Hochform. «Denn ab Samstag geht es Schlag auf Schlag bis am 25. Oktober, wenn Paris–Roubaix auf dem Programm steht. Da muss man schon dosieren, damit man so lange in Form bleiben kann», sagt der WM-Dritte. Die Situation ist ungewohnt, aber für alle gleich. Der Thurgauer sagt:

«Die Saison findet nun in einem Zug statt mit vielen Höhepunkten in kurzer Zeit.»

Normalerweise ist das Jahr für die Veloprofis in Blöcke aufgeteilt. Nun folgen Rennen, auf die sich Küng im Winter vorbereitet hat, die wegen der Coronapandemie jedoch abgesagt wurden.

«Ich bin anfangs schon in ein Loch gefallen, aber schliesslich musst du die Situation akzeptieren und das Beste daraus machen. Sonst wirst du verrückt.»

Auch die Fahrt über die strade bianche hätte eigentlich schon am 8. März stattfinden sollen.

Prognostiziert sind Temperaturen von 37 Grad

«Am Samstag will ich sicher ein gutes Resultat erreichen. Die Form ist da. Ich bin mir nur noch nicht ganz so sicher, wie ich mit der Hitze zurechtkomme. Ich muss sicher viel Staub schlucken», sagt Küng. Angesagt sind in Siena Temperaturen von 37 Grad. In elf Sektoren sind 63 Kilometer auf Schotterstrassen zu bewältigen.

Fast alle guten Klassikjäger wie Peter Sagan und Vorjahressieger Julien Alaphilippe sind am Start. Aber auch Rundfahrtenspezialisten wie Vincenzo Nibali und Tadej Pogacar. Rekordsieger auf den weissen Strassen mit drei ersten Plätzen ist Fabian Cancellara, der auch Pars–Roubaix dreimal für sich entschied.

Vielen Touren auf dem Mountainbike

Küng brennt auf den Start nach dem Shutdown. «Velofahren ist nach wie vor meine Leidenschaft. Trainieren ist überhaupt keine Strafe. Vielmehr hatte ich Mühe, wenn ich mich mit der sportlichen Betätigung zurückhalten musste», sagt der 26-Jährige. Die wettkampffreie Zeit überbrückte er auch mit vielen Touren auf dem Mountainbike. Ausflüge unternahm er vor allem in der Ostschweiz. Küng ist gerne in der Natur.

Vier Tage in der reinen Alpenluft

Eintagesrennen sind wichtig, aber über allem steht die Tour de France. Vor allem für französische Equipen wie jene von Küng. Deshalb fuhr die Mannschaft in der vergangenen Woche über Pässe, die auch während der Tour zu bewältigen sind. Reine Alpenluft, dafür lange Steigungen. Am Samstag ist es weniger steil, dafür staubtrocken wie auf den unbefestigten Strassen in der Vergangenheit.